Rekordfahrer Sven Dunker im Interview

Die längste Fahrt bei Zwift in diesem Jahr: 601 Kilometer, aufgestellt von Sven Dunker. Wir haben mit dem Triathleten über seine Rekordfahrt und die besonderen Hintergründe dabei gesprochen.

Von > | 19. Dezember 2017 | Aus: Indoortraining für Triathleten by ZWIFT

Über 18,5 Stunden im Sattel: Seinen Rekord stellte Sven Dunker bei einem 24-Stunden-Spinning auf.

Über 18,5 Stunden im Sattel: Seinen Rekord stellte Sven Dunker bei einem 24-Stunden-Spinning auf.

Foto >Privat

Von allen deutschen Nutzern, die bei der Trainingssoftware Zwift aktiv sind, hat er in diesem Jahr die längste Fahrt hingelegt. Triathlet Sven Dunker ist im Rahmen eines 24-Stunden-Spinnings 601 Kilometer gefahren und saß dafür 18:33 Stunden im Sattel. 

Sven Dunker, wie sind Sie ursprünglich zum Triathlon gekommen?
2011 habe ich mit dem Mountainbiken angefangen, weil ich unbedingt Sport treiben musste. Ich habe zu diesem Zeitpunkt geraucht und war übergewichtig. Daher habe ich mir fest vorgenommen, etwas zu ändern. 2014 habe ich mir dann mein erstes Rennrad gekauft, weil ich etwas schneller unterwegs sein wollte. Ein Jahr später entdeckte ich dann zusätzlich den Laufsport für mich. Schließlich bin ich dann auf den naheliegenden Gedanken gekommen, an einem Triathlon teilzunehmen. Dafür habe ich dann Ende 2016 angefangen, Schwimmen beziehungsweise das Kraulen zu lernen. 2017 ist insofern mein erstes richtiges Triathlonjahr gewesen.

Wann und wie haben Sie zu Zwift gefunden?
Das war im Herbst 2016. Zu diesem Zeitpunkt haben meine Frau und ich Nachwuchs bekommen und da war die Familie natürlich wichtiger als der Sport. Trotzdem wollte ich nebenbei gern noch in irgendeiner Form trainieren. Zufällig habe ich bei einigen Aktivitäten auf Strava gesehen, dass die Leute bei Zwift fahren. Zu dem Zeitpunkt waren das noch nicht so viele, aber ich habe mich dann mal schlau gemacht und es ausprobiert. Für meine Situation war das einfach super. Ich konnte bei meiner Familie sein und abends, wenn das Kind schläft, noch ohne großen Aufwand trainieren. Mittlerweile absolviere ich ungefähr 60 Prozent meiner Radeinheiten auf der Rolle und bin seitdem etwa 8.000 Kilometer bei Zwift gefahren.

Wie ist daraus die Idee entstanden, bei Zwift 600 Kilometer während einer Fahrt zurückzulegen?
Seit Mitte 2016 haben drei Bekannte und ich uns vorgenommen, 2019 beim "Race Across America" (Extrem-Radrennen über ca. 4.800 Kilometer mit 50.000 Höhenmetern und einem Zeitlimit von neun Tagen von der West- zur Ostküste Amerikas) als 4er-Staffel mitzufahren. Zur Vorbereitung haben wir mehrere Indoor-24-Stunden-Spinnings und Rennsimulationen im Freien unter Wettkampfbedingungen mit Begleitfahrzeug, Wohnmobil und Betreuern geplant. Aufgestellt habe ich diesen Rekord bei einem der 24-Stunden-Spinnings. Dabei konnten alle, die uns unterstützen wollen, für eine oder mehrere Stunden ein Rad mieten und gemeinsam trainieren. Ein Teil der Einnahmen davon und auch von unseren Sponsorengeldern für das "RAAM" geht an die Palliativeinrichtung des Lüdenscheider Klinikums. Für die Veranstaltung hatte ich mir vorgenommen, meinen Streckenrekord von 300 Kilometern zu brechen. Dass es dann über 18,5 Stunden und 600 Kilometer geworden sind, ist mehr oder weniger spontan passiert.

18:33 Stunden brauchte Sven Dunker für seine Rekordfahrt. Die Durchschnittsleistung: 165 Watt.

18:33 Stunden brauchte Sven Dunker für seine Rekordfahrt. Die Durchschnittsleistung: 165 Watt.

Foto >Privat

Wie darf man das verstehen?
Irgendwann war ich so euphorisch, dass ich den ersten Leuten, die mich gefragt haben, wie lang ich fahren will, erzählt habe, dass ich die ganze Nacht durchfahren werde. Und so habe ich durch den selbst aufgebauten Druck einfach immer irgendwie weitergemacht. Das wurde irgendwann logischerweise richtig hart, zwischen zwei und vier Uhr war nicht gerade viel los im Raum. Denn auch die Leute, die mitmachen und uns unterstützen wollen, kommen natürlich nicht mitten in der Nacht. Kurze Pausen habe ich nur zum Essen genutzt, da ich zwangsweise irgendwann von flüssiger Ernährung auf feste Nahrung umsteigen musste. 

Wie oft haben Sie zwischendurch ans Aufhören gedacht?
Zum Anfang war ich, wie gesagt, relativ lang euphorisch, aber nach 350 Kilometern habe ich quasi aufgehört zu treten. Nicht, weil die Kräfte es nicht mehr zuließen, die habe ich mir zum Glück richtig eingeteilt, aber ich konnte einfach nicht mehr sitzen. Auf der Rolle sitzt man wirklich immer auf dem gleichen Punkt und das wurde dann richtig unangenehm. Irgendwie habe ich es dann trotzdem noch geschafft, weiterzumachen.

Wird es in der Vorbereitung auf das RAAM 2019 noch ein 24-Stunden-Spinning von Ihrem Team geben?
Ja, das wird es bis 2019 noch öfter geben. Genauso wie unsere Rennsimulation im Freien. 

Wollen Sie dabei vielleicht Ihren Rekord sogar noch einmal toppen?
Prinzipiell würde mich das schon reizen, aber da würde ich mich jetzt nicht festlegen. Dieses Mal habe ich beispielsweise vorher noch gearbeitet, bin dann am Nachmittag in die 24-Stunden-Fahrt gestartet und durchgefahren. Das war sicherlich nicht optimal. Wenn ich es beim nächsten Mal besser planen würde und beispielsweise vorher frei habe, könnte ich mir das allerdings vorstellen.