Lionel Sanders' Leistungsdaten vom Ironman 70.3 Pucon

Beim Ironman 70.3 Pucon siegte Lionel Sanders mit Streckenrekord und demonstrierte ein weiteres Mal seine Überlegenheit auf dem Rad. Wir haben die Leistungsdaten des Kanadiers detailliert ausgewertet.

Von > | 24. Januar 2018 | Aus: Indoortraining für Triathleten by ZWIFT

Auf dem Rad kann im Rennen kaum ein Konkurrent an Lionel Sanders dranbleiben.

Auf dem Rad kann im Rennen kaum ein Konkurrent an Lionel Sanders dranbleiben.

Foto >International Triathlon Union / Wagner Araujo

Die herausragenden Radleistungen von Lionel Sanders sind längst kein Geheimnis mehr. Seit mehreren Jahren entscheidet der Kanadier seine Rennen auf der Mittel- und Langdistanz häufig schon bei der zweiten Disziplin und geht transparent mit seinen Leistungsdaten um, in dem er sie nach den Wettkämpfen regelmäßig veröffentlicht. Beispielsweise haben wir unter anderem schon seine Aufzeichnungen vom Ironman Hawaii 2017 und dem Ironman 70.3 Oceanside 2017 ausgewertet. Nachdem Sanders im vergangenen November beim Ironman Arizona erfolgreich seinen Titel verteidigte und sich damit schon frühzeitig für den Ironman Hawaii 2018 qualifizierte, legte er erst einmal eine Saisonpause ein - später als viele seiner Konkurrenten, die sich bereits direkt nach dem Ironman Hawaii eine kurze Auszeit gönnten. 

Doch anstatt sich nach dem Wiedereinstieg ins Training langfristig auf die ersten Rennen im Frühjahr vorzubereiten, machte Sanders das, was man schon aus den vergangenen Jahren von ihm gewohnt war: Er bestritt im Januar bereits wieder sein erstes Rennen. Beim Ironman 70.3 Pucon in Chile verteidigte er vor knapp zwei Wochen seinen Titel und siegte mit einem neuen Streckenrekord (3:48:44 Stunden). Wieder einmal besonders auffällig: Sanders Radsplit von 2:01:15 Stunden, der zehn Minuten schneller war als die zweitschnellste Radzeit des Tages und sogar acht Minuten schneller als seine eigene Zeit aus dem Vorhajhr. Mit etwa zehn Minuten Vorsprung ging der 29-jährige Kanadier auf die Laufstrecke, die in Pucon bekannt für ihr extrem welliges Profil ist. Kontrolliert lief er seine Führung mit einem soliden Halbmarathon ins Ziel und siegte schließlich acht Minuten vor Mauricio Mendez. Wir haben von Lionel Sanders exklusiv die Leistungsdaten von seiner Radfahrt in Pucon bekommen und ausgewertet.

Die Wendepunktstrecke beim Ironman 70.3 Pucon ist simpel: 45 Kilometer hinaus, 45 Kilometer zurück.

Die Wendepunktstrecke beim Ironman 70.3 Pucon ist simpel: 45 Kilometer hinaus, 45 Kilometer zurück.

Über 2 Stunden mit 344 Watt

Die spannendste Frage für viele ist sicherlich, wie viel Watt Lionel Sanders für seine Durchschnittsgeschwindigkeit von 44,4 Kilometern pro Stunde treten musste. Nach den aufgezeichneten 2:01:42 Stunden stand eine durchschnittliche Leistung von 334 Watt (4,46 Watt/kg) zu Buche. Die Normalized Power (NP) lag während der 90,1 Kilometer sogar bei 344 Watt (4,6 Watt/kg). Daraus ergibt sich ein Variabilitätsindex (VI) von nur 1,03. Dieser Wert ergibt sich, wenn man NP durch AP teilt. Er soll zeigen, wie konstant der Fahrer unterwegs war und Aufschluss geben, ob man sich das Rennen gut eingeteilt hat. Ein Wert unter 1,1 gilt als ausgezeichnet. Die Links-Rechts-Verteilung der Leistung auf den beiden Pedalen liegt bei 48,3 zu 51,7 Prozent. Kein perfekter Wert, aber immer noch ein guter. Im Vergleich zu seinen sonstigen Leistungen lässt sich trotz der hohen Wattwerte erkennen, dass sich Sanders erst im Formaufbau für die Saison befindet. In Oceanside erzielte er 2017 eine AP von 354 Watt (4,73 Watt/kg) und eine sagenhafte NP von 366 Watt (4,89 Watt/kg), also 22 Watt mehr als vor zwei Wochen in Pucon.

Mit dieser Leistung erreichte Sanders einen Belastungsgrad beziehungsweise Training Stress Score (TSS) von 221. Dieser Wert liegt beispielsweise deutlich über dem erzielten Wert von seiner Fahrt beim Ironman 70.3 Oceanside 2017, wo der TSS 175,7 betrug. Verlassen kann man sich auf den Wert des TSS allerdings nur, wenn das Programm die individuelle FTP als Grundlage der Berechnung kennt - was bei dieser Aufzeichnung offensichtlich nicht der Fall ist, da der Wert sonst nicht über 200 liegen könnte. Das erkennt man auch an dem Intensitätsfaktor (IF) von 1,05. IF ist das Verhältnis zwischen der oben genannten normalisierten Leistung NP und der persönlichen Schwellenleistung (IF = NP / FTP). Trainigssoftwares wie TrainingPeaks errechnen diesen Parameter. Bei den meisten Powermetern wird der IF automatisch berechnet. Damit liegt Sanders im obersten (fünften) Intensitätsbereich, der einen IF von 1,05-1,15 umfasst, was nicht stimmen kann. Ein IF von 1,0 wären 100 Prozent der FTP und da die Aktivität von Sanders etwas länger als zwei Stunden gedauert hat, kann der Intensitätsfaktor - bei Angabe der korrekten FTP - nicht über 1,0 betragen. 

Mit einer durchschnittlichen Trittfrequenz (TF) von 81 liegt Sanders eher im unteren Bereich. Häufig lag die TF von Sanders bei seinen Mitteldistanzen bisher bei 83 oder 84. Bei der gemessenen maximalen Trittfrequenz von 186 wird es sich höchstwahrscheinlich um einen Messfehler handeln. Die 470 Höhenmeter auf der Wendepunktstrecke lassen auf eine relativ flache Strecke schließen. Die einzig nennenswerte Anstieg befindet sich am Anfang des Kurses und wird am Ende wieder hinabgefahren. 

Die Auswertung von Lionel Sanders\' Leistungsdaten bietet eine Vielzahl von interessanten Einblicken.

Die Auswertung von Lionel Sanders' Leistungsdaten bietet eine Vielzahl von interessanten Einblicken.

5 Minuten mit 409 Watt

Die Aufzeichnung seiner Leistung vom Rennen in Pucon hat Sanders individuell in fünf Runden aufgeteilt. Dabei ist die erste Runde nur zwei Minuten und 1,19 Kilometer lang und besitzt eine AP von 155 Watt. Während dieser Zeit ist der Kanadier wahrscheinlich auf sein Rad gestiegen und hat sich die Schuhe angezogen. Runde zwei ist 23:56 Minuten und 15,89 Kilometer lang, die AP dort beträgt 337 Watt. Spannend wird es bei Runde drei, die 5:01 Minuten umfasst. Zu diesem Zeitpunkt ist Sanders auf die Führungsgruppe aufgefahren und hat sich wohl dazu entschieden, eine bewusste Attacke zu setzen, um sich von seinen Konkurrenten zu lösen. Während der fünf Minuten trat Sanders eine durchschnittliche Leistung von 409 Watt (5,46 Watt/kg). Runde vier ist exakt 15 Minuten und 11,75 Kilometer lang und umfasst eine AP von 360 Watt. Den restlichen Großteil der Strecke, um genau zu sein 57,31 Kilometer absolvierte der Kanadier mit 328 Watt. 

Während seiner Radfahrt beim Ironman 70.3 Pucon hat Sanders fünf Runden manuell herausgestoppt, um die Leistung im Nachhinein genauer auswerten zu können.

Während seiner Radfahrt beim Ironman 70.3 Pucon hat Sanders fünf Runden manuell herausgestoppt, um die Leistung im Nachhinein genauer auswerten zu können.