"Eine Frage der Sicherheit"

Brillenträger im Triathlon müssen sich nicht mehr zwischen „blind“ oder „hässlich“ entscheiden. Moderne Kontaktlinsen und Marken-Sportbrillen mit Korrekturgläsern sorgen für Chancengleichheit im Augenschutz, sagt der Augenoptiker Udo Stachowiak.

Von > | 8. August 2014 | Aus: EQUIPMENT

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Vorstartspannung

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Herr Stachowiak, ab welchem Grad einer Fehlsichtigkeit empfehlen Sie eine Korrektion?
Verglichen mit zahlreichen Berufen, bei denen scharfes Sehen unverzichtbar ist, sind die Anforderungen an die optische Auflösung im Sport etwas geringer. Scharfes Sehen ist aber nicht nur eine sporttaktische Notwendigkeit sondern auch eine Frage der Sicherheit, zum Beispiel im Straßenverkehr. Deshalb sollte die Sehleistung mindestens eines Auges die Visusstufe 0,7 erreichen, wie es auch die Straßenverkehrsordnung für das Führen von Kraftfahrzeugen vorschreibt. Ist die Sehleistung schlechter, sollte der Sportler eine Korrektion anfertigen lassen.Was kann diese leisten? Erst das intakte Stereosehen, also das räumliche Sehen mit beiden Augen, ermöglicht es dem Gehirn, Entfernungen schnell und exakt einzuschätzen. Das mag bei der Rollwende im Schwimmsport eine untergeordnete Rolle spielen, bei der schnellen Fortbewegung auf dem Rad ist es jedoch entscheidend. Hinzu kommt, dass auch im Sport immer wieder Informationen, zum Beispiel auf Verkehrsschildern,sehr schnell erfasst werden müssen. Das kann ein Auge, das sich an den Grenzen seiner Leistungsfähigkeit bewegt, nicht.

Sind konfektionierte Korrektionsgläser, wie sie in Sportbrillen angeboten werden, eine gute Lösung?
Je exakter die Korrektion den individuellen Bedürfnissen angepasst ist, desto sicherer wird sich der Sportler bewegen. Einer der Vorreiter im Bereich der Korrektions-Sportbrillen, die Firma Oakley, fertigt die Gläser entsprechend der Vermessung des Optikers an, die dieser dann in das vom Kunden ausgewählte Brillenmodell setzt. Das ist eine elegante und nach optischen Gesichtspunkten auch sehr zufriedenstellende Lösung. Andere Hersteller lösen das Problem mit einem Clip, der die Korrektionsgläser zwischen Auge und der Sportbrillenscheibe fixiert. Gerade bei Radbrillen ist hier allerdings wenig Platz.

Bei welchen Abweichungen sind Korrekturgläser geeignet, ab wann sind Kontaktlinsen eventuell überlegen?
Während das Auge eine sogenannte Weitsichtigkeit (Dioptrienangaben im positiven Bereich, d. Red.) bis zu einem gewissen Grad selbst ausgleichen kann, sind bei der Kurzsichtigkeit (negative Dioptrienangaben) optische Hilfen nötig. Physikalische Gesetze begrenzen allerdings die Möglichkeiten der Korrektion bei Brillengläsern, der Grund ist deren Abstand vom Auge. Ab etwa -4 Dioptrien entsteht eine optische Verzeichnung, die Umgebung wird also verzerrt wahrgenommen. Dann ist eine Kontaktlinse, die der Hornhaut des Auges direkt aufliegt, der Brille überlegen. Harte Kontaktlinsen können zudem eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) besser ausgleichen, der Einsatz harter Linsen ist vor allem beim Schwimmen allerdings nicht unproblematisch.

Sind Einmal- oder Tageskontaktlinsen für den Triathlonsport geeignet?
Wie für die Brillen gilt auch hier, dass eine individuell vermessene und eingepasste Kontaktlinse sicher ein besseres Ergebnis bringt als eine nur in groben Abstufungen konfektionierte Einmal-Kontaktlinse. Hinzu kommen qualitative Einschränkungen bezüglich des bei diesen Linsen verwendeten Materials, die sich sowohl optisch als auch in der Sauerstoffversorgung der Netzhaut negativ auswirken können. Bei einem Preis von teilweise unter einem Euro pro Linse liegt das auf der Hand. Im Triathlonwettkampf kann der Einsatz von Einmallinsen allerdings auch sinnvoll sein: Findet das Schwimmen im Meer statt, kann der Sportler die mit Salzwasser vollgesogenen Linsen vor dem Wechsel aufs Rad in Sekundenschnelle herausnehmen und gegen die Sportbrille mit Korrektion austauschen.

Sollte man sich vor dem Einsatz im Training oder Wettkampf an die Korrektion gewöhnen?
Das ist ganz wichtig, es betrifft vor allem jene Sportler, die in ihrem Alltag noch ohne oder mit einer anderen Form der Korrektion auskommen. Entfernungen und räumliche Dimensionen werden durch ein optisches Glas oder eine Kontaktlinse ganz anders wahrgenommen, diese veränderte Information muss das Gehirn erst einmal verarbeiten und richtig einzuordnen lernen. Deshalb ist es aus Sicherheitsgründen und für das Wohlbefinden – bei manchen Menschen können durch die ungewohnte Korrektion Schwindelgefühle und sogar Übelkeit auftreten – unverzichtbar, sich im Alltag und im Training an die Korrektion zu gewöhnen.

Worauf sollten Triathleten beim Kauf einer Korrektions-Sportbrille besonders achten?
Am wichtigsten ist die kompetente Beratung durch einen Optiker, der in der Fertigung von Korrektionen für Sportler Erfahrung hat. Dies darf man ruhig bereits im ersten Gespräch erfragen. Auch das angebotene Brillensortiment spielt
eine Rolle. Die Zahl der Hersteller, die auf diesem Gebiet Expertise und Qualität anbieten können, ist sowohl im Bereich der Schwimm- als auch der Sportbrillen begrenzt. Da sollte man sich ruhig an den etablierten Marken orientieren.

In welchem Preisbereich bewegen sich gute Sportbrillen?
Schwimmbrillen mit Korrektion gibt es bereits ab etwa 30 Euro, das Angebot guter Radbrillen beginnt bei etwa 400 Euro und kann, je nach Design und besonderen Features wie Tönung und Verspiegelung, auch deutlich darüber liegen. Leider zahlen die gesetzlichen Krankenkassen nur noch bei unter 18-Jährigen einen geringen Zuschuss.