So bauen Sie Ihr Rennrad um - plus 4 Fahrberichte

Mit einem zum Triathlonbike umgebauten Rennrad sind nicht nur Triathloneinsteiger gut und schnell unterwegs. Wir zeigen Ihnen, worauf es dabei ankommt und haben das Canyon Aeroad CF SLX 7.0, Cervélo S3, Stevens Arcalis und das Scott Foil Team Issue getestet.

Von > | 2. April 2015

Rennrad-Umbau zum Triathlonrad | Mit einigen kleineren Umbauten können Sie Ihr Rennrad auf Triathlon trimmen. Besonders gut klappt das mit den vier von uns getesteten Aero-Rennrädern.

Mit einigen kleineren Umbauten können Sie Ihr Rennrad auf Triathlon trimmen. Besonders gut klappt das mit den vier von uns getesteten Aero-Rennrädern.

Foto >Nis Sienknecht

So bauen Sie Ihr Rennrad um - plus 4 Fahrberichte

Früher waren viele Triathleten auf einem normalen Rennrad unterwegs, das sie mit einem Aerolenker und ein paar Einstellungen auf den Einsatz zwischen Schwimmen und Laufen angepasst hatten. Normann Stadler, Stefan Holzner oder Thomas Hellriegel bewiesen damals, dass man darauf extrem schnelle Zeiten und Ironman-Siege einfahren konnte. Doch in den letzten Jahren, in denen immer mehr Hersteller den Triathlonmarkt für sich entdeckt haben, ist dieser Trend deutlich ins Hintertreffen geraten. Kein Wunder: die eigens für die langen Einzelzeitfahren im Triathlon gefertigten Maschinen, erlauben mehr Komfort und wurden aerodynamisch immer weiter verfeinert.

Dass auch die klassischen Rennräder in dieser Richtung immer weiter entwickelt wurden, eröffnet vielseitigen Triathleten neue Möglichkeiten das alte Vorgehen wiederzuentdecken. Vor allem für diejenigen, die sich nur ein Rad leisten wollen oder können und neben dem Triathlon auch mal Radrennen, RTFs, Marathons oder lange Touren fahren wollen, lohnt sich die Überlegung. Natürlich muss es dabei keines der hier exemplarisch vorgestellten Aero-Bikes sein. Allerdings erlauben diese oft eine etwas bessere Sitzposition. Denn deren Steuerrohre sind oft kürzer gehalten als die eines Standardrenners. Das sorgt dafür, dass der Lenker tiefer montiert weren kann und Sie beim Umbau mehr Möglichkeiten haben. Denn umbauen und anpassen sollten Sie Ihr Rennrad. Sonst wird es schnell zur Streckbank und nicht wie gewünscht zum schnellen und bequemen „Liegerad“.

So bauen Sie Ihr Rennrad um

Das auffälligste Merkmal eines zum Triathlonbike umgebauten Rennrades ist der Aerolenker, den es von diversen Herstellern als Aufsatz zur Montage auf den Basislenker gibt. Ein solcher Aufsatz bringt Ihnen auf einen Schlag nicht nur mehr Komfort, sondern durch eine verbesserte Aerodynamik fast geschenkt auch eine Leistungsersparnis. Im Vergleich zum oft sehr unbequemen Unterlenkergriff kann sich diese Ersparnis bereits auf der 40-Kilometer-Strecke einer Kurzdistanz im Minutenbereich bewegen. Um eine aerodynamisch günstige Haltung auf dem Aerolenker dauerhaft und schmerzfrei einnehmen zu können, ist außerdem ein steilerer Sitzwinkel sinnvoll. Das bedeutet, dass der Sattel in Fahrtrichtung weiter nach vorn wandert. Denn nur so können Sie eine strömungsgünstige Haltung mit flachem Rücken einnehmen, ohne dass der Winkel zwischen Oberkörper und den arbeitenden Beinen in der oberen Tretphase zu eng wird.

Umbau Rennrad Auflieger | Mit einem Auflieger wird die Sitzposition auf dem Rennrad aerodynamischer.

Mit einem Auflieger wird die Sitzposition auf dem Rennrad aerodynamischer.

Foto >Carola Felchner

Das wäre nämlich nicht nur unangenehm, sondern kann im Extremfall sogar Blutversorgung, Atmung und Verdauung beeinträchtigen. Die Lösung ist deshalb ein Nach-vorn-Schieben des Sattels. Diesem sind allerdings bei Ihrem Rennrad durch die typischerweise vorgegebene Rahmengeometrie recht enge Grenzen gesetzt. Triathlonräder werden von vornherein mit einem Sitzrohrwinkel von mindestens 75 Grad gefertigt, während klassische Rennräder sich zwischen 72 und 73 Grad bewegen. Die Lösung: Wechseln Sie die Sattelstütze! Im Vergleich zu einer nach hinten gekröpften Standard-Rennradstütze können Sie mit einem Spezialmodell mehrere Zentimeter in die richtige Richtung gewinnen. Zusätzlich kann der Austausch des Sattels von einem normalen Modell zu einem bequemeren Triathlonsattel mit besonderer Formgebung den Fahrkomfort verbessern. Einige solcher Sättel verschieben durch ihre Bauart ohnehin Ihren Sitzpunkt nach vorn, so dass Sie diese auch mit einer gekröpften Standard-Sattelstütze kombinieren können.

Umbau Rennrad Triathlonsattel | Ein Triathlonsattel beugt Sitzproblemen in der Aerohaltung vor.

Ein Triathlonsattel beugt Sitzproblemen in der Aerohaltung vor.

Foto >Carola Felchner

Zum Feintuning sollten Sie Ihr Bike noch an die neuen Möglichkeiten anpassen, denn mit Aufsatz und steilerem Sitzwinkel können Sie ruhig etwas mehr Überhöhung zwischen Lenker und Sattel wagen. Dafür entfernen Sie einfach die Spacer unter dem Vorbau und setzen sie darüber wieder ein, bevor Sie den Vorbau festschrauben. Kürzen sollten Sie den Gabelschaft allerdings nur, wenn Sie sich sicher sind, dass Sie Ihr Rad nicht wieder zurückbauen wollen. Und noch eine weitere Anpassung ist beim Umrüsten zum Triathlon-Bike sinnvoll: Montieren Sie einen Triathlonaufsatz ohne Weiteres auf dem vorhandenen Basislenker, so zwingt Sie diese Konfiguration leicht in eine sehr gestreckte Haltung. Deshalb empfehlen wir, den am Rennrad montierten Vorbau gegen ein zwei bis drei Zentimeter kürzeres Modell auszutauschen. Möchten Sie mehr Überhöhung realisieren, als das verhältnismäßig lange Steuerrohr Ihres Rennrads erlaubt, dann empfiehlt sich die Suche nach einem Vorbau, der im Winkel nach unten ragt. Einige wenige Spezialisten bieten sogar Modelle mit Winkelgelenken an, die eine schrittweise Anpassung ermöglichen, meist jedoch verhältnismäßig schwer sind.

Umbau Rennrad Spacer und Vorbau | Die Höhe des Lenkers können Sie über die Spacer regulieren.

Die Höhe des Lenkers können Sie über die Spacer regulieren.

Foto >Carola Felchner

Wir haben vier Aero-Rennräder getestet – die Ergebnisse finden Sie auf den Folgeseiten.

Fahrbericht Canyon Aeroad CF SLX 7.0

Canyons „Aeroad“ kostet in dieser Komplettausstattung 3.199 Euro und erwies sich im Test als ideal für die Doppelnutzung. Dafür sorgen einige Details, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind: Die Carbon-Sattelstütze lässt sich mit ihrem Flip-Head-Mechanismus gut einstellen, auch wenn sie keine Extremposition erlaubt. Die „Rake-Shift“-Einsätze in der Gabel erlauben eine Einstellung auf noch mehr Laufruhe, die sich lohnt. Denn in vorderer Position ist das Aeroad besser für Straßeneinsätze geeignet. Zudem kommt das Rad bereits mit Aerolaufrädern und wurde sogar inklusive eine Profile-Design-Aufsatzes geliefert, der gut auf den neuen von Canyon selbst gebauten Lenker passte. Punktabzug: Null.

Fahrbericht Canyon Aeroad CF SLX 7.0 | Canyon Aeroad CF SLX 7.0

Canyon Aeroad CF SLX 7.0

Foto >Carola Felchner

Fahrbericht Cervélo S3

Cervélo ist eine der bekanntesten Marken im Aerobereich und auch das „S3“ zeigte im Test als wendig genug für den Einsatz als Rennrad, konnte aber auch als umgebaute Aeroversion punkten. Allerdings erlaubt die ovalisierte Form des Unterlenkers die Montage eines Aufsatzes nur direkt neben der Vorbauklemmung, die Pads stehen dann entsprechend eng. Das nur allzu kurze Steuerrohr ist nicht für extreme Haltungen gemacht. Die Sattelstütze sollte am besten mit einem Triathlonsattel kombiniert werde, zumal der montierte Rennsattel in Aerohaltung schnell unbequem wird. An der Ausstattung und dem Fahrverhalten gibt es nicht auszusetzen, für knapp 5.000 Euro wäre ein Satz Aerolaufräder schön.

Fahrbericht Cervélo S3  | Cervélo S3

Cervélo S3

Foto >Carola Felchner

Fahrbericht Stevens Arcalis

Stevens bietet sein „Arcalis“ dank eines Custom-Bike-Konfigurators ab 2.099 Euro an, unsere Testversion mit  elektronischen Komponenten kommt auf 4.198 Euro. Und in dieser Ausstattung konnte das recht agile Rad vor allem als Rennrad voll überzeugen. Trotzdem erlaubt es einen sinnvollen und recht einfachen Umbau, bei dem Sie allerdings den Sattel austauschen sollten, um die Geometrie und den Komfort anpassen zu können. Die Sattelstütze gibt es im Konfigurator nämlich nur in gekröpfter Version. Das recht lange Steuerrohr ist eher für komfortable als für extreme Aeropositionen gemacht. Wenn Sie ein Rad suchen, das Sie in unterschiedlichsten Spielarten glücklich macht, lohnt sich ein Test.

Fahrbericht Stevens Arcalis | Stevens Arcalis

Stevens Arcalis

Foto >Carola Felchner

Fahrbericht Scott Foil Team Issue

Das Aerobike von Scott hört auf den Namen „Foil“ und kommt mit kantigen, nicht auf den ersten Blick als aerodynamisch optimiert zu erkennenden Rohren. Das sorgt für eine hohe Steifigkeit des ausgeglichen zu fahrenden Renners, den es ab 2.999 Euro gibt. Unsere Teamversion schlägt mit 5.999 Euro zu Buche, kommt dafür aber in Topausstattung und mit Syncros-Aerolaufrädern. Unser Rad war mit gekröpfter Stütze aufgebaut, man kann aber auch eine gerade Version ordern. Und dann überzeugt ein Umbau. Das kurze Steuerrohr erlaubt viel Überhöhung, das Rad blieb in jeder Situation gut zu fahren. Nur Komfort darf man angesichts der steifen und kantigen Rohre nicht besonders viel erwarten.

Fahrbericht Scott Foil Team Issue | Scott Foil Team Issue

Scott Foil Team Issue

Foto >Carola Felchner