Deutscher Dreikampf in Zell am See

Nils Frommhold geht in der Vorbereitung auf den Ironman Hawaii neue Wege - und testet in Zell am See, wie ein Höhentrainingslager in St. Moritz bei ihm angeschlagen hat. Konkurrenz bekommt er aus dem eigenen Land.

Von > | 24. August 2017 | Aus: SZENE

Nils Frommhold bei der Challenge Roth 2017.

Nils Frommhold bei der Challenge Roth 2017.

Foto >Kevin Mackinnon

Auf die Ironman 70.3-Weltmeisterschaften in den Vereinigten Staaten kommenden Monat haben die deutschen Triathleten nicht alle Lust - also machen sie sich ihre Weltmeisterschaften einfach selbst, in Europa und im Rahmen eines Rennens, das 2015 die Titelkämpfe ausgetragen hatte. Auf diesen Gedanken könnte man zumindest kommen, wenn man die Startliste des Ironman 70.3 Zell am See überfliegt: Andreas Dreitz, Nils Frommhold und Boris Stein sind die drei prominentesten Namen auf der dieser Liste - und zumindest Frommhold und Stein haben den Weltmeisterschaften bereits einen Korb gegeben.

Trainingsgruppe St. Moritz im Formtest

Sie wählen in der Vorbereitung auf den Ironman Hawaii einen anderen Weg, und auf diesem ist das Rennen in Zell am See eine wichtige - und durch die starke Konkurrenz auch besonders aussagekräftige - Standortbestimmung. Speziell Frommhold würde ein gutes Ergebnis in Österreich außerdem wohl vor allem auch mental gut tun: Vor eineinhalb Monaten war der Freiburger bei der Challenge Roth in Führung liegend mit einer überrundeten Athletin kollidiert und musste das Rennen daraufhin wegen eines Defekts aufgeben. Anschließend zog sich Frommhold erst einmal frustriert zurück - ehe er sich wieder zurück in den Trainingsalltag begab und dort zuletzt Neuland betrat: Gemeinsam mit der Trainingsgruppe seines Coachs Philipp Seipp, zu der auch Franz Löschke, Laura Philipp und Florian Angert gehören, probierte sich Frommhold in St. Moritz im Höhentraining. Auch Frommholds Erdinger-Teamkollegen Andreas Dreitz und Patrick Lange schauten in St. Moritz in der Trainingsgruppe vorbei.

Nach diesem Wochenende werden Frommhold und sein Trainer wohl beurteilen können, wie diese Trainingsform bei Frommhold anschlägt, wenn er direkt aus der Höhe zu einem Rennen anreist. Denn er wird in jeder Disziplin gefordert werden: Im Schwimmen dürfte zum einen beispielsweise der Spanier Ivan Rana auf ein hohes Tempo drängen - und zum anderen auch Frommhold selbst Betrieb machen wollen, um sich möglichst weit von Boris Stein und Andreas Dreitz abzusetzen. Denn dese sind exzellente Radfahrer, die Frommholds in Roth angedeuteten starken Radbeine auf eine echte Kraftprobe stellen dürften. Speziell Dreitz wird sicher versuchen, auf dem Rad in die Offensive zu gehen - denn läuferisch sind Stein und Frommhold in Normalform noch etwas stärker einzuschätzen als der Bayreuther.

Doch natürlich sind es nicht nur diese drei Deutschen, die dem Rennen ihren Stempel aufdrücken könnten. Neben dem Spanier Rana wäre das auch Andreas Giglmayr (AUT), Michael van Cleven (BEL) und Ritchie Nicholls zuzutrauen. Aus Deutschland wollen außerdem Markus Liebelt, Markus Hörmann, Dennis Kruse, Nicolas Daimer, Michael Rünz und Marc Eggeling ein Wörtchen bei der Vergabe der vorderen Platzierung mitreden. Ob die ebenfalls gemeldeten Horst Reichel und Markus Fachbach nur zwei Wochen nach ihren Podestplatzierungen beim Ironman in Hamburg wirklich schon wieder ins Rennen starten werden und ob sie dort dann wirklich eine Rolle spielen können, bleibt abzuwarten.

Laura Philipp im letzten Formcheck

Auch auf Frauenseite prägt Seipps "Trainingsgruppe St. Moritz" das zu erwartende sportliche Bild - wenn es auch nur eine gemeldete Athletin ist, die an diesem Trainingslager teilgenommen hat. Doch die muss auf der Ironman-70.3-Distanz mittlerweile bei den meisten Rennen, in denen sie startet, mit der Favoritenrolle zurechtkommen: Laura Philipp nutzt das Rennen nur zwei Wochen vor den Weltmeisterschaften über diese Distanz zu einer Standortbestimmung. Gradmesser bekommt sie durch Anja Beranek, Maja Stage Nielsen (DEN), Sylvia Gehnböck, Elisabeth Gruber und die Dopingsünderin Lisa Hütthaler (AUT). Auch Eva Wutti hat für den Wettkampf gemeldet - allerdings war die Österreicherin wie auch Reichel und Fachbach noch vor zwei Wochen beim Ironman in Hamburg aktiv. Carolin Lehrieder und Annabel Diawuoh, die allerdings auch für das Ironman-70.3-Rennen in Vichy an diesem Wochenende gemeldet hat, komplettieren das deutsche Profi-Meldeergebnis.