„Ein Tribike ist ein Maßanzug“

Aerolenker sehen schnittig aus und machen schnell. Letzteres allerdings nur, wenn sie so zum Athleten passen, dass er auch dauerhaft auf ihnen liegen kann. Worauf es ankommt, erklärt Tom Mayerhofer von Syntace.

Von > | 16. Januar 2015 | Aus: EQUIPMENT

Der C6 von Syntace | Mit dem \"C6\" will Syntace einen vollendeten Aerolenker gebaut haben

Mit dem "C6" will Syntace einen vollendeten Aerolenker gebaut haben

Foto >Syntace

Herr Mayerhofer, Syntace hat sehr lange auf einen Carbon-Aerolenker warten lassen. Nun gibt es den „C6“ mit auffälligem „Ablagefach“ zwischen den charakteristisch geschwungenen Extensions. Warum sieht er aus wie er aussieht?

Unsere Produkte sind das Ergebnis von Evolution, wir bauen auf Bewährtes auf und verbessern es. Der „C6“ entstand beispielsweise aus dem „C3“. Obwohl wir im Lenkerbau seit vielen Jahren sehr erfolgreich Carbon einsetzen, haben wir dieses Material nie im Triathlonbereich verwendet, weil der „C3“ uns gezeigt hat, dass Aluminium hier der leichtere Werkstoff ist. Es gab also keinen Grund, den Werkstoff zu wechseln. Wir haben aber festgestellt, dass man sehr wohl noch etwas an der Aerodynamik der Radfront verbessern kann, denn viele Räder sind zwar an Tretlager und Steuersatz sehr aerodynamisch, aber bei der Verschraubung des Lenkers nicht. Der „C6“ ist so geformt, dass die Windteilchen um den Lenker herum abgeleitet werden, er holt jedes Quäntchen raus.

Ist Aerodynamik das wichtigste Kriterium für einen Aerolenker?

Nein, Aerodynamik ist ein Resultat der Anpassbarkeit. Die muss individuell möglich sein und der Lenker dann auch entsprechend eingestellt werden: Vorbau, Basislenkers und Extensions müssen eine Einheit bilden, die optimal zum Athleten passt. Unser "Baukasten" besteht beispielsweise aus über 25 verschiedenen Komponenten mit über 3.500 möglichen Positionen. Diese Vielfalt ist absolut notwendig, denn jedes Mal, wenn der Athlet die Aeroposition verlässt, hat man eine Negativkomponente, die voll im Wind steht. Übrigens, längsverstellbare Extensions machen aus unser Sicht keinen Sinn, da diese Einstellung einmal auf den Athleten abgestimmt und danach nicht mehr verändert wird, sodass man unnötig Gewicht mit sich herumfährt.

Bekommt man die Einstellung allein hin?

Bikefitting ist für uns der sinnvollste Weg, da man auf dem Lenker liegend einen Kontaktpunkt mehr hat. Wir haben uns Videos von Athleten verschiedener Leistungsklassen im Wettkampf angeschaut und festgestellt, dass der Aerolenker, egal von welchem Hersteller, nicht mehr genutzt wird, sobald es auch nur leicht bergauf geht. Viele Athleten, mit denen wir gesprochen haben, sagen, dass sie maximal 25 Minuten am Stück auf dem Aerolenker liegen können. Ein deutliches Zeichen dafür und umso wichtiger, dass die Auflagepunkte individuell eingestellt werden müssen. Und dabei ist nicht immer das das Beste, was am aerodynamischsten ist, sondern das, was man über längere Zeit und verschiedenen Geländeformen halten kann.

Der C6 aus Sicht eines Luftteilchens | Der \"C6\" aus Sicht eines Luftteilchens

Der "C6" aus Sicht eines Luftteilchens

Foto >Syntace

Wie finde ich als Agegrouper denn einen entsprechenden Lenker?

Nicht nach der Optik gehen und das nehmen, was schnell aussieht! Probieren Sie aus! Im Preissegment, in dem sich die Lenker bewegen, muss das drin sein. In der Regel kann man mit dem Vorbau bis zu drei Zentimeter spielen, ohne die Fahreigenschaften nennenswert zu beeinflussen, danach muss man ran an die Lenkerlänge. Die richtige Anpassung braucht besonders viel Erfahrung Am schwierigsten ist es bei einer Fahrergröße bis 170 Zentimetern, da die Lenker für kleinere Sportler meist die gleichen sind wie die für große. Ein Triathlonrad muss aber passen wie ein Maßanzug! Das sieht man an den Profimännern, die mit ihrem Bike verschmolzen zu sein scheinen. Ich persönlich würde zum Fitting gehen und mir anhand der Maße dann anschauen, ob die Räder zu mir passen, die mich interessieren. Viele Triathleten machen es allerdings andersherum: sie kaufen ein Rad und vergewaltigen es dann auf sich. Dabei würde auch niemand ein Sofa kaufen, auf dem man nicht sitzen kann ohne Rückenschmerzen zu bekommen.

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