Vom schwarzen Brei zur Schwimmhilfe

Der Neoprenanzug ist einer der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände für die Auftaktdisziplin und der beste Freund jedes Triathleten, der sich im nassen Element eher unwohl fühlt. Wir verraten Ihnen ein paar Details über das "enge Schwarze".

Von > | 7. Mai 2015 | Aus: EQUIPMENT

Schwimmeinstieg | Vor dem Start

Vor dem Start

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Asphaltartige Ursuppe

Am Anfang ist ein Neo nur schwarzer Brei. Das Rohmaterial – früher Kautschuk, heute verschiedene Gummi-Materialien - wird erhitzt und durchmischt. Je nach Hersteller werden dabei Zusatzstoffe zugegeben, welche beispielsweise die Reißfestigkeit erhöhen sollen oder für Lufteinschlüsse sorgen. Welche das sind ist ein streng gehütetes Geheimnis.

Anschließend wird die Masse immer wieder gewalzt, bis daraus das flächige und stoffähnliche Neopren entsteht. Unter hohem Druck und erneutem Erhitzen wird dann die Kaschierung aufgeklebt. Auch die spezielle Oberflächenbeschichtung (immer mehr Hersteller arbeiten beispielsweise mit Nano-Beschichtungen, um den Reibungswiderstand zu minimieren) wird noch vor den weiteren Arbeitsschritten aufgebracht. Der Rest der Verarbeitung erinnert stark an eine Schneiderei: Dem in der Planungsphase erstellten Schnittmuster folgend werden aus dem Rohmaterial die notwendigen Einzelteile von Hand ausgeschnitten. In der Massenproduktion liegen teils bis zu 40 Lagen Neopren übereinander, ein Stahlfaden läuft dann wie an einer Bandsäge durch den Stapel und schneidet die Einzelparts zurecht.

Puzzleteile verschweißen

Es gibt verschiedene Verfahren, damit aus den Einzelteilen ein Schwimmanzug. Zunächst werden die Einzelparts miteinander vernäht, dabei haben sich so genannte Flat-Locks durchgesetzt, die auch bei moderner Sportkleidung zum Einsatz kommen und weniger störend wirken. Häufig werden die Nähte auch chemikalisch verklebt oder unter Hitzeeinwirkung verschweißt. Viele Hersteller versehen die Nähte zusätzlich mit einem Gewebeband. Dieses schützt die Nähte zusätzlich und sorgt für einen angenehmen Sitz ohne Scheuerstellen. An Arm- und Beinabschlüssen hat das Band sogar eine Doppelfunktion: Neben den genannten Vorzügen erlaubt es Ihnen, den Neo an diesen Partien mit der Schere zu kürzen und damit an Ihre Körpermaße anzupassen, ohne dass die Nähte später aufgehen.

Rein und raus

Zu guter Letzt wird der Reißverschluss eingenäht. Die Richtung, in welche dieser aufgezogen werden kann ist schon fast eine Glaubensfrage – von verschieden dehnfähigen und unterschiedlich leichtgängigen Modellen mal ganz abgesehen: Beim Verschluss gibt es große Unterschiede. In diesem Detail könnte auch in Zukunft die größte Neuerung liegen. Auf dem Tauchneoprenmarkt wird bereits mit Alternativen zum Reißverschluss experimentiert. Ob daraus etwas Neues entsteht ist derzeit fraglich. Fraglich ist auch, ob sich die Anziehdauer und damit der Stress vor dem Rennen irgendwann mit neuen Anzügen minimieren lassen. Wohl eher nicht. Aber Hand aufs Herz: wichtiger ist sowieso, wie schnell Sie die geliebte Schwimmhilfe an Land wieder loswerden, oder?