Clavel und Hoffman im Kampf um Hawaii

In Südafrika will Maurice Clavel am Wochenende sein Ticket nach Hawaii buchen. Er trifft dabei allerdings auf einige Weltklasseathleten.

Von > | 12. April 2018 | Aus: SZENE

Maurice Clavel

Maurice Clavel

Foto >James Mitchell

Dass die Beziehungen zwischen Triathleten und Wettkämpfen von Schmerzen und Erschöpfungen geprägt sind, ist keine Seltenheit. Doch in der Beziehung zwischen Maurice Clavel und Triathlonrennen sind die schmerzhaften Aspekte besonders ausgeprägt: Wo immer der Freiburger in den letzten Jahren startete, liefert er in Zielbereichen ganz besonders eindrucksvolle Bilder des Schmerzes und der Erschöpfung - so begabt scheint Clavel darin zu sein, im Rennen die eigenen Grenzen zu überwinden. Schon nach Mitteldistanzrennen sieht man den Freiburger nach Zieleinläufen mitunter minutenlang völlig erschöpft in schattigen Ecken sitzen. Und auf der Langdistanz setzte er bei seiner Premiere noch einen drauf: Nach seinem dritten Rang bei der Challenge Roth 2017 schaffte es Clavel nicht einmal mehr, aus eigener Kraft das Siegerpodest zu erklimmen. Bei der Pressekonferenz nach dem Rennen flüchtete er sogar vorzeitig aus dem Saal, weil sein Körper nach der Extrembelastung im stickigen Presseraum zu kollabieren drohte. Kein Wunder also, dass der Freiburger nach Langdistanzen viel Regenerationszeit einplanen und sich für seinen ersten Start beim Ironman Hawaii nach Möglichkeit schon früh in der Saison qualifizieren möchte.

Zwei Australier als Zugpferde?

Eigentlich wollte er das sogar schon im Oktober erledigen, doch beim Ironman Louisville stieg Clavel wenige Kilometer vor dem Ziel entkräftet aus, nachdem er unterwegs seine Verpflegung verloren hatte und sein Verdauungstrakt mit den Angeboten von den Verpflegungsstellen nicht zurechtkam. Nun wagt der Freiburger den nächsten Anlauf: Beim Ironman Südafrika kann der selbsternannte "Krawallmacher" Clavel am Wochenende seinen Start beim Ironman Hawaii unter Dach und Fach bringen - und würde dabei am liebsten auch gleich seinen ersten Langdistanzsieg einfahren. Eine einfache Aufgabe wird das aber nicht. Nicht nur, weil in Ben Hoffman (USA) ein erfahrener, zweimaliger Sieger des südafrikanischen Rennens gemeldet ist, sondern auch, weil Clavel unterwegs wohl ein schwieriges Risikomanagement erwarten könnte.

Denn der Wettkampf dürfte speziell in den ersten beiden Disziplinen extrem schnell werden. Mit Josh Amberger (AUS) hat schließlich einer der besten Schwimmer gemeldet, der zudem auch auf dem Rad für offensive Rennen zu haben ist. Dazu kommt Ambergers Landsmann Cameron Wurf, der beim Ironman Hawaii einen neuen Radstreckenrekord aufgestellt hat und auch in Südafrika auf Offensive setzen dürfte. Clavel als exzellenter Schwimmer und Radfahrer dürfte gute Chancen haben, anfangs mit Amberger und Wurf mitziehen zu können - der Freiburger wird im Rennen dann aber entscheiden müssen, ob das mit Blick auf seinen Energiehaushalt und den abschließenden Marathon ein zu großes Risiko sein könnte.

Denn auf dem Marathon droht weitere Gefahr: Neben Hoffman haben auch James Cunnama, Matt Trautman (beide RSA), Ronnie Schildknecht (SUI) und Eneko Llanos (ESP) gemeldet, die allesamt für schnelle Marathonläufe gut sind. In Markus Fachbach, Michael Rünz, und Christian Jais erhält Clavel zudem Konkurrenz aus Deutschland. Michael Raelert ist zwar für den Wettkampf gemeldet, wird allerdings nicht an den Start gehen.

Junge Britinnen in der Favoritenrolle

Auch im Profi-Rennen der Frauen haben mehrere Deutsche gemeldet, und einige können sich möglicherweise Hoffnungen auf Podestplatzierungen machen: Speziell Katja Konschak und Carolin Lehrieder wäre eine solche an einem perfekten Tag zuzutrauen, wogegen für Katharina Grohmann und Lina-Kristin Schink wohl die Top-Fünf Idealziele wären. Für den Sieg aber gibt es eine andere Favoritin: Die erst 24-jährige Hawaii-Zweite Lucy Charles (GBR) dürfte den Konkurrentinnen bereits beim Schwimmen weit enteilen und gehört auch auf dem Rad zu den stärksten Athletinnen im Triathlon. Der Sieg dürfte daher nur über sie gehen - und über ihre Landsfrau Emma Pallant, die eine herausragende Läuferin ist und in Südafrika ihr Ironman-Debüt geben wird. Susie Cheetham (GBR), Linsey Corbin (USA), Michelle Vesterby und Maja Stage-Nielsen (DEN) komplettieren das Feld möglicher Sieganwärter.