Alex Yees Training vor seinem Kapstadt-Erfolg in der Analyse

Das 20-jährige Laufwunder aus Großbritannien gewann in Kapstadt seinen ersten Weltcup und gilt als eines der größten Talente im Triathlon. Wir haben die vier Trainingswochen vor seinem Sieg ausgewertet.

Von > | 13. Februar 2019 | Aus: SZENE

Bei der Sprintdistanz in Kapstadt konnte Alex Yee seine Laufstärke ausspielen und sich den ersten Weltcupsieg seiner Karriere sichern.

Bei der Sprintdistanz in Kapstadt konnte Alex Yee seine Laufstärke ausspielen und sich den ersten Weltcupsieg seiner Karriere sichern.

Foto >Wagner Araujo / ITU Media

Er könnte der nächste Mario Mola werden. Denn nicht nur die Statur passt, sondern auch die Ausnahmeleistungen in der dritten Disziplin. Am vergangenen Wochenende gewann der 20-jährige Alex Yee aus Großbritannien zum ersten Mal ein Weltcuprennen. In Kapstadt lief er auf den abschließenden fünf Kilometern seinen restlichen Konkurrenten mit einem Laufsplit von 14:41 Minuten davon und sicherte sich den bisher größten Erfolg seiner jungen Triathlonkarriere. In Bezug auf schnelle Laufzeiten ist Yee längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Das aufstrebende Nachwuchstalent hat Bestzeiten von 13:34 Minuten über 5.000 Meter und sagenhafte 27:51 Minuten über 10.000 Meter stehen, die er beide im vergangenen Jahr erzielte. Denn neben seiner Triathlonkarriere ist der 1998 geborene Yee mehrmals im Jahr bei hochkarätigen internationalen Laufwettkämpfen auf der Bahn dabei.

2018 nahm er unter anderem in Berlin an den Europameisterschaften in der Leichtathletik teil und startete im Finale über 10.000 Meter (28:58 Minuten). Bereits im Jahr 2015 nahm Yee erstmals an den "IAAF World Youth Championships" teil, den Leichtathletik-Weltmeisterschaften für Jugendliche, und startete dort im Alter von 17 Jahren über 3.000 Meter (8:28 Minuten). Nun richtet sich der Fokus des jungen Briten in erster Linie auf den Triathlon und die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Und wie Yee in Kapstadt bewies, ist er ein heißer Kandidat für das britische Olympia-Team. Was besonders spannend ist: Der Ausnahmeläufer geht sehr transparent mit seinen Trainingsdaten um. Das haben wir zum Anlass genommen, die vier Trainingswoche vor seinem Erfolg in Kapstadt einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und auszuwerten. 

Woche 1 (14. bis 20. Januar)

In dieser Woche, vier Wochen vor dem Weltcuprennen in Kapstadt, reiste Yee bereits für ein Trainingslager nach Südafrika. Allerdings nicht nach Kapstadt, sondern nach Stellenbosch. Er absolvierte dort in den darauffolgenden Wochen vor dem Rennen viele Einheiten gemeinsam mit den Profis Tom Bishop, Elliot Smales und Jack Willis. Da Yee nur seine Rad- und Laufdaten veröffentlicht, muss das Training in der ersten Disziplin bei der Auswertung außen vor gelassen werden. Im Normalfall sollte sich der Schwimmumfang pro Woche allerdings im Bereich von vier bis sechs Einheiten und etwa 20 bis 30 Kilometern bewegen. Der Laufumfang in dieser Woche betrug 90,4 Kilometer, auf dem Rad absolvierte Yee 430 Kilometer. Die einzige Intervalleinheit beim Laufen in dieser Woche hatte es in sich: zwölf Minuten, neun Minuten, sechs Minuten und drei Minuten mit jeweils 1:30 Minuten Pause. Die erzielten Distanzen: 3,98 Kilometer (3:01 min/km), 3,08 Kilometer (2:56 min/km), 2,11 Kilometer (2:51 min/km) und 1,14 Kilometer (2:39 min/km). Eine geradezu verblüffende Einheit. Die anderen sieben Läufe in der Woche fanden mit niedrigen Intensitäten statt und bewegten sich in Tempobereichen von 4:20 bis 4:50 min/km. Für einen Athleten, dessen 10-km-Wettkampftempo bei 2:47 Minuten pro Kilometer liegt, ein – im Verhältnis betrachtet – tatsächlich äußerst langsames Tempo. Dieser Pace-Bereich lässt sich auch in den folgenden Wochen bei den lockeren Laufeinheiten finden und ist zwingend notwendig dafür, dass Yee seine harten Einheiten auch mit dieser beeindruckenden Intensität und Geschwindigkeit durchführen konnte. Der Brite trainierte im Südafrika-Trainingslager im Laufen also nach einem sehr bipolaren Ansatz – entweder sehr locker oder sehr hart. Im Schwellenbereich absolvierte Yee in den gesamten vier Wochen nur zwei kurze Koppelläufe mit einer Dauer von 15 bis 20 Minuten. 

Woche 2 (21. bis 27. Januar)

Die zweite Trainingswoche in Südafrika war Yees umfangsreichste Woche vor dem Rennen in Kapstadt. Der 20-Jährige lief 105,75 Kilometer in dieser Woche, aufgeteilt auf neun Läufe. Auf dem Rad sammelte er 356 Kilometer in insgesamt sechs Fahrten. Beim Laufen absolvierte Yee in dieser Woche zwei Tempoeinheiten, die sogar für viele Weltklasse-Läufer höchst anspruchsvoll sind. In der ersten Einheit absolvierte Yee drei Serien, in denen er jeweils 800 Meter, 600 Meter und 400 Meter lief – mit je 200 Metern Trabpause nach den Intervallen und 400 Metern Trabpause nach den Serien. Seine erzielten Splits: 2:03,9 min, 1:32,3 min und 59,3 sec für Serie eins, 2:05,6 min, 1:32,4 min und 58,7 sec für Serie zwei und 2:06,5 min, 1:32,4 min und 59,2 sec für die dritte Serie. Tempoeinheit zwei beim Laufen ist nicht weniger beeindruckend: zwölf Minuten und viermal drei Minuten mit jeweils 1:30 Minuten Pause mit Distanzen von 4,07 km (2:57 min/km), 1,08 km (2:48 min/km), 1,04 km (2:53 min/km), 1,12 km (2:40 min/km) und 1,16 km (2:35 min/km). 

Woche 3 (28. Januar bis 3. Februar)

Auch noch eine Woche vor dem Rennen hielt Yee den Umfang und die Intensitäten beim Laufen relativ hoch und schraubte das Radfahren schon etwas zurück. Yee lief 104,5 Kilometer in Woche drei des Südafrika-Trainingslagers und legte 176 Kilometer mit dem Rad zurück. Auch noch in dieser Woche absolvierte der Brite zwei harte Tempoeinheiten in der dritten Disziplin. Allerdings wurden die Intervallstrecken im Schnitt etwas kürzer als in den Wochen zuvor. Einmal lief Yee 3 x (4 x 400 Meter) mit 100 Metern Trabpause zwischen den ersten Intervallen in der Serie und 200 Metern Trabpause in den zweiten beiden Serien. Die Satzpausen betrugen 500 Meter und 400 Meter Trabpause zwischen den beiden Sätzen. Yees Zeiten sind einmal mehr beeindruckend: 66 sec, 65 sec, 66 sec und 67 sec im ersten Satz, wobei die Trabpause in 30 Sekunden bei einem Schnitt von 4:45 min/km absolviert wurden. Anschließend legte Yee noch einmal zu: 65 sec, 65 sec, 64 sec und 64 sec in Satz zwei bei einer Trabpausen-Pace von 4:10 bis 4:30 min/km und 61 sec, 61 sec, 60 sec und 58 sec im dritten Satz. Eine progressive Steigerung getreu des Mottos: "last one, fast one". 

Intervalleinheit zwei bestand aus neun Minuten mit 3,08 km (2:55 min/km) und im Anschluss zwei Serien aus jeweils drei, zwei und einer Minute mit je einer Minute Trabpause und zwei Minuten Trabpause zwischen den Serien. Yees Zeiten: 1,07 km (2:50 min/km), 0,73 km (2:43 min/km) und 0,38 km (2:40 min/km) für Set eins und Geschwindigkeiten von 2:49 min/km, 2:41 min/km und 2:35 min/km für Set zwei. 

Woche 4 (Rennwoche / 4. bis 10. Februar) 

In der Rennwoche reduzierte Yee sowohl den Umfang als auch die Intensität des Trainings. Bis zum Rennen am frühen Sonntagnachmittag lief Yee in dieser Woche 47,3 Kilometer und legte lediglich 68,5 km auf dem Rad zurück, eingeteilt in drei relativ kurze Fahrten. Am 5. Februar, fünf Tage vor dem Rennen, absolvierte der Brite seine letzte harte Laufeinheit: 800 Meter, 2 x 600 Meter und 3 x 400 Meter mit je 1:30 Minuten Trabpause. Seine Zeiten: 2:07 min, 1:34 min, 1:34 min, 62 sec, 61 sec und 61 sec. 

Sein Renntempo in Kapstadt über die fünf Kilometer, bei heißen Temperaturen wohlgemerkt: 2:56 Minuten pro Kilometer (14:41 Minuten). Die klimatischen Bedingungen und Yees Bestzeiten im Laufen sowie seine Entwicklung in den vergangenen Jahren und das junge Alter deuten darauf hin, dass der junge Brite zukünftig noch schneller laufen wird.