Aller guten Dinge sind fünf

Anita Horn gibt sich im neuen Blog erfinderisch: Wenn es draußen wie in Strömen regnet, kann man immer noch schwimmen gehen. Die Laufeinheiten bringen sie an die Grenze. Die Folge: Hungerast und Haarprobleme.

Von > | 3. Mai 2018 | Aus: SZENE

Unsere Bloggerin Anita Horn entstaubt und säubert das Zeitfahrrad.

Unsere Bloggerin Anita Horn entstaubt und säubert das Zeitfahrrad.

Foto >Privat

Mein Rennrad und ich haben uns schon gefreut, über das lange Wochenende viele Kilometer auf holländischen Radwegen zu drehen. Allerdings kam alles anders. Das Wetter war eine Vollkatastrophe. Holland in Not, sage ich nur. Soviel Wasser von oben habe ich selten gesehen. Also habe ich aus der Not eine Tugend gemacht, mich für Wasser von allen Seiten entschieden und bin einfach mehr schwimmen gegangen als ursprünglich geplant.

Beim ersten Versuch bin ich in einen Fun Park geraten, in dem das Sportbecken gleichzeitig das Spaßbecken mit Wellenbad war. Alle 30 Minuten gab es Seegang gratis. An gute Intervallzeiten war hier nicht mehr zu denken. Aber am Ende hatte ich 4,1 Kilometer auf der Uhr und war motiviert – für meine bisher längste Schwimmeinheit am Folgetag. Allerdings in einem anderen Bad.

Dass mitten im Wasser eine aufblasbare Hüpfburg schwamm, riefe kurz Verzweiflung in mir hervor. Aber daneben war exakt eine Bahn Platz. Die brustschwimmenden Herrschaften haben sich meist nach wenigen Zügen wieder in den Spaßbereich verabschiedet und ich konnte tatsächlich fast ungestört meine Strecke inklusive 6 x 800 Meter als Intervalle durchziehen. Mal mit Pullbuoy, mal mit Steigerungen, mal im Grundlagen-Tempo, mal maximal schnell. Nach eineinhalb Stunden hatte ich schwere Arme und schrumpelige Haut, aber die 5er-Marke war in greifbarer Nähe.

Und Tatsache, nach dem letzten Block und ein paar Bahnen Ausschwimmen standen 5,1 Kilometer auf dem Display meiner Sportuhr. Ich war stolz wie Oskar. Platt wie ein Matjes im Brötchen. Und habe mir danach den Bauch in einem Pfannkuchenhaus vollgeschlagen – um nach einer kleinen Verschnaufpause und einem regenlosen Zeitfenster in die Laufschuhe zu springen, um meinen zweiten Trainingsblock abzureißen.

Ich sollte 14 Kilometer mit 6 x 1000 Meter Intervalle laufen, je 500 Meter schnell und 500 Meter langsam. Alles kein Problem. In die eine Richtung. Als ich auf der Hälfte gedreht habe, war aber schnell klar, warum es bis dahin so wahnsinnig einfach war: der Wind. Der stand mir zuerst im Rücken und wollte mich auf dem Rückweg offensichtlich komplett wegpusten. Die Intervalle habe ich noch durchgezogen, aber die letzten lockeren Kilometer musste ich dann klein beigeben und Tempo rausnehmen.

Hungerast und Haarprobleme

Gleiches galt bei meinem Trainings-Halbmarathon am Feiertag, zurück in Köln. 21 Kilometer laufe ich öfter mal. Einfach so, weil ich Spaß daran habe. Aber diesmal hatte ich keinen Spaß. Nach den ersten 7 Kilometern standen ähnliche Intervalle wie in Holland an, 6 x 1000 Meter mit Tempowechsel alle 500 Meter. Las sich im Trainingsplan total easy. Aber ich habe schon nach dem zweiten Intervall geflucht und eine kleine Pause eingelegt. Vielleicht habe ich zu wenig gegessen und getrunken? Oder war es der Wind? Ich habe mir auf jeden Fall eine andere Location gesucht und bin wieder losgeprescht. Aber jetzt waren selbst die lockeren 500er unfassbar schwer.

Mit Ach und Krach habe ich meine Pflicht erfüllt. Aber dann war es vorbei: Kreislauf, leere Beine, ein klassischer Hungerast. Ich sollte eigentlich in einem 5:05er-Schnitt zurücklaufen, aber es wurde ein 6:45er-Schnitt und ein Liebäugeln mit einem Taxi. Da ich aber kein Geld dabei hatte, habe ich mich mit eigener Kraft nach Hause geschleppt – um hinterher von meinem Coach Micha Rundio zu erfahren, dass das „eine sauharte Einheit“ war. Er nannte mein Abknicken „normal“. Ich nenne es Nahtoderfahrung. Die zwei Stunden MTB-Ausfahren im Anschluss waren dagegen ein wahres Fest.

Damit ich aber nun endlich meine Sitzposition auf meinem Wettkampfrad feintune, bleibt das Mountainbike ab sofort im Keller. Ich habe meine Terrasse kurzfristig in eine Werkstatt verwandelt und „Black Beauty“ fit für die Saison gemacht: Rahmen geputzt, Kette geölt, das Wattsystem angebracht und das erste Mal mit Hilfe einer Gaskartusche die Reifen aufgepumpt. Wie praktisch die sind! Davon habe ich jetzt immer eine auf meinen Ausfahrten, RTFs und Testwettkämpfen dabei.

Jetzt muss ich aber erstmal zusehen, dass ich das Kettenöl wieder von den Fingern bekomme und meine Wimperntusche finde. Ich habe einen Arbeitstermin. Und mir ist aufgefallen, dass ich mich ewig nicht mehr geschminkt habe. Lohnt sich irgendwie nicht. Ich bin ständig im Wasser, im Sattel oder in meinen Laufschuhen und mehrmals täglich duschen. Das halte ich übrigens so knapp wie möglich. Die gesparte Zeit brauche ich, um mir die Knoten aus meinen Haaren zu kämmen. Das ganze Tragen von Badekappen ist auf Dauer nicht sehr frisurfreundlich. Ich habe schon einige Haare gelassen. Aber darüber zerbricht sich ein Ironman vermutlich nicht den Kopf. In Ordnung. Was steht als nächstes an? Natürlich: schwimmen ...