Böcherer in einer eigenen Liga

Andreas Böcherer hat sich bei der Challenge Heilbronn zum dritten Mal den Sieg in der Neckarstadt gesichert. Doch nicht nur irgendwie: Böcherer zermalmte seine Konkurrenten auf dem Rad - und konnte selbst kaum glauben, wie weit er ihnen letztlich wegfuhr.

Von > | 19. Juni 2016 | Aus: SZENE

Andreas Böcherer | Andreas Böcherer gewinnt die Challenge Heilbronn 2016

Andreas Böcherer gewinnt die Challenge Heilbronn 2016

Foto >Fabian Fiedler / spomedis

Andreas Dreitz hatte am Tag vor dem Rennen noch gemutmaßt: "Einer von den Jungs wird beim ersten Lauf schon ordentlich am Gashahn drehen", sagte Dreitz im Vorgespräch mit tri-mag.de - und antwortete auf die Frage, wen er da im Verdacht hätte, mit einem Grinsen. "Es kommt ja doch immer anders, als man denkt", sagte Dreitz. Und fand sich tags auf den ersten 5 Laufkilometern der zum Duathlon umgewandelten Challenge Heilbronn plötzlich selbst an der Spitze des Feldes wieder, wo er Andreas Böcherer und die weiteren Konkurrenten mit einem enormen Tempo unter Druck zu setzen versuchte.

Der doppelte Andi zieht davon

Eine Woche nach seinem Rennen in Dänemark hatte sich der Bayreuther eine Vollgas-Taktik verordnet. "Ich habe schon in den ersten Lauf sehr viel investiert", sagte Dreitz später im Ziel. "Und dann bin ich auf das Rad gestiegen und habe losgelegt, als wäre das ein 20-Kilometer-Zeitfahren" - und nicht ein profilierter 93-Kilometer-Kurs, dem noch ein Halbmarathon folgte. Mit diesem Tempo tat Dreitz in Heilbronn auch Böcherer weh, aber er bekam ihn nicht los. "Ich habe bei Andis Tempo im Flachen ganz schön kämpfen müssen", gestand Böcherer später im Ziel. "Aber ich habe auch gemerkt, dass ich am Berg im Vorteil war und konnte ihm dort wiederum wehtun."

So setzte sich die beiden "Andis" schnell von der Verfolgergruppe ab, die bald von Maurice Clavel und Giulio Molinari (ITA) angeführt wurde, und eröffneten ein einsames Radrennen an der Spitze. Eines, das Böcherer kurz vor der Halbzeit für sich entscheiden konnte: An einer Steigung kurz nach der 40-Kilometer-Markierung schob sich Böcherer an Dreitz vorbei und setzte eine Tempoverschärfung - mit Erfolg. Böcherer löste sich plötzlich und extrem schnell von seinem einstigen Begleiter und wechselte mit über sieben Minuten Vorsprung vor Dreitz auf die Laufstrecke, der selbst noch rund zwei Minuten auf die nächsten Verfolger in den zweiten Wechsel rettete. "Andi Dreitz muss da technische Probleme gehabt haben", sagte Böcherer im Ziel, ungläubig ob seines großen Vorsprungs nach dem Radfahren.

Dreitz verpokert sich

Die hatte Dreitz aber nicht. "Ich bin schlicht und ergreifend total geplatzt", sagte er. Der Bayreuther hatte mit seiner offensiven Rennweise viel riskiert, sich verpokert - und Böcherer damit verwirrt. Dem hatte nämlich beim Wechsel jemand zugerufen, er hätte drei Minuten Vorsprung, weshalb Böcherer bei den ersten Schritten auf der Laufstrecke bereits erstmals jubelte. "Kurz darauf behauptete dann jemand, es seien acht Minuten. Da dachte ich nur: Na klar. Lern mal, deine Uhr zu bedienen." Erst, als sein Trainer Lubos Bilek ihm dieses gewaltige Polster bestätigte, vertraute Böcherer in diese Angabe und konnte seinem dritten Sieg in Heilbronn entgegenlaufen, ohne sich dafür noch voll verausgaben zu müssen.

Clavel geht über das Limit

Das musste der Zweitplatzierte dafür um so mehr: Maurice Clavel rette nur wenige Sekunden auf den Dritten Horst Reichel in den Heilbronner Zielkanal, sparte sich dabei gerade noch genug Kraft für einen seiner ausdrucksstarken Jubel beim Überqueren der Ziellinie und sackte dann prompt in den Hände seines Kumpels Böcherer zusammen. "Das war meine vierte Mitteldistanz in acht Wochen, und das, wo ich seit Februar Vater bin", sagte Clavel. "Ich war deswegen in keinem Trainingslager und mir fehlt die Grundlage." Dennoch habe er auf dem Rad alles investiert und danach versucht, das Rennen irgendwie noch ins Ziel zu retten. "Ich bin superglücklich mit dem Ergebnis, aber auch unheimlich platt."

Auch der Drittplatzierte Horst Reichel haderte nicht, obwohl er den zweiten Rang nur um Sekunden verpasste. "Mehr ging nicht", sagte Reichel. "Speziell mit meiner Laufleistung bin ich heute sogar sehr zufrieden. Es hat heute endlich mal wieder richtig geknallt." Nur auf dem Rad sieht der Hesse noch Luft nach oben. "Aber ich habe noch sechs Wochen bis zu meinem ersten Saisonhighlight auf der Langdistanz, da sind die anderen Jungs wie Andi Böcherer, der ja in zwei Wochen dran ist, in der Vorbereitung schon weiter." Andreas Dreitz startete sichtlich entkräftet auf die Laufstrecke, gab das Rennen dort aber nicht auf und kam als Elfter ins Ziel. In Dominik Sowieja, Markus Rollie, Konstantin Häcker und Tobias Dracher musste er damit auf der Laufstrecke noch vier Agegrouper ziehen lassen, die allesamt die Top-Ten knackten.

Challenge Heilbronn 2016 | Männer

  1. uni 2016, Heilbronn

Name

Nation

Gesamt

5 km Run

93 km Bike

21 km Run

1

Andreas Böcherer

GER

03:48:39

14:20

02:14:41

01:17:15

2

Maurice Clavel

GER

03:56:47

14:20

02:23:45

01:16:15

3

Horst Reichel

GER

03:56:57

14:38

02:25:35

01:14:19

4

Marc Dülsen

GER

03:59:33

14:32

02:24:35

01:18:02

5

Dominik Sowieja

GER

03:59:48

14:24

02:25:16

01:17:48

6

Markus Rolli

GER

04:03:41

15:56

02:24:04

01:20:59

7

Florian Angert

GER

04:03:50

14:45

02:26:01

01:20:43

8

Konstantin Häcker

GER

04:04:01

14:23

02:31:12

01:16:04

9

Tobias Drachler

GER

04:04:07

14:54

02:27:07

01:19:33

10

Giulio Molinari

ITA

04:04:43

14:44

02:23:56

01:23:31

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