Brownlee-Brüder wollen nächstes Commonwealth-Gold

In Deutschland sind sie weitgehend unbekannt, für viele Athleten weltweit sind die Commonwealth Games aber ein Riesenereignis. Alistair Brownlee stellt für den Kampf um Gold sogar seine Mitteldistanz-Ambitionen hinten an.

Von > | 4. April 2018 | Aus: SZENE

Alistair und Jonathan Brownlee bei den Olympischen Spielen 2016.

Alistair und Jonathan Brownlee bei den Olympischen Spielen 2016.

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Ein großer Fan der Sprintdistanz war Alistair Brownlee noch nie. Der Doppel-Olympiasieger, der nicht im Verdacht steht, seinem jüngeren Bruder Jonathan sportlich große Geschenke oder auch nur Komplimente zu machen, machte in den vergangenen Jahren nicht einmal einen Hehl daraus, dass das kürzere der beiden für die World Triathlon Series relevanten Triathlonformate eher seinem Bruder liegt als ihm selbst. Wenn sich Alistair Brownlee also nochmal seriös auf eine Sprintdistanz vorbereitet, und das, obwohl sein Fokus zumindest vorläufig eigentlich auf der Mittel-, perspektivisch sogar auf der Langdistanz liegt, sagt das schon eine ganze Menge aus darüber, welchen Wert das zugehörige Event für Brownlee haben muss.

England gegen Südafrika?

Das Event, um das es geht, ist das Triathlonrennen in den Commonwealth Games - ein Rennen, das alle vier Jahre stattfindet und das das drittgrößte Sportevent weltweit nach den Olympischen Spielen und den Asian Games sein soll. Es wird berichtet, dass die Geschichte des Events bis ins Jahr 1911 zurückreicht, als sich Mitglieder des Britischen Weltreichs erstmals zu einem gemeinsamen Sportfest trafen. Rund 70 Nationen und Territorien nehmen heute an den Commonwealth Games teil, und für viele Sportler scheint eine Medaille dort fast so viel wert zu sein wie eine bei den Olympischen Spielen.

Alistair Brownlee hat vor vier Jahren in Glasgow sogar schon eine goldene Medaille gewonnen, will am Donnerstag an der australischen Gold Coast aber nochmal eine nachlegen. Dafür muss er es aber ein weiteres Mal mit seinem Bruder Jonathan aufnehmen, der zu gern endlich aus dem Schatten Alistairs treten würde - und dessen Chancen dafür auf der Sprintdistanz grundsätzlich gut stehen. Wäre da nicht das Problem, dass Alistair längst nicht Jonathans einziger Konkurrent um Gold ist: Richard Murray, Henri Schoeman (beide RSA), Ryan Sissons (NZL) und Jacob Birtwhistle (AUS) gehören ebenso zu den möglichen Gold-Anwärtern. Speziell die beiden Südafrikaner dürften den Brownlees zu denken geben - und sie dazu verleiten, sich in der Frühphase des Rennens mit einem von ihnen zu verbünden, um den anderen aus dem Rennen zu nehmen: Da Richard Murray üblicherweise vergleichsweise schwächer schwimmt als die Brownlees und Henri Schoeman, liegt der Verdacht nahe, dass die Brownlees versuchen werden, sich über ein schnelles Schwimmen von Richard Murray abzusetzen. Über ihre gewohnt aggressiven Attacken auf dem Rad könnten sie außerdem versuchen, auch Schoeman unter Druck zu setzen oder ihn zumindest für den abschließenden Lauf zu schwächen.

Mixed Relay am Samstag

Ein schnelles Schwimmen und aggressives Radfahren ist für gewöhnlich auch das Rezept, mit dem Flora Duffy (BER) Kurzdistanzrennen schon vor dem Laufen für sich entscheidet. Das wird an der Gold Coast aber kaum leichter als sonst in der World Triathlon Series: In der starken Radfahrerin und Läuferin Ashleigh Gentle (AUS), Allrounderin Andrea Hewitt (NZL), der starken Schwimmerin Jessica Learmonth, Non Stanford, Vicky Holland (alle GBR) und Charlotte McShane (AUS) sind einige der weltbesten Athletinnen mit ihr am Start.

Am Samstag geht es dann im Rahmen der Commonwealth Games außerdem noch in der Mixed Relay zur Sache. Auch dort gehen die Brownlee-Brüder mit ihrem englischen Team dann als Titelverteidiger ins Rennen. 2014 gewannen sie den Wettkampf vor den Mannschaften aus Südafrika und Australien.