Redakteurin im Rennanzug

Die Kamera und den Notizblock habe ich am Sonntag gegen Rennanzug und Riegel getauscht. Für mich steht an diesem Morgen statt Berichterstattung die Olympische Distanz in der Hansestadt auf dem Plan – um den Hamburger Triathlon hautnah und mittendrin zu erleben.

Von > | 21. Juli 2013 | Aus: Special

Laura | Laura-Sophie Usinger

Laura-Sophie Usinger

Foto >Silke Insel

Die Triathlonrennen des Sommers erleben wir Redakteure eigentlich am Streckenrand, auf Motorrädern oder im Medienzentrum. Wir beobachten, fragen und schreiben, um unseren Lesern einen umfassenden Einblick in das Renngeschehen geben zu können. Wie sich die Athleten in den Minuten eines Rennens allerdings wirklich fühlen und was in ihren Köpfen vorgeht, bleibt für uns Zuschauer unergründlich. Triathlon muss man selbst erleben um zu wissen, wie es sich anfühlt. Zeit also einen Rollentausch zu wagen.


Um fünf Uhr klingelt mein Wecker, um sechs sitze ich in der S-Bahn und um sieben stehe ich am Check-In am Alstertor. Aus allen Straßen und Ecken kommen sie, die Triathleten. Die Einen langsam und gemütlich, locker und entspannt, die Anderen konzentriert und fokussiert, hastig und aufgeregt. Ein kunterbuntes Bild bietet sich dem Zuschauer beim Anblick der Wechselzone. „Ist Ihr Rad technisch einwandfrei?“, fragt mich ein Kampfrichter am Eingang, nachdem er sich vom richtigen Sitz meines Helms überzeugt hat. „Ich gehe davon aus“, antworte ich nach bestem Wissen und Gewissen und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Denken die ich gehe hier mit einer kaputten Gurke an den Start? Ich suche meinen Platz, hänge das Rad ein und richte meinen Wechselplatz her. Mit dem Verlassen der Zone merke ich langsam wie leichte Nervosität aufsteigt. Aber was wäre ein Rennen auch ohne diese?

Auf dem Weg zum Schwimmstart scheint uns Athleten die Sonne schon ins Gesicht. Es verspricht ein toller Tag zu werden. Mit Musik, Sonne, Bananen, Armkreisen und Einschwimmen bereiten sich die Triathleten am Alsteranleger vor.
Mit dem Startschuss beginnt eine neue Zeitrechnung – sie wird sich in Split- und Endzeiten einteilen lassen. Ich bekomme auf den ersten Metern ein paar Schläge ab, das übliche Gedrängel eben. Als ich unter der Lombardsbrücke durchschwimme kommt die Redakteurin in mir wieder durch. Das Bild, das ich durch meine Schwimmbrille erkennen kann, wäre ein grandioser Schnappschuss geworden. Der Blick auf den Jungfernstieg und das Rathaus im Sonnenlicht ist einfach herrlich. Vom Schwimmausstieg zur Wechselzone sind es einige Meter, die ich zurückzulegen habe. Genauso wie von der Wechselzone auf die Radstrecke, aber 10.000 Triathleten brauchen eben Platz.

Kette rechts

Auf dem Rad dauert es ein paar Kilometer bis ich in Tritt komme. Als ich die ersten Blicke auf den Hamburger Hafen erhaschen kann ist der Tritt rund – und die Aussicht toll. Am Wendepunkt, der zugleich die Verpflegungsstation ist, schlage ich den fleißigen Helfern die Bananen unglücklich aus der Hand. Mein Tempo sollte ich auf der zweiten Runde vielleicht etwas drosseln, damit ich noch etwas zwischen die Zähne bekomme. Sorry, ihr lieben Helfer, ich wollte Euch nicht noch mehr Arbeit bescheren. Kurz vor Halbzeit steht eine Musikgruppe am Straßenrand und macht ordentlich Stimmung, das spornt an. Die zweite Runde läuft gut, an der Verpflegungsstelle bremse ich mich und komme in den Genuss eines Erdbeerriegels – pfui. Wenn es einen Grund gäbe, keinen Triathlon zu machen, dann ist es der Gel- und Riegelfraß im Rennen.

Flow, wo bist du?

Angefeuert von eifrigen Zuschauern erreiche ich nach 40 Kilometern die Wechselzone. Schnell in die Schuhe geschlüpft und auf geht’s zur letzten Disziplin. Beim Laufen läufts. Die Beine fühlen sich gut an und die Zeit der ersten fünf Kilometer auch. Die Hitze hält sich gegen zehn Uhr noch in Grenzen, trotzdem bin ich über jeden Schatten dankbar, von dem es zum Glück viel gibt. An den Verpflegungsstellen greife ich nur noch nach Wasser. Iso würde jetzt alles aus mir rausholen - und das nicht im positiven Sinne. Der zweite Becher landet über dem Kopf, Iso würde auch viel zu sehr kleben. Der Flow, den ich noch auf den ersten sieben Kilometern verspürt habe, verabschiedet sich leider langsam. Die letzten Kilometer muss ich ganz schön beißen um die Kilometerzeit nicht ins Unterirdische laufen zu lassen. „Das sieht gut aus. Gleich hast du es geschafft“, rufen die Zuschauer mir von außen zu. Unermüdlich und ständig klatschend und jubelnd – danke, ihr Lieben! Gut fühlt sich zu dieser Zeit aber nur noch der Gedanke an einen Schattenplatz im Ziel  an.

Erschöpft und glücklich

Als ich den blauen Zielteppich erreiche, grinse ich. Zumindest ist das meine Absicht. Vielleicht schneide ich aber auch nur noch eine Grimasse – egal. Mit dem Überqueren der Ziellinie werde ich jedenfalls ein glücklicher Hamburg-Triathlon-Finisher. Ich suche mir ein Schattenplätzchen und setze mich, naja ich liege wohl eher. Aber das ist kein Grund zur Sorge, zumindest nicht für mich. Ein Wettkampf, ist eben wirklich ein kleiner Kampf. Besorgte Triathleten kommen zu mir und fragen, ob alles in Ordnung sei. Einer bringt wir zwei Becher Wasser – danke du Engel. Und wie ich da so „liegsitze“ wird mir wieder bewusst, wie toll es ist, Triathlon zu machen und sich immer wieder einer Herausforderung zu stellen, von der man zu Beginn nie weiß, was sie bringen wird.