Daniela Ryf: "Ich habe im falschen Sandkasten gespielt"

Die Mädels von Racing Aloha haben mit Daniela Ryf über das Verhältnis zu ihrem Trainer, der Jagd nach der Weltbestzeit und Indoor-Training gesprochen.

Von > | 27. September 2017 | Aus: SZENE

Daniela Ryf unmittelbar nach ihrem Sieg beim Allgäu-Triathlon 2017.

Daniela Ryf unmittelbar nach ihrem Sieg beim Allgäu-Triathlon 2017.

Foto >Liz Ke Fotografie

Daniela Ryf im Interview

Racing Aloha: Warum bist du gerade auf der Langdistanz so gut?
Daniela Ryf: Mein Coach hat früher einmal gesagt: Ich habe einfach im falschen Sandkasten gespielt. Ich mache ja schon Kurzdistanz-Triathlon seit meinem 16. Lebensjahr, und das war sicherlich eine gute Erfahrung und auch eine wichtige Phase meiner Karriere. Aber ich glaube, mein Körper ist einfach gemacht für die Langdistanz. Mir fällt es leichter die Pace über einen längeren Zeitraum hochzuhalten, als 32 Minuten über 10 Kilometer zu laufen. Lieber etwas langsamer, aber dafür länger.

Gibt es schon einen konkreten Plan in Richtung Weltbestzeit? Und wie groß ist der Respekt davor?
Also der Respekt vor Chrissie Wellington ist sehr groß und die Zeit sowie Leistung ist sehr faszinierend für mich. Aber ich werde den Rekord nicht mehr jagen. In Roth habe ich gemerkt, es gibt einfach zu viele äußere Einflüsse, die man selbst nicht beeinflussen kann. Wie zum Beispiel die Startzeiten, also ob du mit den Männern startest oder nicht. Das hat alles einen riesigen Einfluss auf die Zeit und deshalb ist es nicht mehr mein Ziel diesen Rekord zu schlagen. Stattdessen möchte ich einfach für mich mein bestes Rennen zeigen, um vielleicht eben meinen persönlichen Rekord zu machen. Der nicht unbedingt nach der Zeit geht, sondern nach meiner bestmöglichen Leistung. Das ist auch das, was mich immer noch anspornt.

Ist dein Spitzname "Angry Bird" gerechtfertigt?
Lacht: Angry bin ich sicher nicht immer. Der Name kommt von meinem Coach, er meint ich mache immer ein wütendes Gesicht wenn ich fokussiert bin. Ich sag auch immer, dass ist ein bisschen wie das Eye of the Tiger. Also einfach dieser fokussierte Augenblick wo du sagst: Okay, jetzt willst du es wissen im Training oder aber auch im Rennen. Ja, so ist der Spitzname entstanden. Das mit dem Fliegen passt eigentlich ganz gut, denn es ist natürlich immer mein Ziel über die Strecke zu fliegen. Mittlerweile nennen mich die Leute in meiner Trainingsgruppe auch „The Bird" oder eben „Angry Bird“.

Ich hab neulich eine Schweizer Reportage über dich gesehen, in der du sehr viel auf dem Laufband oder der Rolle trainierst, ist das in deinem normalen Trainingsalltag auch so?
Ja, das ist so. Ich finde die Rolle sehr effizient, denn man kann ohne äußerliche Einflüsse trainieren und hat auch keine Gefahren. Wenn man zum Beispiel über eine längere Zeit am Limit fährt und dann die Augen zumacht passiert eben nichts. Auf der Straße ist das ein bisschen gefährlicher und deshalb ist das ein wichtiger Teil von meinem Training. Ich finde es zum Teil auch eine Herausforderung, denn auf dem Laufband kann man sich natürlich stark pushen. Das ist trotzdem nur ein Teil und natürlich bin ich auch sehr viel draußen und genieße das auch.