Läufer im Endorphinrausch?

Jeder Dritte soll es nach einer Umfrage von Kolumnist Achim Achilles schon erlebt haben: das Runner’s High. Was ist dran am Glücksrausch-Mythos?

Von > | 28. März 2012 | Aus: TRAINING

Laufen in Hamburg | Morgendliches Lauftraining in der Hamburger Speicherstadt

Morgendliches Lauftraining in der Hamburger Speicherstadt

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Ein "unter Belastung auftretendes Hochgefühl", das den Sportler in einen schmerzfreien, euphorischen Gemütszustand versetzt - so wird das sogenannte Runner's High allgemein beschrieben. Körpereigene­ Endor­phine seien für all die Glücksgefühle verantwortlich, heißt es weiter. Medizinisch belegt werden konnte das aber lange Zeit nicht. Bis im Jahr 2009 Nuklearmediziner, Neurologen und Anäs­thesisten der Universitäten München und Bonn zehn Test-Läufern ­Diprenorphin verabreichten. Diese Substanz dockt im Gehirn an die Opiat-­Rezeptoren an und kann dann per Positronen-­Emissions-Tomographie sichtbar gemacht werden. Kurz nachdem die Sportler einen langen Lauf absolviert hatten, sahen die Wissenschaftler in ihren Köpfen deutlich weniger Diprenorphin. Die Opiat-Rezeptoren waren bereits besetzt – von körpereigenen Endorphinen. Das Runner’s High gibt es also wirklich.

Immer wieder auslösbar?

Wie sehr Sie sich quälen müssen, um damit belohnt zu werden, ist jedoch unklar. Die Forscher aus München und Bonn, die für ihre Entdeckung mit dem Förderpreis für Schmerzforschung ausgezeichnet wurden, hatten ihre Probanden vor dem Test zwei Stunden lang laufen lassen. Andere Wissenschaftler meinen, dass auch ein einstündiger Lauf ausreiche, die Intensität dabei aber 80 ­Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahmefähigkeit betragen müsse. Da bleibt nur eines: Probieren Sie es aus! Einmal erlebt, können Sie den Endorphin-Rausch übri­gens immer wieder hervorrufen, behauptet der US-Psychologe Richard Keefe.