Buckingham und Charles siegen, Clavel Dritter

Kyle Buckingham hat beim Ironman Südafrika für einen Heimsieg gesorgt, Maurice Clavel wurde mit smarter Vorstellung Dritter. Auch Siegerin Lucy Charles beeindruckte.

Von > | 15. April 2018 | Aus: SZENE

Lucy Charles (Archivbild)

Lucy Charles (Archivbild)

Foto >Graeme Murray | Red Bull Content Pool

Dass die Profi-Damen in Ironman-Rennen üblicherweise einige Minuten nach den Männern ins Rennen starten, soll eigentlich vorwiegend für mehr Übersichtlichkeit sorgen und außerdem die Rennen der Frauen schützen - sowohl im Wasser, als auch auf dem Rad, wo schnelle Elite-Frauen sonst möglicherweise vom Wind- und Wasserschatten einiger Männer profitieren könnten. Steht Lucy Charles bei einem Triathlonrennen am Start, könnte man aber auf die Idee kommen, dass der zeitliche Abstand zwischen Männer- und Frauenstart in erster Linie die Männer schützen soll.

Lucy Charles erneut phänomenal

Denn beim Ironman Südafrika sorgte die erst 24 Jahre junge Britin, eine ehemalige Leistungsschwimmerin und aktuelle Ironman-Vizeweltmeisterin, in der Auftaktdisziplin erneut für Aufsehen: In 47:32 Minuten absolvierte Charles die 3,8 Kilometer in Port Elizabeth als Zweitschnellste - und zwar nicht der Frauen, sondern des Gesamtfeldes. Lediglich der Australier Josh Amberger, der sein Heil im Rennen der Männer früh in der Offensive suchte, schwamm noch schneller als Charles, die somit schneller war als eine Profi-Gruppe, zu der etwa der Freiburger Maurice Clavel gehörte, der sonst in beinahe jedem Rennen als ein Kandidat gilt, der das Wasser als Erster verlassen könnte.

Dass Charles nach diesem frühen Hammer ein einsames, langes Rennen bevorstand, versteht sich beinahe von selbst. Denn die Ironman-Vizeweltmeisterin gewann auf diese Weise schon im Wasser fünf Minuten auf ihre schnellste Verfolgerin, Rachel McBride (CAN), und ließ in der zweiten Disziplin nicht etwa nach: Nach 180 Radkilometern wechselte Charles neun Minuten vor McBride auf den abschließenden Marathon. Zehn Minuten trennten sie von Susie Cheetham und sogar 14 Minuten von Emma Pallant (beide GBR), die ihre sportlichen Wurzeln im Laufsport hat. Zwar holten einige Konkurrentinnen auf den abschließenden Marathon auch etwas Zeit auf Charles auf - um sie auch einzuholen, präsentierte sich die Britin aber auch beim Laufen zu stark, und so feierte sie nach 8:56:06 Stunden einen beeindruckenden Sieg mit deutlichem Vorsprung vor Cheetham und Linsey Corbin (USA). Katharina Grohmann wurde als beste Deutsche Siebte.

Ironman Südafrika 2018 | Frauen

  1. April 2018, Port Elizabeth (Südafrika)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42 km Run

1

Lucy Charles

GBR

8:56:06

47:32

4:57:22

3:05:45

2

Susie Cheetham

GBR

9:02:58

55:48

5:01:54

3:00:47

3

Linsey Corbin

USA

9:07:10

55:48

5:08:15

2:58:17

4

Rachel McBride

CAN

9:18:34

52:47

5:04:06

3:16:56

5

Manon Genet

FRA

9:21:59

59:43

5:06:06

3:11:22

6

Gurutze Frades

ESP

9:30:14

59:18

5:11:02

3:14:38

7

Katharina Grohmann

GER

9:35:07

1:10:06

5:13:18

3:06:54

8

Martina Kunz

SUI

9:36:40

1:02:04

5:16:01

3:13:28

9

Maja Stage-Nielsen

DEN

9:37:21

58:06

5:17:12

3:16:59

10

Annah Watkinson

RSA

9:38:30

59:17

5:20:45

3:12:16

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Clavel mit smarter Einteilung aufs Podium

Anders als Charles bekam der schnellste Schwimmer auf Männerseite, Josh Amberger, bald Gesellschaft - wenn auch nicht lange. Denn als Über-Biker Cameron Wurf, Radrekordhalter beim Ironman Hawaii, seinen Rückstand vom Schwimmen aufgeholt hatte, fackelte dieser nicht lange und setzte sich alleine an die Spitze. Um fast acht Minuten setzte sich Wurf bis zum zweiten Wechsel von Amberger ab, sogar fast zehn Minuten lagen zwischen Wurf und der ersten Verfolgergruppe, zu der der zweimalige Südafrika-Sieger Ben Hoffman (USA), Kyle Buckingham (RSA), Eneko Llanos (ESP) und Maurice Clavel gehörten.

Speziell der 35-Jährige Buckingham war aber nicht bereit, seinen Traum vom Heimsieg bereits aufzugeben. Der Südafrikaner, der erst mit 24 Jahren zum Laufen und Radfahren gefunden und mit 25 Jahren seinen ersten Triathlon bestritten hatte, lief vom ersten Kilometer an einige Sekunden schneller als seine einstigen Begleiter und machte auch auf die Spitze Boden gut. Trotzdem wurde das Rennen für ihn zum Geduldsspiel: Erst nach 24 Kilometern schob er sich am Zweitplatzierten Amberger vorbei - und fünf Kilometer später hatte er endlich auch Wurf gestellt, der nach starkem Start in den Laufpart auf der zweiten Hälfte des Marathons schließlich doch noch etwas zurückstecken musste. Diese Chance ließ sich Buckingham nicht mehr nehmen, und so feierte der Südafrikaner im Ziel völlig aufgelöst den lang ersehnten Heimsieg in Port Elizabeth vor Josh Amberger.

Dahinter wurde es nochmal spannend: Wenige Kilometer vor dem Ziel nämlich belohnte sich Maurce Clavel für ein geduldiges, cleveres Rennen, dessen abschließende Disziplin er zunächst an den Fersen von Eneko Llanos auf dem fünften Rang in Angriff genommen hatte. Als der Spanier nachließ, schob sich Clavel auf den vierten Rang vor - und nun, da Wurf zunehmend litt, zahlte sich Clavels Konstanz in diesem Rennen endgültig aus und er schob sich am Australier vorbei auf den dritten Rang. Diesen festigte er auf den letzten Kilometern sogar so gut, dass sich der extrovertierte Freiburger auf den letzten 300 Metern viel Zeit für Freudentänze, Jubelsprünge und Abklatschen mit dem Publikum nehmen konnte.Wurf erreichte das Ziel rund eine Minute nach Clavel, der seinen Startplatz beim Ironman Hawaii durch diesen starken dritten Rang so gut wie sicher haben dürfte. Der zweitbeste deutsche Profi im Feld, Michael Rünz, lief mit dem schnellsten Marathon des Tages (2:48:18) auf den zwölften Platz.

Ironman Südafrika 2018 | Männer

  1. April 2018, Port Elizabeth (Südafrika)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42 km Run

1

Kyle Buckingham

RSA

8:13:00

48:22

4:31:51

2:48:42

2

Josh Amberger

AUS

8:16:01

46:24

4:31:36

2:53:43

3

Maurice Clavel

GER

8:18:51

48:21

4:31:57

2:54:01

4

Cameron Wurf

AUS

8:20:07

50:15

4:19:45

3:05:10

5

Ronnie Schildknecht

SUI

8:23:09

53:53

4:35:37

2:49:03

6

Jonathan Shearon

USA

8:23:57

53:56

4:35:48

2:49:16

7

Alessandro Degasperi

ITA

8:25:10

48:30

4:42:43

2:48:34

8

Giulio Molinari

ITA

8:25:29

48:19

4:37:54

2:54:58

9

Philipp Koutny

SUI

8:26:18

50:44

4:40:34

2:50:36

10

Eneko Llanos

SUI

8:31:56

48:28

4:31:49

3:07:08

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