So gefährlich sind UV-Strahlen

Wenn Sie sich in Training oder Wettkampf einen Sonnenbrand zuziehen, leidet nicht nur Ihre Haut, sondern auch Ihre Leistungsfähigkeit. Zwei gute Gründe, sich gegen UV-Strahlen zu schützen.

Von > | 14. April 2015 | Aus: TRAINING

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Trainingslager Mallorca

Foto >Frank Wechsel / spomedis

So gefährlich sind UV-Strahlen

Zuerst die gute Nachricht: Wird Hautkrebs früh erkannt, sind die Heilungschancen gar nicht mal so schlecht. Weniger gut: Allein in Deutschland werden jedes Jahr rund 112.000 neue Fälle von weißem Hautkrebs registriert, Tendenz steigend. An dem selteneren, aber besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) erkranken hierzulande jedes Jahr 22.000 Menschen, 2.300 sterben. Eine Besserung scheint nicht in Sicht; das Robert-Koch-Institut meldet dreimal so viele Neuerkrankungen als noch vor 30 Jahren.

Dass der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs übermäßige Sonnenbestrahlung ist, scheint vielen immer noch nicht bewusst zu sein: So hat eine Online-Befragung unter 1.000 Usern im YouGov Panel Deutschland ergeben, dass sich mehr als zehn Prozent der Deutschen nach wie vor ungeschützt der Sonne aussetzen und dass jeder Fünfte in diesem Jahr bereits einen Sonnenbrand hatte. Den sollte man jedoch „mit allen Mitteln vermeiden“, warnt der Dermatologe Prof. Dr. Swen Malte John, Leiter des Fachgebiets „Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie“ der Universität Osnabrück. Dass die Zahl der Hautkrebserkrankungen zugenommen hat, liegt laut John vor allem am Klimawandel. „Schätzungen zufolge führt eine Reduzierung der Ozonschicht um ein Prozent allein in Deutschland zu 2.000 bis 4.000 neuen Hautkrebserkrankungen. Solche Strahlungsintensitäten wie heute wurden vor 20 Jahren nur auf Sizilien gemessen.“ Die meisten hätten sich darauf noch nicht eingestellt, im Gegenteil, Bräune sei immer noch ein Schönheitsideal. Auch Dr. Holger Radloff, Hautarzt aus Hamburg, bestätigt: „Ein Teil der Bevölkerung hat ein neues Bewusstsein zum Sonnenschutz entwickelt, aber manche sind unverbesserlich.“

Enzym-Armee im Sondereinsatz

Die Strahlen der Sonne bestehen aus drei Teilen: wärmender Infrarot-Strahlung, sichtbarer Strahlung und ultravioletter (UV-)Strahlung, die je nach Wellenlänge in UV-A, -B oder –C-Strahlen unterteilt wird. UV-C-Strahlen sind für die Haut nicht schädlich, da sie von der Ozonschicht gefiltert werden. Treffen jedoch UV-A- und –B-Strahlen in zu großer Menge auf ungeschützte Haut, kommt es zu Schäden, die schwerwiegende Folgen haben können. Ein Sonnenbrand (Erythem), der vor allem von UV-B-Strahlen verursacht wird, macht sich zunächst durch gerötete und geschwollene Haut bemerkbar. Oberflächlich erholt sich die Haut zwar nach wenigen Tagen wieder, die Strahlung hat auf zellulärer Ebene aber große Schäden angerichtet: Sie hat die Erbsubstanz in den Zellkernen zerstört, beschädigt oder verändert. „In den Stunden nach einem Sonnenbrand ist ein Heer von Enzymen aktiv, das die Schäden zu reparieren versucht“, so John. „Der Betroffene merkt davon nichts, aber in der Haut ist der Bär los.“ Einer Schweizer Studie zufolge, die im Fachmagazin „Cell“ veröffentlicht worden ist, scheiden die Zellen der Haut nach UV-Bestrahlung Enzyme aus, die der Regeneration, der Bildung neuer Blutgefäße und dem Abfangen freier Radikale dienen. „Das erhält das Gleichgewicht einer Zelle, so dass diese nicht absterben muss“, erklärt Hans-Dietmar Beer, Oberassistent an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich.

Gegen alle Schäden, die ein Sonnenbrand in den Zellkernen verursacht hat, kommt der Reparaturmechanismus allerdings nicht an – ein paar bleiben zurück. Wenn diese bei der nächsten Zellteilung an die Tochterzelle weitergegeben werden, ist die Wahrscheinlichkeit, später an Hautkrebs zu erkranken, hoch. „Wer sich am Sonntag verbrennt, hat natürlich nicht schon am Montag Hautkrebs“, so John. Doch die Haut habe ein Gedächtnis und erinnere sich noch zehn bis 20 Jahre später an erlittene Sonnenbrände. Im Wettkampf spüren Sie die Auswirkungen eines Sonnenbrands dagegen sofort, nicht nur in Form akuter Schmerzen: Der verstärkte Einsatz des Immunsystems bedeutet für den Körper zusätzlichen Stress, die vermehrte Durchblutung der Haut beeinträchtigt die Muskeldurchblutung und die Blasenbildung, die in schweren Fällen eintritt, bringt den ohnehin schon stark geforderten Wasser- und Elektrolythaushalt durcheinander. „Für die Leistungsfähigkeit absolut ungünstig“, so John.