Alle sind gut drauf. Ekelhaft.

Am liebsten würde Anita allen gesunden Läufern ein Bein stellen – so tief sitzt der Frust über ihre Bronchitis. Da hilft nur eins: Schokolade, Fernsehen und Spaziergänge mit ihrem Freund.

Von > | 22. Februar 2018 | Aus: SZENE

Manfred über seine Freundin: \"Anita will nämlich am liebsten allen Läufern Beinchen stellen. Sie ist neidisch. Wütend.\"

Manfred über seine Freundin: "Anita will nämlich am liebsten allen Läufern Beinchen stellen. Sie ist neidisch. Wütend."

Foto >Privat

Hier läuft gerade vor allem eins: meine Nase. Kaum habe ich es letzte Woche laut ausgesprochen, war es schon zu spät. Ich liege flach, mit Bronchitis und Schnupfen. Jede Treppenstufe ist eine Qual, deshalb verlasse ich das Haus trotz des tollen Wetters so selten wie möglich. Ich mag die anderen Läufer gerade eh nicht sehen. Alle sind gut drauf und lächeln beim Laufen. Ekelhaft. Der Ironman ist gerade in weite Ferne gerückt und ich habe das Gefühl, mein gesamtes Training der letzten Monate ist für die Tonne. Ich werde bestimmt noch eine Woche brauchen, bis ich wieder richtig trainieren kann. Und hänge dann eindeutig hinterher.

Ich gucke plötzlich Fernsehen

Setze ich dann da an, wo ich sein müsste? Oder gehe ich ein paar Schritte im Plan zurück und knüpfe dort an, wo ich aufgehört habe? Trainiere ich überhaupt richtig? Mache ich nicht viel zu wenig? Ok. Atmen. Ein und aus. Ich könnte die Zeit ja nutzen, um meinen Plan nochmal genau durchzugehen. Um meine Ernährung zu planen. Oder um mich zu dehnen. Ich bin vom ganzen Husten irgendwie ganz krumm. Und das Einzige, was sich im Moment dehnt, ist die Zeit. Jeder Tag zieht sich wie Kaugummi. Ich gucke plötzlich Fernsehen. Und ich esse zu viel. Aus Langeweile. Wird Zeit, dass der Husten die Biege macht. Dann kann ich mich wieder austoben. Und mein Freund kann sich entspannen.

Gast-Beitrag von Anitas Freund Manfred: „Einen Riegel vorschieben. Aus Schokolade“

Gestatten, Manfred. Anitas Freund, Ruhepol und Streckensupport für ihr Projekt „Ironman 2018“. Keine leichte Aufgabe. Vor allem bei so gutem Wetter. Anita mit Sportverbot bei Laune zu halten, ist so gut wie unmöglich. Wie geht man also mit jemandem um, der einen enormen Bewegungsdrang hat, sich aber ausruhen soll? Ruhe bewahren. Gut zureden. Schokolade reichen. Vegan, natürlich. Immerhin geht sie zwischendurch mit mir spazieren. Dabei muss ich gut aufpassen. Anita will nämlich am liebsten allen Läufern Beinchen stellen. Sie ist neidisch. Wütend. Und musste auch schon bitterlich weinen. Ich muss da einen Riegel vorschieben. Aus Schokolade. Diesmal aber für mich.