Blummenfelt und Brownlee treffen in Dubai aufeinander

Kampf der Giganten beim Ironman 70.3 Dubai: Während im Männerfeld alles auf ein spannendes Duell zwischen Alistair Brownlee und Kristian Blummenfelt hinausläuft, versucht Anne Haug ihren Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen.

Von > | 30. Januar 2019 | Aus: SZENE

2018 sicherte sich Doppel-Olympiasieger Alistair Brownlee mit fast sieben Minuten Vorsprung den Sieg in Dubai. Ob sich der Brite auch dieses Mal gegen die starke Konkurrenz durchsetzen kann?

2018 sicherte sich Doppel-Olympiasieger Alistair Brownlee mit fast sieben Minuten Vorsprung den Sieg in Dubai. Ob sich der Brite auch dieses Mal gegen die starke Konkurrenz durchsetzen kann?

Foto >Getty Images

Dieses Duell haben viele mit Spannung erwartet: Beim Ironman 70.3 Dubai am kommenden Freitag, wenn um 7 Uhr Ortszeit (4 Uhr deutscher Zeit) vor dem weltbekannten Hotel "Burj al Arab" der Startschuss für das Profifeld der Männer fällt, werden Doppel-Olympiasieger und Vorjahressieger Alistair Brownlee und Ironman-70.3-Weltbestzeithalter Kristian Blummenfelt (NOR) erstmals bei einem Ironman-70.3-Rennen aufeinander treffen.

Brownlee, der sich zuletzt mit seiner Trainingsgruppe mehrere Wochen im Trainingslager in Spanien auf die anstehende Saison vorbereitete, gewann das Rennen 2018 mit fast sieben Minuten Vorsprung vor dem Schweizer Sven Riederer. Seit seinem zweiten Platz bei der Ironman-70.3-WM 2018 in Südafrika bestritt der 30-Jährige keinen Triathlon mehr, weshalb hinter seiner aktuellen Form – wie so oft – ein kleines Fragezeichen steht. Doch oft genug schon ist der Brite nach einer etwas längeren Pause mit einem Paukenschlag zurückgekommen. Man könnte fast meinen, er betreibt diese Spielchen in gewisser Weise mit Absicht. Denn über die aktuelle Leistungsfähigkeit von Brownlee erfährt man auch auf anderem Wege nicht viel. Denn auf seinen Social-Media-Kanälen ist er sparsam mit Daten und Details zum Training. Anders im Videoformat: Auf dem Youtube-Kanal der Brownlees gibt es seit neustem viele Einblicke in das Training der beiden Brüder, etliche Impressionen und zahlreiche Tipps. Rückschlüsse auf die Fitness kann man durch die Videos allerdings nicht unbedingt ziehen. Im Trainingslager nahm Alistair Brownlee als Testwettkampf am Ende eines Trainingsblocks im Dezember an einem lokalen Radrennen teil und gewann. Wie fit der ältere der beiden Brownlee-Brüder wirklich ist, wird man wohl erst am Freitag im Rennen herausfinden. Eines weiß man allerdings aus den vergangenen Jahren nur zu gut: Stellt sich Alistair Brownlee an eine Startlinie, dann im Regelfall nur, weil er davon überzeugt ist, das Rennen auch gewinnen zu können. 

Blummenfelt gibt sich selbstbewusst

Ganz anders geht Kristian Blummenfelt, der bekannt für seine Transparenz ist, mit seinen Trainingsdaten um. Der junge Norweger lädt alle seine Trainingseinheiten bei Strava hoch, spricht offen über seine physiologischen Daten wie die maximale Sauerstoffaufnahme und formuliert seine Ziel gern offensiv. Nach seinem Sieg und der neuen Ironman-70.3-Weltbestzeit beim Ironman 70.3 Bahrain haben wir das Training und die Methodik der norwegischen Athleten rund um das Team von Cheftrainer Arild Tveiten genau beleuchtet, analysiert und Beispiele gezeigt. Als Ziel für Dubai gibt Blummenfelt ganz klar den Sieg aus. Auf die Frage, wie viel Watt er auf dem Rad treten will, antwortet er ganz provokant: "Vielleicht 335 Watt, je nachdem wie viel Alistair tritt." Außerdem bezeichnet der Norweger den Wettkampf trotz seiner hohen Ambitionen als "Trainingswettkampf". Dass Blummenfelt so kurz nach Bahrain erneut bei einem 70.3-Rennen startet, spricht dafür, dass er vor dem ersten WTS-Rennen Anfang März in Abu Dhabi wohl eine längere Wettkampfpause vermeiden möchte. Außerdem ist das 70.3-Rennen in Dubai die Chance, für seinen angenommenen Slots für die 70.3-WM im September weitere Erfahrungen zu sammeln. Wie auch für Alistair Brownlee ist eine weitere Motivation für den Start sicherlich auch die Chance auf den Gewinn der "Triple-Crown" . Um sich diesen Titel zu sichern, muss eine Athletin oder ein Athlet innerhalb eines Jahres den Ironman 70.3 Dubai, die Ironman-70.3-WM und den Ironman 70.3 Bahrain gewinnen. Gelingt dies, gibt es eine Million US-Dollar Preisgeld. Fest steht: Blummenfelt ist bestens vorbereitet. In seinem zweiwöchigen Trainingslager auf Fuerteventura im Las Playitas absolvierte er in 14 Tagen 65,2 Schwimmkilometer (19:35 Stunden), 996 Radkilometer (30:42 Stunden) und 215 Laufkilometer (15:56 Stunden). 

Um eine Podiumsplatzierung kämpfen außerdem der ehemalige Kurzdistanzler und laufstarke Adam Bowden (GBR), Patrik Nilsson (SWE), der im Alter von 27 Jahren bereits vier Ironman-Siege zu verzeichnen hat und in Dubai seinen Saisoneinstieg gibt, und Ronnie Schildknecht (SUI). Auch der Deutsche Johann Ackermann ist nur fünf Tage nach seinem Rennen beim Ironman 70.3 Südafrika mit von der Partie. In Buffalo City musste Ackermann das Rennen nach wenigen Kilometern auf der Laufstrecke aufgeben. Erwischt er in Dubai einen guten Tag, könnte er für lange Zeit mit an der Spitze des Feldes liegen. Bereits im Vorjahr kam Ackermann zusammen mit Alistair Brownlee aus dem Wasser. Zuzutrauen ist es dem 35-Jährigen auf jeden Fall, dass er nach dem Schwimmen auch mit Brownlee und Blummenfelt gemeinsam auf dem Rad unterwegs ist. Mit einem soliden Halbmarathon liegt eine Top-Fünf-Platzierung für Ackermann sicherlich im Bereich des Möglichen. 

Beim Ironman 70.3 Bahrain 2018 stellte Kristian Blummenfelt mit einer Zeit von 3:29:04 Stunden eine neue Weltbestzeit auf.

Beim Ironman 70.3 Bahrain 2018 stellte Kristian Blummenfelt mit einer Zeit von 3:29:04 Stunden eine neue Weltbestzeit auf.

Foto >IRONMAN

Gelingt Anne Haug die Titelverteidigung?

Im Frauenrennen stehen die Chancen auf einen deutschen Sieg nicht schlecht, denn die Hawaii-Dritte und Vorjahressiegerin Anne Haug geht erneut in Dubai an den Start und verfolgt das klare Ziel, ihren Titel zu verteidigen. Auf Lanzarote bereitete sich Haug zuletzt über mehrere Wochen auf die neue Saison vor. In dieser Woche wurde außerdem bekannt, dass die 36-Jährige ab sofort bei Cervélo unter Vertrag steht und in diesem Jahr bei ihren Wettkämpfen auf dem Cervélo P5X unterwegs sein wird. Einfach gemacht wird es Haug beim Titelkampf in Dubai nicht, denn neben der laufstarken Deutschen ist unter anderem auch Holly Lawrence am Start. Die Britin hatte 2018 immer wieder mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, gab Ende des vergangenen Jahres allerdings beim Ironman 70.3 Bahrain ein äußerst erfolgreiches Comeback und gewann. Zum Kreis der Favoritinnen gehören außerdem Sarah Lewis (GBR) und Angela Naeth (CAN). Auch Anna Watkinson (RSA) steht auf der Startliste, gewann am vergangenen Sonntag allerdings erst den Ironman 70.3 Südafrika, weshalb fragwürdig ist, ob sie das Rennen tatsächlich bestreiten wird. 

2018 sicherte sich Anne Haug den Sieg in Dubai. Ihre Chancen auf eine Titelverteidigung scheinen nicht schlecht zu stehen.

2018 sicherte sich Anne Haug den Sieg in Dubai. Ihre Chancen auf eine Titelverteidigung scheinen nicht schlecht zu stehen.

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