Tropenhitze statt Höhenluft?

Mutig klingt die Theorie eines Forscherteams der Universität ­Antillen-Guayana in Südamerika: Ein Trainingslager in den Tropen verbessere die Leistung stärker als ein Höhentrainingslager.

Von > | 14. März 2012 | Aus: TRAINING

tt26_034-035_sc_tropen_fw | Freiwasserschwimmen, Hawaii

Freiwasserschwimmen, Hawaii

Foto >Frank Wechsel

Hintergrund der These, die im ­„International Journal of Sports Medicine" veröffentlicht wurde: Große ­Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit bedeuten für den Körper ebenso viel Stress wie der geringere Sauerstoffgehalt in der Höhe. Die zusätzliche Heraus­forderung sei in den Tropen eben die zur Aufrechterhaltung der Körperkerntemperatur ­notwendige Thermoregulation. Als Beweis hatten die Wissenschaftler je sechs Schwimmer für acht Tage in ein Höhentrainingslager oder in die Tropen geschickt, als Leistungstest vor sowie 10 und 30 Tage nach dem Camp ­diente eine Strecke über 400 Meter Freistil. Das Ergebnis: Während sich die Teilnehmer der Höhentrainingsgruppe in den acht Tagen nicht verbesserten, verzeichneten die Forscher bei den Tropen-Schwimmern nach zehn Tagen einen Leistungsanstieg von fünf Prozent. 30 Tage nach dem Camp schwammen die Probanden, die in den Tropen trainiert hatten, die 400 Meter im Schnitt sogar um zehn Prozent schneller.

Für Forscher, die sich mit Höhentraining beschäftigen, ist dieses Ergebnis allerdings nicht haltbar: Ihren Studien zufolge reichen acht Tage Höhenluft gar nicht aus, um im Körper die gewünschten Anpassungsvorgänge auszulösen. In der Regel ist ein Höhenaufenthalt von mindestens drei Wochen nötig, um als Reaktion auf die sauerstoffärmere Luft eine Leistungssteigerung im Flachland zu erzielen.