Chaos in Italien, Brownlee in China konkurrenzlos

Misslungener Saisonstart: Weil sie offenbar fehlgeleitet wurden, verpassten Patrick Dirksmeier und Johann Ackermann in Rom die Chance auf Podestplätze. Alistair Brownlee gewann in China überlegen.

Von > | 16. April 2018 | Aus: SZENE

Alistair Brownlee

Alistair Brownlee

Foto >Talbot Cox

Die Challenge Rom sollte eine große Sportparty zum Saisoneinstand werden, als erstes europäisches Triathlonrennen der beiden großen Triathlonserien. Stattdessen offenbarte der Wettkampf in der "ewigen Stadt" aber Organisationsdefizite. Nicht nur, dass die vermeintlich 90 Kilometer lange Radstrecke dem Vernehmen nach mindestens 10 Kilometer zu kurz gewesen sein soll, auf dieser Strecke wurden die Führenden dann offenbar auch noch falsch geleitet.

Motorrad fährt falsch, Dreitz fährt in den Zaun

In Patrick Dirksmeier und Johann Ackermann waren zwei Deutsche die Leidtragenden dieser Organisationspanne: Das Duo hatte sich auf dem Rad deutlich von einer Verfolgergruppe abgesetzt. "Das war echt super. Ich bin gemeinsam mit Johann Ackermann um den Sieg gefahren, bis uns das Führungsmotorrad um die falsche Ecke brachte", schreibt Dirksmeier auf seiner Facebookseite. Beim zweiten Wechsel angekommen, lässt ein Offizieller die beiden ihre Fahrräder laut dem Blog-Bericht des verletzungsbedingt zum Zuschauen verdammten Profiathleten Niclas Bock wieder vom Wechselständer nehmen und noch einmal den richtigen Weg fahren. Über drei Minuten Vorsprung schmelzen zu nur noch einer Minute dahin. "Ich hätte natürlich schneller laufen müssen, aber die zwei Minuten hätte ich schon gut gebrauchen können", urteilt Dirksmeier später selbst. Er beendet das Rennen auf dem fünften Rang, Johann Ackermann auf dem siebten Platz. Der Sieg geht nach 3:22:03 Stunden an Adam Bowden (GBR) vor Pablo Dapena Gonzalez und Inaki Baldellou Verdejo (beide ESP). Dirksmeier trennte im Ziel weniger als eine Minute vom zweiten Rang. Der ebenfalls in Rom gestartete Andreas Dreitz musste sich mit dem zehnten Rang begnügen, nachdem er auf dem Rad in einen Zaun gesteuert war und bei dem Unfall viel Zeit verloren hatte. "Es ist aber nichts Schlimmes passiert", schrieb Dreitz anschließend in den sozialen Medien.

Auch das Rennen der Frauen gewann eine Britin: In 3:46:48 Stunden setzte sich Sarah Lewis vor ihrer Landsfrau Alice Hector durch. Dritte wurde die Italienerin Marta Bernardi. Yvonne van Vlerken erreichte den fünften Platz, Laura Zimmermann als beste Deutsche den zehnten Rang.

Brownlee konkurrenz-, Böcherer chancenlos

Scheinbar problemlos gewann Alistair Brownlee den Ironman 70.3 Liuzhou in China, wodurch sich der Brite seines Startplatzes bei der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft nun sicher scheint. So souverän, wie sich das Gesamtergebnis liest, lief das Rennen für Brownlee aber offenbar nicht: "Die Performance hat sich nicht gut angefühlt. Ich hatte in den letzten Wochen mit einigen Problemen zu kämpfen und bin froh, dass ich das jetzt hinter mir habe", sagte der zweimalige Olympiasieger im Ziel. Abzulesen ist das speziell an seiner Laufzeit: Für den abschließenden Halbmarathon benötigte Brownlee für  seine Verhältnisse ungewohnt langsame 1:16:35 Stunden und war damit dreieinhalb Minuten langsamer als Oldie Craig Alexander (AUS), der sich den zweiten Platz sicherte. Allerdings hatte sich Brownlee beim Schwimmen zuvor schon über eine Minute Vorsprung gesichert und diesen auf dem Rad um über sechs Minuten gegenüber Alexander ausgebaut, sodass Brownlees Sieg nicht mehr in Gefahr geriet. Sam Betten (AUS) erreichte den dritten Rang hinter Brownlee und Alexander. Das Frauenrennen gewann die Polin Agnieszka Jerzyk im Endspurt vor Imogen Simmonds (SUI) und Sarah Piampiano (USA). Zwischen dem ersten und zweiten Rang lagen im Ziel nur neun, zwischen dem ersten und dritten nur 63 Sekunden Unterschied.

Ähnlich gering fiel Andreas Böcherers Rückstand auf den Sieger beim Internationalen Walliseller Triathlon in der Schweiz aus - allerdings handelte es sich dabei um eine Sprintdistanz. Was für Böcherer ohnehin bereits ein ungewohntes Format ist, spielte seinen Konkurrenten voll in die Karten: Das waren überwiegend junge Kurzdistanzler, von denen ein Deutscher die schnellsten Beine hatte. Der Saarbrücker Valentin Wernz sprintete vor Andrea Salvisberg (SUI) und dem Rostocker Johannes Vogel zum Sieg. Böcherer - Jahrgang 1983 - erreichte auf Rang acht als einziger vor 1990 geborener Triathlet die Top Ten. Das Elite-Rennen der Frauen, das nur zehn Damen antraten und acht ins Ziel brachten, gewann die Schweizerin Jolanda Annen vor Petra Kurikova (CZE) und Nina Eim.