Deutscher Duathlon-Meister und Training 1.0

Philipp Herber hat seinen ersten Wettkampf der Saison bestritten und konnte sich direkt den Titel des Deutschen Duathlon-Meisters sichern. Bei uns schildert der 29-Jährige den Rennverlauf und seine aktuelle Trainingssituation.

Von > | 30. April 2019 | Aus: SZENE

Philipp Herber sichert sich mit einer Gesamtzeit von 2:36:04 Stunden den Sieg in Alsdorf.

Philipp Herber sichert sich mit einer Gesamtzeit von 2:36:04 Stunden den Sieg in Alsdorf.

Foto >Till Müller

Es ist Zeit für das erste Update. Die Bauarbeiten auf der Hohenzollernbrücke laufen auf Hochtouren und meine aktuelle Fahrt hat 50 Minuten Verspätung aufgrund einer technischen Störung, aber der Junggesellinnenabschied sorgt für ordentlich Stimmung. “Nein Danke, ich möchte keinen Schnaps kaufen.”

Auch sportlich gibt es Neuigkeiten: Nach zwei ziemlich zähen Jahren beim Duathlon in Alsdorf, konnte ich in diesem Jahr äußerst erfolgreich in die Saison starten. Mit zwei Grad und leichtem Schneefall fing der Weg zur Duathlon DM der Elite und Amateure (Amateur, das bin ich) weniger verheißungsvoll an als die Jahre zuvor. Neben dem Wetter beschwor auch die Distanz (Duathlon Mitteldistanz) mit 10 km Laufen, 60 km Rad fahren und abschließendem 10 km Lauf einen harten Tag herauf. Morgens um 8:21 Uhr blies die Startschussfanfare den Marsch zum ersten Wettkampf 2019. Es sollte ein erster Testlauf der Maschinerie nach dem Ironman Hawaii werden und so ging ich die Sache kontrolliert und bewusst zurückhaltend an.

Die erste Laufgruppe erreichte nach knapp 32:30 Minuten, ca. 60 Sekunden vor mir und meinem Hamburger Reisekollegen Simon Müller, die erste Wechselzone. Im Gegensatz zu meinen sonstigen Duathlon-Erfahrungen fühlte ich mich nahezu entspannt nach dem ersten Lauf. Auf der Radstrecke wurde es dann nochmal richtig frisch. Unter meinem Einteiler hatte ich lediglich ein Unterziehshirt sowie eine lange Unnerbüxe an und anstelle von “Fire Protect Creme” hätte ich mir mal lieber eine “Antiicing Creme” wohin geschmiert. Nur der Aerohelm staute die Wärme schön. Mein Oberkörper war eisig kalt vom Schweiß bzw. dem kalten Wind. Allerdings hatte ich noch nie so gutes und direktes Feedback für die Qualität meiner Aeroposition, je kleiner ich mich machte desto weniger spürte ich vom Wind am Bauch. Die 60 Sekunden Rückstand waren schnell aufgeholt und zu einer soliden Führung ausgebaut. Mit 1:25 Stunden und knapp 300 Watt Durchschnittsleistung stand am Ende zumindest die schnellste Radzeit der Amateure auf dem Papier. Richtig ausruhen konnte ich mich jedoch nicht, denn das zwischenzeitlich gestartete Sprint Feld mischte sich ins Renngeschehen. Ich verlor somit ein wenig den Überblick. Die Überblicklosigkeit stachelte mich weiter an, weshalb ich den Fuß weiter auf dem Gas lies. Mit ordentlichen Schmerzen in den Beinen aber glücklich über den Rennverlauf und stolz über den Sieg beendete ich den abschließenden 10 km als deutscher Duathlon Amateurmeister über die Mitteldistanz.

Nach mir liefen Timo Schaffeld (Ironman Weltmeister 2018 AK18-24) und Simon Müller auf den Plätzen zwei und drei ins Ziel. Chapeau Jungs! Für mich war es also ein mehr als erfolgreicher Testwettkampf. Mit meiner Laufform war und bin ich schon sehr zufrieden, auch das Rad ließ sich für den Saisonzeitpunkt gut bewegen.

Das Training nach dem Duathlon

Die Wochen nach dem Duathlon habe ich genutzt um ein wenig an meiner VO2max zu schrauben, eigentlich Einheiten die ich ziemlich gerne mache, die in einer Gruppe aber mit Sicherheit noch effektiver wären. Eine der Einheiten war zum Beispiel 5 x 4 Minuten VO2max-Intervalle auf dem Rad mit einer Pause von 4 Minuten. Mit rund 370 Watt kann man zwar nicht mal vier Minuten lang einen Toaster zum Leben erwecken, aber für Licht im Zimmer sorgt es schon. Im Anschluss daran lief ich dann 5 x 1000 Meter auf der Bahn. Den ersten mit 400 Meter Trabpause, die restlichen lediglich mit 200 Meter Trabpause, weil das anstehende Footballspiel mich aus dem Hammer Park zu verdrängen drohte. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal 1000er in 3:03-3:05 Minuten gelaufen bin, aber diese Einheit hat mir wirklich das Lächeln ins Gesicht getrieben.

Im Mai geht es für den 29-Jährigen ins Zwift Camp nach Morgan Hill.

Im Mai geht es für den 29-Jährigen ins Zwift Camp nach Morgan Hill.

Foto >privat

Derzeit trainiere ich täglich zwischen ein- und zweimal. Ich gebe mir alle Mühe die Nüchternläufe um 4:30 Uhr zu genießen, einen Tipp kann ich aber für alle dalassen, die Probleme mit dem Aufstehen haben und der lautet: “Nicht nachdenken, sonst habt Ihr verloren!” Am Wochenende genieße ich dann meist noch eine weitere Einheit oder zumindest ein längeres Set auf dem Rad. Am 3. Mai ist eine Leistungsdiagnostik auf dem Rad und beim Laufen anberaumt. Die Leistungsdiagnostik wird die letzte Runde auf meinem Scott Plasma, denn eine Woche später geht es ins Zwift Camp nach Morgan Hill und zu Specialized!

Beim diesjährigen Hamburg Marathon lief Herber 16 Kilometer in einer Staffel mit.

Beim diesjährigen Hamburg Marathon lief Herber 16 Kilometer in einer Staffel mit.

Foto >Patrick Simon

Am Sonntag den 28.04.2019 durfte ich als Startläufer für den Inklusiven Sportclub Schleswig e.V. beim Hamburg Marathon in der Staffel laufen. So ein 16-km-Teilstück einer riesigen Sportveranstaltung ist natürlich nicht als Substitut für einen lockeren Morgenlauf geeignet, aber es macht unfassbar viel Freude. Inklusion ist ein ebenso wichtiger Baustein einer gesunden Gesellschaft, wie das die letzten Jahre beherrschende Thema der Integration. Die Mädels und Jungs der Schleswiger und aller anderen Behindertenwerksätten stecken uns alle mit ihrer Dankbarkeit und Lebensfreude locker in die Tasche. Ich möchte daher alle herzlich dazu einladen, häufiger mit wachsamen Augen für seine Umwelt durch den Tag zu schreiten und sich das eine oder andere Mal öfter bewusst zu machen, was eigentlich wirklich wichtig ist …