Tanja Erath gewinnt Platz im Profi-Team

Tanja Erath ist die Gewinnerin der Zwift-Academy. Der Preis: Zunächst ein Jahr lang ist die 28-Jährige Teil des Frauen-Profi-Teams "Canyon/Sram Racing". Wir haben mit der Ex-Triathletin gesprochen.

Von > | 14. Dezember 2017 | Aus: Indoortraining für Triathleten

Im neuen Dress: Tanja Erath aus Deutschland ist jetzt Teil des Frauen-Profi-Teams \"Canyon/Sram Racing\".

Im neuen Dress: Tanja Erath aus Deutschland ist jetzt Teil des Frauen-Profi-Teams "Canyon/Sram Racing".

Foto >Zwift

Für Tanja Erath werden sich die Lebensumstände schon bald sehr drastisch ändern. Die 28-Jährige, die gerade erst ihr Medizinstudium abgeschlossen hat, wird ins Trainingseldorado nach Girona ziehen – zum Leben und Trainieren. Denn statt ins Berufsleben wird sich die Ex-Triathletin in eine Profi-Karriere als Radfahrerin stürzen. Im Rahmen der Zwift-Academy konnte sich Tanja Erath einen lukrativen Platz im Frauen-Profi-Team "Canyon/Sram Racing" ergattern.

Tanja Erath, Sie sind die Gewinnerin der Zwift-Academy 2017. Können Sie uns noch mal erzählen, wie das Auswahlverfahren ablief?
Das Auswahlverfahren war dreigliedrig. Während einer sechswöchigen Anfangsphase musste ich insgesamt 15 Programme über Zwift absolvieren. Die Daten wurden von den Verantwortlichen von Zwift und dem Team "Canyon/Sram Racing" analysiert und schließlich schafften es 10 Radfahrerinnen ins Halbfinale. Die zweite Auswahlrunde bestand aus insgesamt 7 Programmen binnen 14 Tage – davon 4 Einheiten auf der Rolle sowie 3 Fahrten draußen. Die drei Finalistinnen, darunter eine Norwegerin, eine US-Amerikanerin und ich, wurde anschließend nach Koblenz zu weiteren Challenges eingeladen: Zwift-Rennen auf der Rolle, Mountainbikefahrten im Gelände und taktische Übungen.

Viele Programme mussten auf der Rolle absolviert werden – waren Sie es als Triathletin gewohnt, auch viel drinnen zu trainieren?
Nein, eigentlich überhaupt nicht. Ich hatte nicht einmal einen Smart-Trainer, sondern nur eine freie Rolle, auf der ich sehr selten trainiert habe. Eine befreundete Triathletin hatte mich damals auf die Idee gebracht, an der Zwift-Academy teilzunehmen und dafür musste ich mir sogar noch einen Rollentrainer borgen. Dass ich die Academy gewonnen habe, hatte übrigens noch einen netten Nebeneffekt: Mit dem Einzug ins Halbfinale bekam ich einen Rollentrainer geschenkt.

Die drei Finalistinnen der Zwift-Academy im Wettstreit.

Die drei Finalistinnen der Zwift-Academy im Wettstreit.

Foto >Zwift

Warum sind Sie vom Triathlon zum Radsport gewechselt?
2016 habe ich meinen letzten Triathlon absolviert, weil ich keine 200 Meter mehr schmerzfrei laufen konnte. Bis heute weiß ich nicht genau, wo das Problem lag. Ich verabschiedete ich mich Ende 2016 vom Triathlon, weil ich zugegeben etwas verzweifelt war. Infolge der Umorientierung wollte ich einen Sport finden, der eine gute Portion Spaßcharakter mit sich bringt. Ein Freund riet mir zu Fixedgearrennen. Seitdem war ich viel in Radrennen unterwegs – am häufigsten in Fixed-Rennen. Ich müsste so 15 bis 16 Fixed-Gear-Rennen absolviert haben seit 2016 und vielleicht noch 5 Straßenrennen. Bei der internationalen Rennserie „Red Hook Crit“ wurde mir dann auch klar, dass es dort nicht weniger leistungsorientiert zur Sache geht wie beim Triathlon. Aber ich konnte mich in der Szene gut behaupten, feierte sogar mit einem Podiumsplatz beim Red Hook Crit in Barcelona einen achtbaren Erfolg.

War Ihre Stärke schon immer das Radfahren?
Das kann man so sagen. Angefangen habe ich zwar mit DLRG-Schwimmen, bin aber recht schnell beim Triathlon gelandet. Bei meinen Starts in der 1. Bundesliga bin ich regelmäßig eine der schnellsten Radzeiten gefahren. Meine Stärke war immer, dass ich sehr sprintstark bin.

Der Profi-Vertrag ist zunächst auf ein Jahr limitiert – das ist kein sehr langer Zeitraum, um sich zu entwickeln.
Schon als Triathletin habe ich mich häufig gefragt, wie es wäre, wenn ich eine Profi-Lizenz löse würde. Aber ich habe mich nie getraut. Insofern ist das Timing, jetzt nach Ende des Studiums, nahezu perfekt. Ich gebe mir dieses Jahr Zeit und werde schauen, was passiert. Ich freue mich aber total auf die neue Herausforderung und den Umzug nach Girona.

Auch Mountainbike-Fertigkeiten wurden im Finale abverlangt.

Auch Mountainbike-Fertigkeiten wurden im Finale abverlangt.

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