Zähes Ringen um die Wahrheit

Am kommenden Mittwoch soll der Reutlinger Stephan Vuckovic vor der Anti-Doping-Kommission der Deutschen Triathlon Union aussagen. Doch der Anwalt des Sportlers hat bereits angekündigt: Sein Mandant wird gar nicht erst erscheinen.

Von > | 5. Juni 2009 | Aus: SZENE

Stephan Vuckovic | Stephan Vuckovic

Stephan Vuckovic

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

Misstrauen bei sportlichen Weggefährten

Tatsächlich enthält der Bericht der dreiköpfigen Untersuchungskommission eine Passage zum Fall Vuckovic, die allerdings nicht nur wegen ihrer inhaltlichen Schwächen wie ein Fremdkörper wirkt. Fast wörtlich wurden in einem Absatz mit der Überschrift "3.2.1.2 Professor Röcker" Passagen und Schlussfolgerungen aus einem Arztbrief übernommen, den der damals noch an der Sportmedizinischen Poliklinik der Universitätsklinik Tübingen tätige Röcker für Vuckovic verfasst hatte. Darin bescheinigt der Arzt seinem Patienten mehr als sechs Wochen nach dessen Erkrankung eine Legionellose, die "mit einiger Sicherheit" Ursache des schweren Multiorganversagens gewesen sei, mit dem Vuckovic Ende Juni 2001 in Bayreuth aufgenommen wurde. Dass sich die Kommission weder die Mühe machte, mögliche private Verbindungen zwischen Arzt und Patient korrekt zu recherchieren, noch der Frage nachging, ob es denn sein könne, dass Vuckovic tatsächlich gedopt hat, ist ein Makel, spielt für die Bewertung der Causa Vuckovic allerdings keine Rolle. Es handele sich sogar "ausdrücklich nicht um eine Entlastung für Vuckovic", betont der Verfasser des Berichts, der ehemalige Richter Hans-Joachim Schäfer aus Nürtingen.

Dass ihm inzwischen sogar enge sportliche Weggefährten der vergangenen Jahre wie sein Vereinskollege Michael Göhner misstrauen, scheint Vuckovic ebenfalls kaum anzufechten. In einem Bericht des Reutlinger General-Anzeigers hatte Göhner kürzlich erklärt, bis zur vollständigen Aufklärung der Vorwürfe weigere er sich, bei den Rennen der LBS-Triathlonliga Baden-Württemberg gemeinsam mit Vuckovic für die Mannschaft der TSG Reutlingen an den Start zu gehen. "Es bleibt eine sehr große Skepsis, da Stephan in keinster Weise aktiv wurde bezeihungsweise wird, um die gegen ihn vorgebrachten Doping-Vorwürfe wirkungsvoll zu entkräften. [...] Als sauberer Athlet würde ich mich unglaubwürdig machen, wenn ich ohne jegliche Einschränkung zusammen mit Stephan Vuckovic in der Triathlonmanschaft der TSG Reutlingen gestartet wäre", schrieb Göhner auf seiner Internetseite - und erhielt dafür zahlreichen Zuspruch aus der Szene. Langjährige Kollegen aus der Nationalmannschaft berichten, sie seien "irritiert und enttäuscht", weil Vuckovic nichts zur Entkräftung der Vorwürfe beitrage und sich auf konkrete Nachfrage regelmäßig hinter dem Stereotyp verschanze, zu den konkreten Vorwürfen Engelhardts werde er sich nicht äußern. "Wenn an den Behauptungen nichts dran ist, warum befreit er seine Ärzte in Bayreuth dann nicht von der Schweigepflicht, damit sie aussagen können, dass es kein Dopinggeständnis gegeben hat?", fragt einer, der Vuckovic als einen Freund bezeichnet.

"Wir hätten uns selbst ins Knie geschossen"

Licht könnten nun jene ins Dunkel bringen, die nach den Geschehnissen in Bayreuth von der damaligen Verbandsführung ebenfalls ins Vertrauen gezogen wurden und Engelhardts Version bestätigen können. So erklärte der langjährige DTU-Geschäftsführer Jörg Barion eidesstattlich, nachdem Vuckovic in die Bayreuther Klinik gebracht worden war, habe der damalige Präsident Müller-Ott ihm vertraulich mitgeteilt, dass "Vuckovic möglicherweise nicht sauber sei, auch wohl schon in Sydney 2000 nicht". Und der damalige Teammanager der Nationalmannschaft, Henning Müller, berichtete tri-mag.de schon Ende Januar über das Geschehen: "Wir waren geschockt, als Dr. Marka [der damals anwesende Mannschaftsarzt] um 2.00 Uhr nachts Stephan Vuckovic mit Höchstgeschwindigkeit im Privatwagen [aus dem tschechischen Karlsbad] nach Bayreuth verfrachtete, weil es so ernst war. Damals wurde als Erklärung zunächst eine Kolibakterien-Infektion angeführt, das war plausibel. Erst ein paar Monate später sickerte im Präsidium durch [...], dass wohl ein Dopingvergehen hinter der Krankheit stand." Dabei habe es sich keineswegs um ein Gerücht gehandelt, sondern um ein ernstes Problem, für das man einen Ausweg suchte: "Es war uns klar, dass man da nichts macht, man hätte sich ja selbst ins Knie geschossen."

Dieses tiefe Dilemma also will die DTU-Präsidentin Claudia Wisser nun lösen; es klebt an ihr und ihrem Verband wie eine Erbkrankheit. "Ich möchte jetzt nicht in ihrer Haut stecken, aber man kann so etwas nicht unter den Teppich kehren", sagt Ironman-Organisator Kurt Denk - und es klingt, als ahne er, was in den kommenden Wochen und Monaten noch auf die Deutsche Triathlon Union zukommen könnte. Als seine Maintaler Agentur Xdream im Jahr 2006 das Anti-Doping-Programm der Eisernen Transparenz aufbaute, genoss Denk auch das Vertrauen des damaligen DTU-Präsidenten Klaus Müller-Ott. Man habe gut zusammengearbeitet - und in dieser Zeit auch über den Triathleten Vuckovic gesprochen. Inhalte dieser vertraulichen Unterredung wolle er nicht nennen, sagt Denk. Er sagt aber auch: "Das Gedächtnisprotokoll von Martin Engelhardt halte ich für absolut seriös."