Als Rentner nach Hawaii

Als Pensionär nach Kona. Nein, es handelt sich bei dieser Geschichte nicht um den Lebensentwurf eines wohlhabenden US-Bürgers für den Eintritt ins Rentenalter, sondern um die von Günther Knuth – ein Kona-Rookie mit 67 Jahren.

Von > | 4. September 2018 | Aus: SZENE

Günther Knuth (links) hat schon am norwegischen Extrem-Triathlon Norseman teilgenommen.

Günther Knuth (links) hat schon am norwegischen Extrem-Triathlon Norseman teilgenommen.

Foto >Maria Knuth

Triathlon und Ironman ist nicht mehr eine Sportart der jungen Wilden. Dass man auch im höheren Alter und in seiner dritten oder vierten Sportkarriere noch erfolgreich im Dreikampf sein kann, beweist Günther Knuth. Der war nämlich ursprünglich Fußballer und übte sich später in Karate und Kung Fu. Doch 1999 erlitt der Diplom-Ingenieur aus Reinbek bei Hamburg einen Kreuzbandriss – und bekam als Therapie ein Rennrad verordnet. Zwei Jahre später stand er im Alter von 50 Jahren zum ersten Mal am Start eines Triathlons, 2005 folgte die erste Langdistanz. Günther Knuth war vom Triathlonvirus infiziert.

325 Laufkilometer im ganzen Jahr

Auf die Premiere über die mythenumwobenen 226 Kilometer folgten sechs weitere Rennen über die Langstrecke, darunter auch der legendäre Norseman in Norwegen, wo neben der schieren Distanz auch Höhenmeter, Kälte und oftmals Regen als zusätzliche Herausforderungen warten. Die Saison 2018 lief zunächst nicht gut. "Mein Hauptwettkampf war eigentlich der Swissman, den ich wegen starker Achillessehnenschmerzen nicht beendete", erzählt Günther Knuth. "Das DNF tut immer noch weh!" Und so ging er mit nur 325 Laufkilometern im ganzen Jahr in die Rennwoche des Ironman Hamburg, die mit einem Schock aufwartete: Wegen der Blaualgen in der Alster wurde das Schwimmen abgesagt, zusätzlich zum Marathon und den langen Wechselzonen ein 6-Kilometer-Lauf zum Start als Alternative eingerichtet. "Ich war kaum motiviert, erwog sogar einen Startverzicht, als plötzlich insgesamt 50 Kilometer zu laufen waren", berichtet Knuth über seine Gefühlslage. "Aber Wandern geht ja immer, ein DNF sollte es nicht wieder geben!"

Ein Traum geht in Erfüllung

Die Geschichte des Rennens erzählt Günther Knuth in wenigen Worten: "Beim Radeln verlor ich früh meinen Tacho, das Laufen ging gut, trotz Schmerzen musste ich nicht wandern. Ich mag die Hitze und im Ziel freute sich mein Körper auf die Ruhe." Doch weit gefehlt. Günther Knuth finishte mit seinen 67 Jahren in 11:11:42 Stunden – und holte sich die Kona-Quali! "Ich darf nach Hawaii! Damit hatte ich nie und nimmer gerechnet und ein Traum geht nun in Erfüllung. Ich hoffe nur, die 67-jährige Achillessehne hält über die dritte Ironman-Distanz innerhalb von vier Monaten ..."