Auszug aus der triathlon 177:
Die Sucht nach Kontrolle

Eine gesunde Ernährung und ein athletischer Körper sind für Topleistungen im Sport unabdingbar. Doch was ist, wenn das Essverhalten zwanghaft wird? Essstörungen sind ein Tabuthema und kommen dennoch immer häufiger vor. Der Entstehungsprozess ist oft schleichend, die gesundheitlichen Folgen dramatisch. Den vollständigen Artikel findet ihr in der aktuellen triathlon 177.

“Um die Beste zu werden, musste ich dünner werden. Und dünner. Und dünner. Ich habe angefangen, mich zu ritzen, und hatte Selbstmordgedanken. Ich hatte drei Jahre lang keine Periode und fünf verschiedene Knochenbrüche.” Das sagt Mary Cain, eine der talentiertesten Läuferinnen der USA, in einem Video der New York Times über ihre Zeit beim Nike Oregon Project. Dass ein hoher Leistungsdruck weitreichende Konsequenzen mit sich bringen kann, wird anhand dieses Beispiels deutlich. Die Folgen werden jedoch gesellschaftlich als Tabu behandelt und es dauert in der Regel lang, bis sich Betroffene offen damit auseinandersetzen. Eine manifestierte Essstörung ist nur die Spitze des Eisbergs.

Noch Diät oder schon Krankheit?

Essstörungen können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, doch die zwei Krankheitsbilder der Magersucht und Bulimie müssen insbesondere im Zusammenhang mit Ausdauersport genauer betrachtet werden. Die lateinischen Fachbegriffe „Anorexia nervosa“ für Magersucht und „Bulimia nervosa“ für Bulimie verdeutlichen bereits, dass es sich um psychische Krankheiten handelt – wörtlich übersetzt  handelt es sich um eine nervliche Appetit­losigkeit beziehungsweise nervlichen Heißhunger. Die Ursachen dieser Erkrankungen sind extrem vielschichtig. Betroffene sind häufig perfektionistisch veranlagt und finden mit der Krankheit eine Möglichkeit, Kontrolle über den eigenen Körper zu erlangen und somit das Selbstbewusstsein zu ­steigern. Im Gegensatz zu psychisch bedingten Auslösern sind die Auswirkungen von Essstörungen körperlicher Natur. Diese können gravierend sein: Eine Magersucht endet bei etwa zehn Prozent der Erkrankungsfälle tödlich und kann nur bei etwa der Hälfte vollständig geheilt werden. Betroffene streben nach einem dünnen Erscheinungsbild, das sie mit allen Mitteln erreichen wollen. Das Gewicht ist auch der Faktor, nach dem eine Magersucht klinisch diagnostiziert wird. Ausschlaggebend ist der Body-Mass-Index (BMI). Er wird berechnet, indem man das Körpergewicht durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat dividiert. Ein Ergebnis zwischen 18,5 und 25 steht für Normalgewicht, der kritische Wert für eine Magersucht liegt bei 17,5 beziehungsweise darunter. Hier kommt es häufig zu einer sogenannten Körperschemastörung, bei der sich die Erkrankten mit einer gestörten Selbstwahrnehmung auch im extremen Untergewicht noch als zu dick empfinden und panische Angst vor einer Gewichtszunahme haben.
Diese psychischen Symptome sind bei einer Bulimie sehr ähnlich. Während Magersüchtige allerdings durch eine extrem niedrige Kalorienzufuhr, exzessiven Sport, den Missbrauch von Abführmitteln, Erbrechen oder durch eine Kombination aus alldem ihr Gewicht immer weiter reduzieren, haben Bulimie-Patienten mit regelmäßigen Fress­anfällen zu kämpfen. Diese Anfälle haben nichts mit „ein bisschen über die Stränge schlagen“ zu tun, wie es wohl jeder mal von Feiertagen oder besonderen Anlässen kennt. Bei einer Bulimie werden innerhalb eines kurzen Zeitraums unkontrolliert große Mengen gegessen, die schnell einmal 10.000 Kilokalorien haben können. Der Kontrollverlust verstärkt wiederum die Angst vor einer Gewichtszunahme und es wird mit Erbrechen versucht, den Kalorienüberschuss auszugleichen. Bei einer Bulimie liegt kein Untergewicht vor, was eine Diagnose umso schwerer macht.
Eine weitere Essstörung ist die sogenannte Anorexia athletica, also eine sportinduzierte Magersucht, die allerdings klinisch nicht als Krankheit anerkannt und klassifiziert ist. Das Ziel ist auch hier, ein möglichst niedriges Gewicht zu erreichen, dieses soll jedoch gleichzeitig zu einer Verbesserung der sportlichen Leistung führen. Der Gewichtsverlust wird zwar gezielt herbeigeführt, ist aber zeitlich begrenzt geplant, beispielsweise vor dem Saisonhöhepunkt. Danach wird zum gewohnten Essverhalten zurückgekehrt und auch eine Gewichtszunahme akzeptiert. Das klingt erst mal unproblematisch. Wenn sich auf dieser Gratwanderung allerdings alles nur noch um Kalorien, die Makronährstoffverteilung und den Körperfettanteil dreht, ist die Gefahr groß, dass die vermeintliche Selbstbeherrschung außer Kontrolle gerät und sich aus der gewünschten Leistungssteigerung eine Krankheit entwickelt.

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Mit welchen langfristigen negativen Konsequenzen insbesondere Athleten rechnen müssen, was erste Alarmzeichen für eine Essstörung sind und wie man dem gefährlichen Teufelskreis entkommen kann, lest ihr im vollständigen Artikel in der triathlon 177. Ihr könnt sie entweder hier bestellen, erhaltet sie digital in unserer App (für iOS und Android) oder bei eurem Zeitschriftenhändler.

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