Anne Haug will um eine Olympia-Medaille kämpfen

Um 16 Uhr kämpfen die besten Kurzdistanz-Athletinnen der Welt am Samstag um Olympia-Gold im Triathlon. Anne Haug will in diesem Kampf dann mittendrin sein. Wie sich die Rennen in diesem Jahr taktisch entwickelt haben, trifft die Deutsche aber ähnlich ungünstig wie Weltmeisterin Gwen Jorgensen. Schuld daran ist die Athletin aus einem Zwergstaat.

Von > | 19. August 2016 | Aus: SZENE

Anne Haug | Anne Haug will in Rio de Janeiro um eine Olympia-Medaille kämpfen.

Anne Haug will in Rio de Janeiro um eine Olympia-Medaille kämpfen.

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Die positiven Erinnerungen sollen Anne Haug helfen, am Samstag das zwar nicht Unmögliche, aber sehr Unwahrscheinliche wahr werden zu lassen: Eine Medaille bei den Olympischen Spielen. Vor einem Jahr war Haug schon einmal in Rio de Janeiro am Start und tütete dort, obwohl verletzungsbedingt nicht in Top-Form angetreten, die frühzeitige Olympiaqualifikation ein. Damals gelang ihr in Rio, wo im Gegensatz zu den meisten anderen Rennen in der WM-Serie nicht von einem Ponton ins Wasser gesprungen, sondern vom Strand aus ins Meer gerannt wird, der Sprung ans Ende der ersten Schwimmgruppe - wodurch Haug im Anschluss ein entspannteres Radfahren erlebte als sonst. Dieses beste Schwimmen ihrer Karriere hat sich in Haugs Gedächtnis eingebrannt und soll ihr Mut machen, wenn die Erlangerin am Samstag um eine Medaille kämpft.

Flora Duffy sorgt für Spannung

Zwar wabern durch Schweizer Medien Gerüchte, wonach das Schwimmen wegen angeblich für Samstag erwarteter hoher Wellen gestrichen und stattdessen ein Duathlon veranstaltet werden könnte - bei der Deutschen Triathlon Union weiß man davon aber nichts und geht von einer Triathlon-Entscheidung um die Medaillen aus. Und bei der steht und fällt für Anne Haug beinahe alles mit dem Schwimmen. Noch vor einem Jahr hätte man geglaubt, dass die 33-Jährige nach der im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich besseren Vorbereitung auch auf dem Rad zur Spitze aufschließen kann - doch die Vorzeichen haben sich geändert. Schuld daran ist Flora Duffy, die aus dem 53,1 km² kleinen Bermuda stammt: Die Crosstriathlon-Weltmeisterin hat es in dieser Saison mehrfach geschafft, sich beim Schwimmen zu lösen und kann auf dem Rad für so viel Druck sorgen, dass ihr kaum jemand folgen kann. Sorgt Duffy am Samstag dafür, dass sich auf dem Rad eine kleine Gruppe an der Spitze löst, könnte es das Haug unmöglich machen, bis zum zweiten Wechsel noch in Schlagweite zu den Medaillen zu kommen - und es könnte dann sogar die bis Anfang dieser Saison unschlagbar scheinende Weltmeisterin Gwen Jorgensen (USA) gehörig unter Druck setzen, da die überragende Läuferin nicht als beste Radfahrerin gilt. Ein kurzer, aber steiler Hügel, den es auf jeder acht Radrunden in Rio de Janeiro zu absolvieren gilt, könnte Duffy und Verbündeten beispielsweise aus Großbritannien auf dem Rad zu einer möglicherweise rennentscheidenden Attacke gegen die Weltmeisterin und indirekt auch Anne Haug dienen.

Mit Olympiasiegerin Nicola Spirig (SUI) und Ashleigh Gentle (AUS) hat Haug aber zumindest zwei potenzielle Verbündete auf ihrer Seite, die beim Schwimmen ebenfalls einen Rückstand kassieren dürften und als starke und aktive Radfahrerinnen gelten. Und selbst wenn es für Haug in Rio de Janeiro nicht reichen sollte, ist für die Deutsche Triathlon Union noch nicht alles verloren: In Laura Lindemann hat der Verband noch eine zweite Athletin am Start, die ihre Stärken als ehemalige Schwimmerin vor allem in der Auftaktdisziplin sieht und die sich eine Top-Ten-Platzierung für das Olympiarennen vorgenommen hat.

Läuferisch starke Konkurrenz

Andererseits ist Haug eine Medaille aber auch noch längst nicht sicher, selbst wenn es ihr gelingen sollte, beim Schwimmen dranzubleiben oder auf dem Rad zur Spitze aufzuschließen. Denn die laufstarke Konkurrenz ist gewaltig. Die Britinnen stellen in Non Stanford, Vicky Holland und Helen Jenkins gleich drei Medaillenkandidatinnen - und hätten, wenn sie gedurft hätten, in Jodie Stimpson sogar noch eine vierte nominieren können. Auch die US-Amerikanerinnen haben neben Jorgensen in Sarah True und Katie Zaferes noch zwei starke Läuferinnen, die auch gut schwimmen können, im Rennen. Auch Andrea Hewitt (NZL), Nicola Spirig, Ashleigh Gentle, Ai Ueda (JPN), Barbara Riveros (CHI) und Rachel Klamer (NED) ist in Rio de Janeiro ein Medaillen-Coup zuzutrauen. Eine Aufarbeitung der Stärken und Schwächen der Mitfavoritinnen finden Sie hier.

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