Comeback, Höhentraining und Triathlon-Debüt

Nach Sebastian Reinwands Verletzung und dem Comeback von 30:27 Minuten über zehn Kilometer ging es über ein Höhentrainingslager in St. Moritz endlich an die Startlinie seines ersten Triathlons.

Von > | 21. August 2019 | Aus: SZENE

Nach der olympische Distanz in Beilngries und dem Trans Vorarlberg Triathlon geht es für Sebastian Reinwand im September an die Startlinie seiner ersten klassischen Mitteldistanz bei der Challenge Almere.

Nach der olympische Distanz in Beilngries und dem Trans Vorarlberg Triathlon geht es für Sebastian Reinwand im September an die Startlinie seiner ersten klassischen Mitteldistanz bei der Challenge Almere.

Foto >Marcel Hilger

Gesund und putzmunter. Das beschreibt meinen aktuellen Zustand am besten. Im Grunde läuft mein Körper das erste Mal in zwölf Monaten wieder wie ein Uhrwerk und so wie ich ihn kenne. 

Die Schambeinentzündung habe ich mit einer vierwöchigen Lauf- und Radpause und vor allem sehr viel rehabilitativem Training in den Griff bekommen. Schwimmen durfte ich, aber vorwiegend nur mit Neo oder Pullbuoy, was meiner Performance eher abträglich war. Hinzu kam ein quasi permanent verspannter Schultergürtel durch die vielen Übungen im Unterarmstütz. Das ist ein Stück weit der Grund für mein bescheidendes Abschneiden in der Staffel bei der Challenge Roth in 55 Minuten. Meine Fitness war aber schlichtweg auch nicht gut, weil ich in Summe nur wenig und nicht qualitativ trainiert hatte. Vom Schwimm-Flow aus dem Frühjahr war definitiv nichts mehr zu spüren. Aber was spricht dagegen trotzdem mitzumachen? Es war schließlich eine Fun-Staffel ohne Ambitionen auf eine vordere Platzierung.

Interessant ist zu sehen, dass meine früheren Staffelstarts mit deutlich weniger Schwimmtraining nicht schlechter waren. Das liegt vermutlich daran, dass ich zu dem Zeitpunkt läuferisch aerob und anaerob aufgrund der laufenden Bahnsaison immer in Bestform war und damit fehlendes Schwimmtraining wettmachen konnte. Es zeigt aber auch, dass einfach nur Kilometer zu Schwimmen, ohne saubere Technik oder Intensitäten zu keiner Verbesserung führt, bei mir jedenfalls nicht. Gleicher Meinung bin ich bekanntermaßen seit Jahren beim Thema „leere Laufkilometer“.

Beim Wiedereinstieg ins Training absolvierte der ehemalige Profiläufer seine Laufeinheiten zunächst noch auf einem \"Alter G\", einem Anti-Schwerkraft-Laufband.

Beim Wiedereinstieg ins Training absolvierte der ehemalige Profiläufer seine Laufeinheiten zunächst noch auf einem "Alter G", einem Anti-Schwerkraft-Laufband.

Foto >Marcel Hilger

Comeback mit 30:27 Minuten über 10 Kilometer

Zum Wiedereinstieg bin ich erst einmal nur gelaufen, weil ich meinen Körper dabei zu hundert Prozent kenne und seine Signale deuten kann. Radfahren kam erst in der dritten Woche wieder dazu. Der erste Monat war wirklich sehr, sehr zäh und kein einfacher Prozess. Rückblickend analysiert hatte ich bereits seit neun Monaten nicht länger als sechs Wochen am Stück beschwerdefrei trainiert – auch eine Form von Kontinuität, wenn auch die falsche. Ausdauersport ist Fleißarbeit, darüber können irgendwann auch 15 Jahre Grundlage im Leistungssport nicht mehr hinwegtäuschen. Umso schöner ist es aber, wenn der Trend kippt und man endlich einen großen Schritt nach vorne macht, das war bei mir nach sechs Wochen zum ersten Mal wieder der Fall. Ich hatte endlich keinen Muskelkater mehr nach jedem Bahntraining oder Lauf über 20 Kilometer und auch die Tage nach einem harten Training wurde wieder erträglicher. Und daran sieht man meistens, wie fit man wirklich ist. Einmal hart abschießen und dann vier Tage die Beine hochlegen kann (fast) jeder, es kommt meiner Meinung nach aber darauf an, welche Qualität man an den Zwischentagen gehen kann.

Woche für Woche machte Reinwand Fortschritte im Training. Bei seinem kleinen Comeback und ersten Härtetest im Rahmen der Berlin City Night lief er die 10 Kilometer auf der Straße in 30:27 Minuten – ein überraschendes und äußerst erfreuliches Ergebnis für den 32-Jährigen.

Woche für Woche machte Reinwand Fortschritte im Training. Bei seinem kleinen Comeback und ersten Härtetest im Rahmen der Berlin City Night lief er die 10 Kilometer auf der Straße in 30:27 Minuten – ein überraschendes und äußerst erfreuliches Ergebnis für den 32-Jährigen.

Foto >Marcel Hilger

Insgesamt bin ich in den zehn Wochen Comeback-Training circa 100 km pro Woche gelaufen und 250 km Rad gefahren. Weil ich richtig mich gut gefühlt habe, bin ich zum Abschluss des Trainingsblocks in Berlin bei der "City Night" im Straßenlauf über 10 km gestartet. Ich war nach fast auf den Tag genau einem Jahr harter Wettkampfpause unsicher, wie viel Tempohärte ich nach 6 Kilometern aufbringen könnte und hatte deshalb mit einer Zeit zwischen 30:50 und 30:30 min geliebäugelt. Am Ende sind es sogar 30:27 min mit einem leichten Negativsplit geworden und ich habe endlich mal wieder ein richtig gutes Gefühl dabei gehabt!

Höhentraining und Radblock in St. Moritz

Anschließend gab es drei Tage Regeneration, bevor ich für neun Tage zu Johann Ackermann und Nick Staggenborg nach St. Moritz gereist bin. Hintergedanke dabei war weniger das Höhentraining als vielmehr die Intention einen Radblock zu setzen. Das bedeutet für mich viele Berge zu fahren, weil mir in der Ebene noch die Leistungsfähigkeit der Muskulatur fehlt, um über einen längeren Zeitraum auch mein Herzkreislaufsystem höher zu belasten. Das hat so gut funktioniert, dass ich mich spontan für den Trans Vorarlberg Triathlon angemeldet habe, um zu sehen, wo ich Vergleich zu gestandenen Profis aktuell stehe. Daniela Ryf wird auch am Start sein, es wird also spannend, ob ich „gechicked“ werde. Der abschließende 12-km-Crosslauf lässt jedenfalls nur wenig Spielraum für eine Aufholjagd, weil sicher auch ich nach 93 Kilometern mit 2.000 Höhenmetern nicht mehr die Berge hochfliegen werde.

Auf etwa 1.800 Metern Höhe absolvierte Reinwand in St. Moritz nicht nur den geplanten Radblock, sondern machte auch mehrmals die Laufbahn unsicher.

Auf etwa 1.800 Metern Höhe absolvierte Reinwand in St. Moritz nicht nur den geplanten Radblock, sondern machte auch mehrmals die Laufbahn unsicher.

Foto >Nick Staggenborg

Triathlon-Debüt in Beilngries

Bevor es nach Vorarlberg geht, habe ich knapp 48 Stunden nach der Abreise aus St. Moritz in Beilngries endlich meinen ersten Triathlon absolviert. Die olympische Distanz war zwar als Deutsche Meisterschaft der Altersklassen ausgeschrieben, ich durfte jedoch außer Konkurrenz starten. Leider musste mit Johnny Zipf ein echter Hochkaräter krankheitsbedingt und kurzfristig absagen, da hatte ich mich schon auf das Lauf-Fernduell gefreut. Mein Schwimmen ging katastrophal los. Ich könnte jetzt schreiben, dass mir die Brille verrutscht ist, aber ich hatte tatsächlich eine Panikattacke, nachdem ich am Start kurz untergetaucht wurde. Etwa 150 Meter Brustschwimmen habe ich gebraucht, um mich wieder zu beruhigen und danach die verbleibenden 1200 Meter in relativ soliden 1:22 min/100m wieder nach vorn zu schwimmen. Anschließend kam der erste Wechsel, mir war klar, dass meine Sockenaktion und das vorherige Anziehen der Radschuhe Zeit kosten würden. Dass ich am Ende zwei Minuten auf die Konkurrenz verliere, war allerdings nicht der Plan. Ich kann darüber schmunzeln, wenn ich damit beim nächsten Mal zwei Minuten gut machen kann. Johnny Zipf hat es hinterher schön zusammengefasst: „Bei einer olympischen Distanz muss man sich nicht unbedingt zwischen den Zehen abtrocknen“.

Das Radfahren verlief für mich sehr zufriedenstellend, als ich die letzten drei Kilometer zur Wechselzone abgebogen bin, standen 291 Watt AP (bei aktuell 66 kg) auf dem Radcomputer. Leider war die Aktivität danach nicht gespeichert und meine Uhr hat im Triathlonmodus nur Zeit und Puls, aber keine Leistungs- und GPS-Daten mit aufgezeichnet. Die zwei Radrunden waren mit insgesamt 480 Höhenmetern keine reine Drückerstrecke, aber ich konnte bis auf die Abfahrt immer relativ konstant 300 Watt treten, womit ich sehr zufrieden bin. Spannend war natürlich, was beim abschließenden Lauf noch gehen würde. Zu meiner Überraschung lief es vom ersten Meter an richtig gut, in den Beinen konnte ich keinen nennenswerten Unterschied zum „normalen“ Laufen nach 80-minütiger Vorbelastung feststellen. Vom Gefühl her war es etwa so wie ein langsam angegangener Marathon, bei dem man im letzten Drittel schneller wird. Das spiegelt auch mein Lauftempo mit 3:10-3:11 min/km wider. Am Ende bin ich damit noch auf Platz drei der Gesamtwertung vorgelaufen, viel wichtiger war mir bei der Triathlonpremiere jedoch das positive Wettkampfeeling.

Beim Radfahren seines ersten Triathlons über die olympische Distanz erreichte Sebastian Reinwand eine Durchschnittsleistung von 291 Watt.

Beim Radfahren seines ersten Triathlons über die olympische Distanz erreichte Sebastian Reinwand eine Durchschnittsleistung von 291 Watt.

Foto >Marcel Hilger

Abgesehen vom Schwimmen hätte ich mir meinen Einstieg mit dem aktuellen Leistungsniveau nicht besser vorstellen können. Ich bin gespannt, wie die kommenden Wettkämpfe verlaufen. Zu verlieren habe ich in dieser Saison sowieso nichts mehr, deshalb versuche ich jetzt noch so viel Erfahrung wie möglich zu sammeln. Ein Wettkampfhighlight habe ich mir mit der Halbdistanz bei der Challenge Almere trotzdem ausgesucht, dafür wird dann getapert. Ausschlaggebend für meine Wahl war vor allem die 7 Kilometer lange und flach asphaltierte Laufrunde. Die flachen und sehr windanfälligen 90 Kilometer auf dem Rad spielen mir dagegen weniger in die Karten, aber man kann ja auch nicht alles haben.