6 Kilometer Schwimmen und Aquajogging

Langsam bekommt Anita Horn Angst vor dem Ironman Frankfurt. Denn das Rennen rückt näher und das Laufen muss derzeit durch Aquajogging ersetzt werden. Selbstvertrauen konnte unsere Bloggerin bei einem Langstreckenschwimmen über 6 km tanken.

Von > | 8. Juni 2018 | Aus: SZENE

Im Schwimmen läuft\'s bei Anita Horn, beim Laufen schwimmt unsere Bloggerin. Und Frankfurt rückt immer näher.

Im Schwimmen läuft's bei Anita Horn, beim Laufen schwimmt unsere Bloggerin. Und Frankfurt rückt immer näher.

Foto >Privat

Die Mitteldistanz im Kraichgau ist für mich leider geplatzt. Ich wollte nichts riskieren und für einen Formtest 21 Kilometer auf meinen schmerzenden Fuß laufen. Um einer schweren Depression vorzubeugen, bin ich aber gar nicht erst hingefahren, denn ein DNF kam für mich nicht in die Tüte. Stattdessen habe ich mich ins Wasser gestürzt und mich einer ganz anderen Herausforderung gestellt. In Köln war nämlich Swim & Run und da kann man auch ohne Run einfach nur Langstreckenschwimmen, je nach persönlichem Irrsinn sechs oder zwölf Kilometer. Am Stück. Ohne Beckenrand.

Der Fühlinger See war knapp unter 24 Grad warm, wir durften also zum Glück im Neo schwimmen. Wobei ich nach der ersten Stunde und mit immer weniger Wolken am Himmel schon zwischendurch dachte, dass ich gleich schmelze. Da mein Hauptgedanke aber der Frage galt, warum ich das eigentlich mache, war das Hitzethema schnell vergessen. Sechs Kilometer bin ich früher nicht einmal gelaufen. Andere fahren solche Strecken, wenn es hoch kommt, mit dem Rad. Aber ich wollte mich unbedingt ausschließlich mit der Kraft meiner Arme fortbewegen. Der Kommentar eines Vereinskollegen war deutlich: dazu hat man Boote gebaut. Stimmt vermutlich. Aber ich hatte leider gerade keins zur Hand. Außerdem wollte ich mich auf die Probe stellen. Und mein Gehirn irreführen.

Ich wollte wissen, ob ich sowas überhaupt kann. Und ich wollte bezwecken, dass mir die 3,8 Kilometer beim Ironman wenig vorkommen. Eine Art positive Konditionierung. Hat geklappt. Beides. Ich bin zwar etwas mehr als sechs Kilometer geschwommen (genau genommen 6,4 km), weil ich nicht direkt an den Bojen war. Aber nach 2:04:40 Stunden konnte ich das Wasser wieder verlassen und als 3. meiner Altersklasse die Ziellinie überqueren. Mit einer Pace von 1:56 min / 100 m wäre ich also bei exakt sechs Kilometern unter zwei Stunden geblieben. Ziel erreicht. Und Angst vor der Schwimmstrecke in Frankfurt habe ich jetzt auch nicht mehr.

Angst vor Frankfurt

Allerdings habe ich vor Frankfurt gerade allgemein ziemliche Angst. Ich habe besser gesagt richtig Schiss und mache mir große Sorgen, ob ich bis dahin wieder komplett einsatzbereit bin. Denn meine Ferse, die seit meinen Laufintervallen letzte Woche übel schmerzt, bringt gerade nicht nur meinen Körper, sondern mein ganzes Vorhaben ins Wanken. Ich trainiere seit November für meine erste Langdistanz. Ich hatte die ganze Zeit über keine Wehwehchen oder sonstigen Schmerzen und vom einen auf den anderen Tag kann ich nicht mehr auftreten. Ich habe schon einige Tränen vergossen, war beim Physio meines Vertrauens, habe auf Sportsalbe, Schmerztabletten und aufmunternde Worte meines Freundes zurückgegriffen. Aber das hat nicht gereicht, also habe ich andere Maßnahmen ergriffen.

  1. Ich war eben bei meinem Orthopäden. Röntgen und Ultraschall waren ok. Deshalb habe ich einen kurzfristigen MRT-Termin bekommen. Dabei kam raus, dass der Muskelansatz des linken Fußknochens entzündet ist. Scheiße! Aber immerhin keine Problematik der Achillessehe, kein Bruch, kein gestresster Nerv. Ich bekomme jetzt Sporteinlagen, werde mich so gut es geht schonen und Laufpause machen. Schweren Herzens. Aber noch habe ich Hoffnung. Aquajoggen ist ja auch sowas wie laufen.
  2. Ich war eben das erste Mal in meinem Leben aquajoggen. Erst habe ich mein normales Schwimmprogramm abgespult – Danke, Coach! – ich habe so viel Wasser getrunken wie noch nie und auch das erste Mal laut geschimpft. Aber ich habe es durchgezogen und konnte die utopischen Zeitvorgaben zumindest teilweise einhalten (8x100 m in 1:45 min (geschafft) nach 4x400 m mit Pullbuoy auf 7:00 min (nicht geschafft)).
Bloggerin Anita Horn tankt Selbstvertrauen beim Langstreckenschwimmen über 6 km.

Bloggerin Anita Horn tankt Selbstvertrauen beim Langstreckenschwimmen über 6 km.

Foto >Privat

Ich habe mich auch brav mit den anderen Schwimmern auf meiner Bahn abgesprochen. Erst waren wir nur zu zweit und haben halbe halbe gemacht. Dann waren wir mehrere und ich wurde in meinen Intervallen immer vorgelassen. Voll nett. Aber als ich mit meinem Aquajogginggurt auf die Spaßbahn umgezogen bin, konnte ich kaum glauben, was da passiert. Ich bin so nah und unauffällig wie möglich am Beckenrand gejoggt, als eine semi-aggressive Seniorin mich absichtlich von der Bahn gedrängt hat. Kurz darauf hat ein älteres Ehepaar drei Jugendlichen die Stinkefinger gezeigt, weil sie ein bisschen mit Wasser geplatscht haben und eine andere Dame hat sich beschwert, dass ihre Haare nass werden. Im Schwimmbad!

Da lobe ich mir doch die Freiwassersaison. Und dass dieses ganze Trainieren demnächst ein Ende hat. Aber bitte erst in vier Wochen. Vorher würde ich gerne noch ganz viel Schwimmen und Radfahren und Laufen. Ohne Angst und ohne Aqua.