Verdächtiges, aber noch kein Verdacht im Fall Vuckovic

Einen Tag nach dem Bekanntwerden der Dopingverdächtigungen gegen die Triathleten Anja Dittmer und Stephan Vuckovic werden jetzt weitere Details aus den Ermittlungsakten der Staatsanwalt Magdeburg öffentlich. Konkrete Doping-Vorwürfe lassen sich daraus noch nicht ableiten, Erklärungsbedarf besteht dennoch.

Von > | 29. November 2006 | Aus: SZENE

Stephan Vuckovic | Stephan Vuckovic gewinnt bei der Olympiapremiere in Sydney 2000 die Silbermedaille

Stephan Vuckovic gewinnt bei der Olympiapremiere in Sydney 2000 die Silbermedaille

Foto >Delly Carr / sportsphotography.com.au

Wie der "Tagesspiegel" in seiner Donnerstagsausgabe berichtet, begründeten sich die Verdächtigungen gegen Vuckovic vor allem auf einen E-Mail-Kontakt zwischen dessen ehemaligem Trainer Thomas Springstein und dem spanischen Arzt Dr. Miguel Peraita, der in den Untersuchungen der Staatsanwaltschaft eine der Schlüsselfiguren eines internationalen Doping-Netzwerkes zu sein scheint. Darin, so heißt es, bedanke sich Springstein für die "kreativen Ideen" bezüglich Vuckovic, nachdem dieser bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney überraschend die Silbermedaille gewonnen hatte. Peraita habe darauf geantwortet: "Wir wussten schon von Vuckovich und den Mädchen. GROSSARTIG. [...] Für das nächste Jahr haben wir neue Sachen, um das Material zu ersetzen, sehr interessant." Der Begriff "Material" ist ein in der Szene verbreitetes Synonym für das Blutdopingmittel EPO.

512 Euro für zwei Ampullen

In den im September 2004 bei einer Durchsuchung im Hause Springsteins sichergestellten Dokumenten und E-Mails tauche der Name Dittmer im Zusammenhang mit einer Kostenaufstellung der "Sprintschule Grit Breuer" auf, so der Tagesspiegel. Dort würden zwei Ampullen mit 512 Euro berechnet, Art und Inhalt der Ampullen werden nicht genannt. Breuer ist die Lebensgefährtin Springsteins, gegen die frühere Weltklasse-Sprinterin hat der Deutsche Leichathletik-Verband wegen Dopingverdachts unlängst ein sportrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet.

"Kenne Dr. Peraita nicht"

Gegenüber dem Tagesspiegel bestritt Vuckovic, Dr. Peraita persönlich zu kennen. "Ich hatte nie mit ihm zu tun." Auf die Frage, ob er jemals wissentlich gedopt habe, wird Vuckovic zitiert: "Bitte haben Sie Verständnis, dass ich auf Anraten meines Anwaltes nichts zu diesem Thema sage." Vuckovic lässt sich vom Heidelberger Rechtsanwalt Dr. Michael Lehner vertreten, der bereits zahlreiche Sportler verteidigte, die unter Dopingverdacht geraten sind. Die frühere Lebensgefährtin des Reutlinger Triathleten, Anja Dittmer, hält sich derzeit zum Training in Neuseeland auf und war für ein Statement nicht zu erreichen.

Am Dienstag hatte DLV-Präsident Clemens Prokop das Präsidium der Deutschen Triathlon Union über die Verdachtsmomente in den 110 Seiten umfassenden Ermittlungsakten der Magdeburger Staatsanwaltschaft informiert. Die fraglichen Dokumente sollen dem DTU-Präsidenten Dr. Klaus Müller-Ott inzwischen vorliegen. "Wir werden die Unterlagen genau prüfen und danach entscheiden, welche Maßnahmen wir ergreifen müssen", so Müller-Ott am Dienstagabend gegenüber der triathlon-Redaktion.