Wie gelingt der Wechsel von Mittel- auf Langdistanz?

Bei einer Langdistanz muss alles zusammen kommen: Kraft, Ausdauer, Geschwindigkeit und Technik. Laura Philipp erzählt in ihrem neuesten Blog über das Wechselspiel von Mittel- und Langdistanz.

Von > | 14. März 2018 | Aus: SZENE

Im Kraftraum liegt die Kraft für eine Langdistanz. Und in der Ruhe. Laura Philipp über das richtige Rezept für die Langdistanz.

Im Kraftraum liegt die Kraft für eine Langdistanz. Und in der Ruhe. Laura Philipp über das richtige Rezept für die Langdistanz.

Foto >Philipp Seipp

Seit fünf Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem „Schnellerwerden“, um auf der Mitteldistanz möglichst weit vorn zu landen. Ein – hoffentlich vorläufiger – Höhepunkt war mein dritter Platz bei der 70.3 WM in Chattanooga.

Es ist mir gelungen, meine Unterdistanzleistungen in allen Disziplinen erheblich zu steigern. Diese Fähigkeit trainieren oder entwickeln viele in ihren Jugendjahren bewusst oder unbewusst. Im Triathlonverein, aber auch beim Fußball oder in der Leichtathletik. Mein Weg verlief ganz anders. Denn mein Schulweg, den ich täglich mit dem Rad absolvierte, hat das Fundament gelegt. Lange war ich mir dieser Tatsache gar nicht bewusst. Gleichwohl war das Radfahren auch ein relativ monotones Treiben – Speed konnte ich so keinen entwickeln. Gemeinsam mit meinem Trainer Philipp, der schon ganz zu Beginn unserer Arbeit weniger über Ausdauer als über Geschwindigkeit sprach, suchte ich nach Auswegen.

Die Entwicklung der VO2max hatte Priorität gegenüber der maximal zu entwickelnden Schwellenleistung. Die Muskelmasse an meinen Beinen sollte anwachsen, um eine konkurrenzfähige Radleistung auch auf flachen Radkursen zeigen zu können. Und nicht zuletzt haben wir Bewegungsmuster optimiert. Oftmals ist die ästhetische Bewegung auch die ökonomischste und somit auch die mit dem geringsten Impact für den Organismus.

Bei der Langdistanz kommt alles zusammen

So gesehen war mein Training der letzten Jahre bereits eine gezielte Langdistanzvorbereitung. Ein motorischer, psychischer und physischer Unterbau für den langen Tag. Seit Dezember läuft nun die direkte Vorbereitung auf die Saison 2018. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Umfänge erneut leicht gestiegen. Der Fokus wird nun immer stärker auf die optimale Energiebereitstellung und Energieaufnahme in Renngeschwindigkeit gestellt, d.h. die Entwicklungsperspektive muss der maximalen Schwellenleistung jetzt Platz machen. Aus diesem Grund werden Radeinheiten mit mehr als 2,5 Stunden Dauer Teil meines Trainings. Intervalle zielen auf die Entfaltung der optimalen Dauerleistung ab und ich nehme den Verlust von anaerober Leistungsfähigkeit im Gegenzug in Kauf. Ganz konkret bedeutet das: An langen Tagen absolviere ich bis zu 6 Stunden auf dem Rad, diese sind dann auf bis zu drei Einheiten aufgeteilt und jeweils mit einem speziellen Programm versehen.

Auf Lanzarote widmete sich Laura Philipp dem Radfahren – und Schwimmen.

Auf Lanzarote widmete sich Laura Philipp dem Radfahren – und Schwimmen.

Foto >James Mitchell

Die letzten beiden Wochen habe ich auf Lanzarote im Club La Santa trainiert und ca. 1.000 Radkilometer und zahllose Höhenmeter abgespult. Diese waren hauptsächlich im Grundlagenbereich, aber in den zwei- bis dreimal wöchentlich stattfindenden Intervalleinheiten bewegte ich mich insgesamt 30 bis 45 Minuten lang oberhalb von 5 Watt pro Kilogramm.

Volle Konzentration

Die ständige Anwesenheit von Coach Philipp und der einwöchige Besuch meines Schwimmtechniktrainers Joschka Hladky haben mir wenig Spielraum gelassen, so dass immer volle Konzentration angesagt war. Den Schwerpunkt dieses Trainingsblocks legten wir bewusst auf Schwimmen und Radfahren, um meine Leistung in diesen beiden Disziplin gezielt zu verbessern. Dabei war es erstaunlich, wie viel Fortschritt man in zwei Wochen erreichen kann und wie gut es tut, nicht immer 100 Prozent Fokus auf alle drei Disziplinen zu legen. Meine nächsten Trainingswochen werde ich dann wieder Zuhause verbringen. Dort finde ich die nötige Ruhe und Nähe, um optimal mit meinem Team zusammenzuarbeiten und den nächsten Schritt zu gehen. Die Zielsetzung sieht so aus: Wir werden weiter an Technik, Speed und Kraft arbeiten.

Eure Laura