Berlinger und Steger gewinnen verrückte Challenge Davos

Das Organisationskomitee hatte alle Hände voll zu tun. Doch am Ende haben sie der Challenge Davos tatsächlich noch eine Premiere verschafft - und zwar eine, die den Teilnehmern in Erinnerung bleiben wird.

Von > | 18. September 2017 | Aus: SZENE

Kältekenner Thomas Steger (hier bei der Challenge Walchsee) gewinnt das außergewöhnliche Rennen in Davos.

Kältekenner Thomas Steger (hier bei der Challenge Walchsee) gewinnt das außergewöhnliche Rennen in Davos.

Foto >Challenge Family

Sven Riederer hat schon viel mitgemacht. Er hat von 2004 bis 2016 an allen vier Olympischen Spielen im Triathlonrennen teilgenommen, hat dabei eine Medaille gewonnen und ist in seiner Karriere auch sonst weit herumgekommen. Doch so etwas, wie der Schweizer es am Wochenende quasi vor seiner Haustür im schweizerischen Davos mitmachte, "so etwas Verrücktes habe ich noch nicht erlebt. Nicht als Sportler, und schon gar nicht als Organisator", sagte Riederer in einem Facebook-Livevideo.

Viele Pläne in der Hinterhand

Riederer verdingt sich nämlich schon seit einiger Zeit nicht mehr nur als reiner Athlet, er ist auch Inhaber der Agentur "MooveMee", mit der er unter anderem Events und Reisen organisiert und Coaching anbietet. Und Riederer ist eben auch derjenige, der sich das erste schweizerische Challenge-Rennen wesentlich mit ausgedacht hat. Und es sollte nicht irgendeins sein. Es sollte ein breites Rennangebot geben, bei dem eine besondere Mitteldistanz im sportlichen Fokus steht: Ein Rennen über 1,9 Kilometer Schwimmen, 50 Kilometern Radfahren auf dem Flüelapass und anschließend einem vergleichsweise flachen Halbmarathon.

Als sich Riederer, der in seinem Rennen auch selbst als Sportler aktiv werden wollte, am Wochenende per Live-Video aus Davos zu Wort meldete, stand er in dicker Jacke eingepackt im Schnee. Das war es, was die Situation für die Veranstalter so verrückt machte - auch wenn sich kritische Stimmen meldeten, die sagten, eine solche Wetterlage stünde in Davos Mitte September nunmal zu befürchten.

Wie dem auch sei: Riederer und sein Team wollten auch in dieser Situation nicht aufstecken und stellten schon in der Rennwoche, vor der vom Pass bereits Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt gemeldet worden waren, verschiedene Alternativ-Szenarien zum klassischen Triathlon vor. Dass nicht geschwommen werden wird, war dabei schon relativ früh klar. Erneute Schneefälle am Wochenende machten aber auch das Radfahren zu einer besonderen Herausforderung - gerade auch, was die Sicherheit der Athleten anging. Die Lösung, die die Veranstalter letztlich fanden: Das Schwimmen wurde ersatzlos gestrichen und statt angepeilter 50 Radkilometer wurden es in Davos rund zwölf, die fast durchweg bergauf führten. Anschließend blieben den Teilnehmern 35 Minuten, in denen keine Zeit gemessen wurde, um sicher wieder bergab zum Wechsel zu fahren und sich für das Laufen umzuziehen, ehe der flache Halbmarathon folgte.

Eine Sekunde entscheidet im Männerrennen

Sportlich gesehen kam damit einmal mehr der Österreicher Thomas Steger am besten zurecht, der sich schon mit seinem Sieg am Walchsee vor wenigen Wochen als Kälte-Experte hervorgetan hatte. In 26:32 Minuten fuhr er den Radpart rund eine Minute schneller als der zweitschnellste Mann im Feld - nämlich Sven Riederer - und legte in 1:12:48 Stunden einen schnellen Halbmarathon nach, was nach Addition beider Zeiten die schnellste Gesamtzeit ergab. Da die Athleten das ihnen zur Verfügung stehende 35-Minuten-Zeitfenster vor dem Laufstart aber unterschiedlich konsequent ausnutzten, wurde es beim Laufen unübersichtlich - und es blieb verrückt. Denn der Belgier Pieter Heemeryck war am Ende zwar vor Steger im Ziel, in der Addition beider Zeiten aber rund eineinhalb Sekunden langsamer als der Österreicher. David Bishop (GBR) sicherte sich dank eines Halbmarathonlaufs über 1:10:29 Stunden den dritten Rang vor Riederer. Der beste deutsche Profi, Florian Angert, wurde mit den Bedingungen nicht warm und beendete das Rennen als Elfter.

Besser lief es für seine Landsfrau Lena Berlinger, die das Rennen gewann - und das längst nicht so knapp wie Steger auf Seiten der Männer. Die Mengenerin holte mit einem Ritt über 30:32 Minuten schon beim Klettern auf dem Rad über drei Minuten auf die schnellste Konkurrentin heraus und legte beim Laufen in 1:24:09 Stunden auch in der zweiten Disziplin unter den Elitestartern eine Tagesbestzeit nach. So siegte Berlinger in insgesamt 1:54:42 Stunden über vier Minuten vor der Slowakin Nikola Corbova, Lisa Roberts (USA) und der Deutschen Katharina Wolff.

Laura Philipp war wegen einer Erkältung nicht an den Start gegangen. Insgesamt hielt sich das Teilnehmerinteresse bei den widrigen äußeren Bedingungen in Grenzen: Nur 97 Agegrouper und 24 Elite-Starter werden in der Mitteldistanz-Ergebnisliste geführt, über die olympische Distanz gibt es insgesamt 65 Finisher. Gänzlich abschrecken lassen will sich das Challenge-Team davon aber wohl nicht. "Wir freuen uns bereits heute auf die folgenden Ausgabe des Challenge Davos Festivals und sind sicher, dass sich dieser Wettkampf zu einem der besten Rennen Europas entwickeln wird", wird Challenge-CEO Zibi Szlufcik auf der Veranstaltungswebsite zitiert.