Die Auswertung von Kristian Blummenfelts Halbmarathon

Bei seiner neuen Weltbestzeit von 3:29:04 Stunden ist Kristian Blummenfelt den Halbmarathon in 1:06:57 Stunden gelaufen. Wir haben die Aufzeichnungen des 24-jährigen Norwegers ausgewertet.

Von > | 10. Dezember 2018 | Aus: SZENE

Mit einer Gesamtzeit von 3:29:04 Stunden stellte Kristian Blummenfelt beim Ironman 70.3 Bahrain eine neue Weltbestzeit auf.

Mit einer Gesamtzeit von 3:29:04 Stunden stellte Kristian Blummenfelt beim Ironman 70.3 Bahrain eine neue Weltbestzeit auf.

Foto >IRONMAN

Kristian Blummenfelt setzte am vergangenen Wochenende beeindruckend um, was er im Vorfeld angekündigt beziehungsweise sich vorgenommen hat: Beim Ironman 70.3 Bahrain zunächst unter zwei Stunden für die 90 Radkilometer unterwegs zu sein und im Anschluss den Halbmarathon mit einer Pace von 3:10 bis 3:12 Minuten pro Kilometer zu laufen. Mit rekordverdächtigen Splits von 1:56:52 Stunden für die Radstrecke und 1:06:57 Stunden beim Halbmarathon legte der Norweger eine neue Weltbestzeit von 3:29:04 Stunden über die Ironman-70.3-Distanz hin. Wir haben einen Blick auf die Aufzeichnung von Blummenfelts Halbmarathon geworfen und die Daten ausgewertet. Zusätzlich haben wir die Daten von Blummenfelt mit denen von Landsmann und Zweitplatzierten Gustav Iden vergleichen. 

Aufzeichnung zu früh gestartet, 3:10 min/km im Schnitt gelaufen

Zunächst fällt auf, dass Kristian Blummenfelt die Aufzeichnung ziemlich genau einen Kilometer zu früh und dementsprechend wahrscheinlich noch auf der Radstrecke gestartet hat, was man nicht nur an der gemessen Distanz (22,28 Kilometer) in der ersten, sondern auch am Verlauf der Pace in der zweiten Grafik erkennen kann. Berücksichtigt man die aufgezeichnete Dauer von 1:09:46 Stunden und vergleicht diese mit dem offiziellen Split von 1:06:57 Stunden, wird diese Erkenntnis bestätigt. Daher ist auch das durchschnittliche Tempo von 3:08/km etwas zu schnell – rechnet man den ersten Kilometer heraus, ergibt der Split über die gesamte Distanz im Durchschnitt eine Pace von 3:10 Minuten pro Kilometer. Aufgezeichnet hat Kristian Blummenfelt den Halbmarathon mit einer Garmin Fenix 5X Plus. Zusätzlich benutzte er einen Stryd-Sensor zur Aufzeichnung der Wattzahlen beim Laufen. Diese Werte liegen in dieser Datei allerdings nicht vor. 

Die Aufzeichnung von Kristian Blummenfelts Halbmarathon.

Die Aufzeichnung von Kristian Blummenfelts Halbmarathon.

Foto >Strava

Der Paceverlauf vom Halbmarathon des 24-jährigen Norwegers.

Der Paceverlauf vom Halbmarathon des 24-jährigen Norwegers.

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Die letzten fünf Kilometer in 15:24 Minuten

Schaut man die Kilometersplits von Blummenfelt an, fällt auf, dass der Norweger sehr rhythmisch und konstant gelaufen ist. Der dritte Kilometer in 3:21 Minuten ist der langsamste Kilometer seines Halbmarathons gewesen. Die kluge und konstante Renneinteilung spiegelt sich auch im Rennverlauf wider: Blummenfelt lief mit Trainingspartner und Landsmann Gustav Iden die ersten 15 Kilometer Seite an Seite, bis er sich absetzen konnte. Auch Casper Stornes, der dritte Norweger im Bunde, lief zunächst noch einige Kilometer mit seinen Teamkollegen, musste diese dann aber ziehen lassen. Entschieden wurde das Rennen um den Sieg also auf den letzten sechs Laufkilometern. Betrachtet man die letzten fünf Kilometer von Blummenfelt, kommt man aus dem Staunen kaum heraus: Der 24-Jährige hat die letzten 5.000 Meter seines Halbmarathons in 15:24 Minuten hinter sich gebracht. Damit waren seine letzten fünf Kilometer die schnellsten des gesamten Laufes, was für eine perfekte Renneinteilung spricht. Der letzte Kilometer war sogar der schnellste des Norwegers – 3:01 Minuten benötigte er dafür.

Damit hat er im Vergleich zu seinem Vorjahressieg in Bahrain enorm dazugelernt. Damals lief er die ersten zehn Kilometer unter 32 Minuten, teilte sich damit das Rennen allerdings falsch ein und absolvierte die letzten fünf Kilometer mit einem Schnitt von über vier Minuten pro Kilometer – trotzdem reichte es schon im Vorjahr für den Sieg. Aus diesem Fehler bei seiner letztjährigen Premiere über die Mitteldistanz hat Blummenfelt also offensichtlich einiges gelernt. Dieses Jahr wäre er für ein falsches Pacing bestraft worden, denn Gustav Iden kam nur 21 Sekunden nach ihm ins Ziel. 

Die Splits der einzelnen Kilometer im Überblick.

Die Splits der einzelnen Kilometer im Überblick.

Foto >Strava

Die letzten fünf Kilometer absolvierte Blummenfelt in 15:24 Minuten.

Die letzten fünf Kilometer absolvierte Blummenfelt in 15:24 Minuten.

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Vergleich mit Gustav Idens Daten

Schaut man sich die Splits von Gustav Idens Halbmarathon mit einer Gesamtzeit von 1:07:13 Stunden an, sieht man trotz der phänomenalen Zeit, wo der 22-Jährige das Rennen gegen Kristian Blummenfelt verloren hat: Iden absolvierte die letzten fünf Kilometer in 15:59 Minuten und hatte der Tempoverschärfung von seinem Trainingspartner bei Kilometer 15 nichts entgegenzusetzen. Im Gegensatz zu Blummenfelt, bei dem die letzten fünf Kilometer die schnellsten des Laufes waren, konnte Iden keine Schippe mehr drauflegen und sein Durchschnittstempo "nur" halten. Aber: Auch Idens Laufleistung war überdurchschnittlich und lag in einem Bereich, den es bis zum Halbmarathon von Jan Frodeno bei der Ironman-70.3-WM in Südafrika zuvor noch nie gegeben hat. Aufgrund des jungen Alters und der Tatsache, dass es sowohl für Iden als auch für Blummenfelt erst der zweite Ironman-70.3-Wettkampf überhaupt war und sich beide in erster Linie auf die Kurzdistanz spezialisieren, deutet alles darauf hin, dass bei beiden noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. 

Die Aufzeichnung des Halbmarathon vom Zweitplatzierten Gustav Iden. Der offizielle Split des 22-jährigen Norwegers: 1:07:13 Stunden.

Die Aufzeichnung des Halbmarathon vom Zweitplatzierten Gustav Iden. Der offizielle Split des 22-jährigen Norwegers: 1:07:13 Stunden.

Foto >Strava

Die drei Norweger Kristian Blummenfelt, Gustav Iden und Casper Stornes belegten beim Ironman 70.3 Bahrain die Plätze eins bis drei und unterboten alle die ehemalige Weltbestzeit auf der Ironman-70.3-Distanz.

Die drei Norweger Kristian Blummenfelt, Gustav Iden und Casper Stornes belegten beim Ironman 70.3 Bahrain die Plätze eins bis drei und unterboten alle die ehemalige Weltbestzeit auf der Ironman-70.3-Distanz.

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