Machtdemonstration in Nizza:
Daniela Ryf sichert sich ihren fünften Ironman-70.3-WM-Titel

Daniela Ryf ist und bleibt das Maß aller Dinge im Triathlon: Die Schweizerin gewinnt bei der Ironman-70.3-WM in Nizza zum fünften Mal den Titel auf der Mitteldistanz und beweist, dass sie nur extrem schwer zu schlagen ist.

Die Grundvoraussetzungen für einen spannenden Renntag an der Côte d’Azur sind an diesem Morgen nahezu perfekt: Ein wolkenloser Himmel und 24 Grad Wassertemperatur warten an diesem Samstag auf das Frauenfeld der Mitteldistanz-Weltmeisterschaft in Nizza. Die ersten 1,9 der insgesamt 113 Kilometer gehen ohne größere Überraschungen über die Bühne. Die Britin Lucy Charles-Barclay sprintet in das azurblaue Wasser des Mittelmeers und reißt auf den ersten Zügen direkt eine Lücke zum Rest des Profifelds. Nach 25:23 Minuten verlässt sie das Meer als Erste. Die 25-Jährige nimmt ihren Konkurrentinnen eine knappe Minute ab: Es folgt eine mehr als zehnköpfige Verfolgergruppe angeführt von Pamella Oliveira (BRA), in der neben der vierfachen Ironman-70.3-Weltmeisterin Daniela Ryf auch die die Britin Holly Lawrence, Ellie Salthouse (Australien) und die Schweizerin Imogen Simmonds sind.

Nach dem Sprint in der mehreren hundert Meter langen Wechselzone springt Charles-Barclay als Erste aufs Rad. Lang ist sie jedoch nicht allein an der Spitze. Die neun Verfolgerinnen, angeführt von Daniela Ryf, die die Lücke zu der Britin so schnell wie möglich schließen möchte, kommen Charles-Barclay schnell näher. Nach knapp 15 Kilometern, nach dem ersten harten Anstieg, ist es jedoch die Britin Holly Lawrence, die an Ryf vorbeizieht und zu ihrer Landsfrau Charles-Barclay aufschließt. Lawrence, die Ironman-70.3-Weltmeisterin aus dem Jahr 2016, ist auf den anschließenden Kilometern auch für das hohe Tempo an der Spitze verantwortlich.

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Erste Vorentscheidung auf den ersten Metern der Abfahrt

Diesem Tempo können dann auf den steilen Bergpassagen einige Kilometer vor dem Anstieg am Col de Vence nicht alle der Verfolgerinnen folgen: Bei Kilometermarke 27,1 sind nur noch Daniela Ryf, Lucy Charles-Barclay, Imogen Simmonds, die Kanadierin Paula Findlay, die Schwedin Lisa Norden und die Neuseeländerin Amelia Watkinson an der Führenden Lawrence dran. Nach 30 Kilometern, kurz vor dem Col de Vence, ist es Watkinson, die aus der Gruppe ausbricht und schnell eine größere Lücke zu ihren Konkurrentinnen reißen kann, die sie auf bis zu 30 Sekunden ausbaut. Dahinter folgen dann die beiden Schweizerinnen Ryf und Simmonds, die sich ebenfalls um einige Sekunden von den beiden Britinnen Charles-Barclay und Lawrence absetzten können. Paula Findlay muss zuvor schon die Verfolgergruppe ziehen lassen.

Kurz danach, als Lucy Charles wieder die Verfolgung auf die Führende Watkinson aufnimmt, wird ihr kurz vor dem Abstieg die blaue Karte gezeigt und sie muss rechts in die Penalty-Box abbiegen und eine fünfminütige Zeitstrafe für Drafting absitzen. Nahezu zeitgleich, nach der Hälfte der 90 Radkilometer, übernimmt Charles-Barclays größte Kontrahentin Ryf auf dem Weg bergab wieder die Führung, die ihre technische Stärke auf der Abfahrt ausspielt und schnell einen Abstand von rund einer Minute herausfährt. Auf den extrem kurvenreichen Passagen in Richtung der Innenstadt von Nizza zeigt sich schnell, wer die guten Abfahrerinnen des Felds sind. Nur Holly Lawrence und Imogen Simmonds können der vierfachen Ironman-Weltmeisterin ansatzweise folgen. Doch auch das Verfolgerduo muss zusehen, wie der Rückstand auf Ryf auf mehr als zwei Minuten anwächst. Nach einem Radsplit von 2:33:38 Stunden beendet die Schweizerin die zweite Disziplin und hat beim Wechsel auf den abschließenden Halbmarathon an der Promenade entlang einen komfortablen Vorsprung von knapp zweieinhalb Minuten auf Holly Lawrence und Imogen Simmonds. Auf Platz vier und fünf folgen Amelia Watkinson mit 4:17 Minuten und Lisa Norden mit 7:02 Minuten Rückstand. Lucy Charles-Barclay geht nach ihrer Zeitstrafe knapp hinter Norden als Sechste auf die Laufstrecke.

Lawrence greift zu Beginn des Halbmarathons noch einmal an

Lawrence geht auf den ersten Kilometern des Halbmarathons in die Vollen und setzt sich bereits kurz nachdem sie die zweite Wechselzone verlässt von Simmonds ab. Bei Kilometermarke sechs der dritten Disziplin kann sie ihren Rückstand auf Ryf um rund 25 Sekunden auf knapp zwei Minuten verringern. Doch bis zur Hälfte der 21,1 Kilometer muss die Britin ihrem hohen Tempo zu Beginn wieder etwas Tribut zollen und verliert die zuvor erlaufenen Sekunden auf die Führende wieder. In der zweiten Hälfte des Halbmarathons lässt Ryf keine Zweifel mehr aufkommen, dass sie am Ende die Siegerin der 14. Auflage der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft sein wird. Ein letzter Blick zurück, ob eine Verfolgerinnen zu sehen ist und dann ballt Daniela Ryf bereits die Siegerfäuste und lässt sich auf den letzten 500 Metern von den Zuschauern an der Strecke feiern. Nach 4:23:04 Stunden kommt sie als Erste am Zielbogen an der Promenade des Anglais an. Holly Lawrence sichert sich mit einer Zeit von 4:27:02 Stunden und einem Rückstand von knapp vier Minuten auf Ryf den zweiten Platz bei der Mitteldistanz-WM. Die Schweizerin Imogen Simmonds komplettiert das Podium mit einem breiten Lächeln mit einer Zeit von 4:28:10 Stunden. Als vierte Athletin kommt die US-Amerikanerin Chelsea Sodaro ins Ziel, die auf den letzten Kilometern des Halbmarathons noch an Lucy Charles-Barclay vorbeizieht. Die Britin hat am Ende einen Rückstand von 8:45 Minuten auf die Siegerin Ryf. 

Reischmann beste Deutsche auf Platz 20

Nach den Absagen von Anne Haug und Laura Philipp, die sich trotz ihrer Mitfavoritinnen-Rolle ganz auf die Hawaii-Vorbereitung konzentrieren, gingen nur zwei deutsche Frauen bei der Ironman-70.3-WM an den Start: Anne Reischmann finishte auf Platz 20, Jenny Schulz auf Platz 23.

Ironman 70.3 World Championship | Pro Frauen

NAMELANDGESAMT1,9 KM SWIM90 KM BIKE21,1 KM RUN
1Daniela RyfSUI4:23:0426:322:33:381:18:37
2Holly LawrenceGBR4:27:0226:232:36:501:20:08
3Imogen SimmondsSUI4:28:1026:402:36:161:21:10
4Chelsea SodaroUSA4:31:0727:232:41:341:17:56
5Lucy Charles-BarclayGBR4:31:5025:232:42:031:20:19
6Radka KahlefeldtCZE4:33:3826:372:43:021:19:59
7Amelia WatkinsonNZL4:34:0626:402:37:591:25:21
8Manon GenetFRA4:34:1429:162:39:261:21:16
9Emma PallantGBR4:34:2627:362:45:061:17:53
10Sara SvenskSWE4:35:2329:232:44:121:17:18
20Anne ReischmannGER4:49:4831:072:46:201:27:41
23Jenny SchulzGER4:51:1531:122:54:501:20:08

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