Der Umgang mit einer fragwürdigen Vergangenheit:
Einmal Doper, immer Doper?

Wie berechtigt ist die Angst vieler Triathleten, dass ehemals gedopte Sportler ihren Sport verseuchen und dabei noch aus den Tagen ihrer „dunklen Vergangenheit“ profitieren? Dürfen Veranstalter diese Sportler ausschließen? Auf Spurensuche in einem Themenfeld, das von emotionsreichen Diskussionen geprägt ist.

Als Lance Armstrong am 2. Juni 2012 nach 3:50:55 Stunden beim Ironman 70.3 Hawaii als Erster die Ziellinie überquerte, machte sich in der Triathlon-Szene die Angst breit, der US-Amerikaner könnte eine Welle auslösen. Eine Welle von Profis aus dem Radsport, die nachweislich gedopt oder im Sumpf der großen Skandale fast versunken sind, nun einen Neustart suchen und dafür den Triathlon ins Auge gefasst haben. Mit seinem Sieg auf der Mitteldistanz auf Hawaii wäre ­Armstrong damals zumindest theoretisch für die Ironman-Weltmeisterschaft in Kona auf der Langdistanz qualifiziert gewesen. Praktisch kam es nie zu einem Start Armstrongs beim legendärsten Wettkampf der Sportart. Bereits für seinen geplanten Start beim Ironman ­France im Sommer 2012 ­wurde der US-Amerikaner nicht zugelassen. Nur wenige Wochen später folgte eine lebens­lange Sperre Armstrongs durch die US-Anti-­­Doping-Agentur (USADA). Alle Wettkampfergebnisse des gebürtigen ­Texaners wurden rückwirkend ab 1. ­August 1998 gestrichen, ­inklusive seiner sieben Tour-de-France-Siege. Der Start von Armstrong bei der ­Ironman-WM war damit endgültig vom Tisch. Die Triathlon-Branche atmete auf – wiegte sich in Sicherheit und hoffte, dass die Dopingwelle und auch die Sportler daraus an ihrer Sportart vorbeigegangen sind.

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Harsche Kritik für Facebook-Post

Knapp sechs Jahre später zeigt sich, dass das Thema im Triathlon noch lange nicht beendet ist. Am ­15. ­August 2018 posteten die Veranstalter des ­Ironman ­Kopenhagen auf ihrer ­Facebookseite wenige Tage vor dem Rennen den Bericht einer dänischen Boulevardzeitung. „Athleten aus mehr als 55 Nationen werden ­zusammen am Schwimmstart stehen, bereit für den Ironman ­Kopenhagen. ­Einer von ihnen ist ­Alexander ­Winokurow, ihr kennt ihn vielleicht unter anderem durch seine olympische Goldmedaille im Radsport“, heißt es. Wenige Minuten später hagelte es „Dislikes“ und Hasskommentare unter dem Post. Die Online-Triathlon-Community äußerte ihren Unmut darüber, wie der Veranstalter mit dem Start des ­Kasachen Werbung machen kann. „Einmal Doper, immer Doper“, liest sich wenig später in vielen der mehr als 150 Kommentare. Forderungen nach lebenslangen Sperren für Ex-Doper werden lauter und von jahrzehntelangen Vorteilen nach dem Durchführen illegaler Praktiken ist immer wieder die Rede.

Dass Triathlon mit seiner Kombina­tion aus den drei Sportarten Schwimmen, Radfahren und Laufen, teils langen Dis­tanzen und überdurchschnittlichen Ausdauerleistungen potenziell interessant für kriminelle Machenschaften ist und gute Voraussetzungen für diverse Dopingpraktiken bietet, ist kein Geheimnis. Doch wie viel wird im Umkehrschluss für einen sauberen Sport getan? Bei der Nationalen Anti-Doping Agentur Deutschland (NADA) gehört Triathlon zu den Sportarten, die in die höchste Risiko­gruppe eingeordnet sind. „Ausdauer­sportarten und Sportarten mit einer großen Kraftkomponente wie auch die Leichtathletik oder das Gewichtheben haben aus wissenschaftlicher Sicht ein hohes Doping-Risiko“, sagt Eva Bunthoff, Pressesprecherin der NADA. Auch die mediale Aufmerksamkeit und die finanzielle Attraktivität der Sportart fließen in die Risikobewertung der Sportarten mit ein. Der Blick auf die aktuellsten Zahlen aus dem Jahresbericht 2018 der NADA zeigt, dass Triathlon mit insgesamt 691 Kon­trollen zum oberen Drittel bei der Anzahl der Kontrollen gehört. 541 Urin- und Blutproben wurden im Jahr 2018 bei Trainingskontrollen genommen, 150 bei Wettkämpfen. Spitzenreiter der Statistik ist die Leichtathletik mit 2.361 Trainings- und Wettkampfkontrollen. Insgesamt verzeichnet die NADA 16.299 Proben für das Jahr 2018.

spomedis / Peter Jacob Umstrittene Szenen: Bei der Nationenparade des Ironman Hawaii 2019 führt Michael Weiss die österreichische Nation als Fahnenträger an.

Auch während der Sperre kontrolliert

Dem Trainingskontrollsystem der NADA gehören sowohl Kaderathleten als auch Sportler mit einer Profi-Lizenz an. Wie häufig ein Athlet Besuch von den Mitarbeitern der NADA bekommt, hängt von zahlreichen Faktoren ab, die bis ins kleinste Detail nicht in die Öffentlichkeit getragen werden sollen. „Das Kontrollsystem muss unberechenbar sein“, sagt Bunthoff. So sei es manchmal auch durchaus möglich, dass ein Top-Athlet wenige Tage nach der Kontrolle von der NADA auch einen Besuch der internationalen Kollegen dulden muss. „Das macht manchmal Sinn und ist keine Schikane. Mit den meisten internationalen Verbänden gibt es eine enge Abstimmung, die auch meist gut funktioniert“, sagt Bunthoff. Bei Wettkämpfen gehen die Kontrollen mittlerweile meist weit über das Podium hinaus. Oftmals müssen alle Profiathleten, die nach dem Rennen mit einem Preisgeld nach Hause gehen, sowie einige Agegrouper mit ­einer Kontrolle rechnen. Und auch Kontrollen unmittelbar vor dem Wettkampf sind im Triathlon seit einigen Monaten keine Seltenheit mehr. „Aus den Erkenntnissen der ‚Operation Aderlass‘ ist deutlich geworden, dass auch diese Art von Kontrollen notwendig ist. Wir wissen aber, dass es für die Sportler nicht immer schön ist, in der Vorbereitungsphase kurz vor Beginn des Wettkampfs gestört zu werden“, sagt Bunthoff.

Athleten, die bereits eine Sperre wegen Dopings verbüßt haben, würden von der NADA grundsätzlich nicht sonderlich anders behandelt als zuvor. „Es kommt nach wie vor darauf an, welchen ­Kaderstatus der Athlet hat, wie erfolgreich er ist und welcher Risikogruppe er angehört“, sagt Bunthoff. Auch während der Sperre müssen sich Sportler, bei denen klar ist, dass sie später wieder zurückkehren wollen, Kontrollen unterziehen. Bei einem Karriereende werden sie nach entsprechend offizieller Rücktrittserklärung automatisch aus dem Testpool genommen. Im Kampf gegen Doping sieht Bunthoff die NADA gut aufgestellt. „Durch die Einführung des Anti-Doping-Gesetzes im Jahr 2015 kann in Verdachtsfällen jetzt auch der Staatsanwalt vor der Tür stehen. Das ist ein enormes Zeichen. Die Staatsanwaltschaft hat weitere Möglichkeiten wie Hausdurchsuchungen und Telekommu­nikationsüberwachung.“ Wichtige Säulen beim Kampf gegen Doping sind die umfangreiche Präventionsarbeit, die bereits bei Jugendlichen für die nötige Sensibilität für das Thema sorgen soll, und das Whistleblower-System „Sprich’s an“, das bei der Aufdeckung krimineller Handlungen und Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen ­helfen soll.

„Theoretisch könnten die Vorteile nach der Einnahme von Anabolika über Jahrzehnte andauern, vielleicht ein ganzes Leben.“

Kristian Gundersen

Über den biologischen Vorteil ehemals gedopter Sportler und eine damit eventuell verbundene lebenslängliche Sperre wird spätestens seit den sportlichen Erfolgen von Alexander Winokurow, der seit diesem Jahr Ironman-Weltmeister auf der Mittel- und Langdistanz in der Altersklasse 45–49 ist, Stefan ­Schumachers Profistart auf Hawaii oder den Ergebnissen der österreichischen Profis ­Michael Weiss und Lisa Hütthaler aktuell wieder viel diskutiert. Wissenschaftlich fundierte Untersuchungen und Beweise für einen „Gedächtnis-Effekt“, von dem Sportler durch ein Trainieren auf höherem Niveau mittels Dopings profitieren, sind rar gesät. Hinweise auf die Existenz eines solchen Effekts lassen Forschungen eines Teams der Universität Oslo vermuten. Wissenschaftler um den Biologen Kristian Gundersen publizierten im Jahr 2013 im „Journal of Physiology“ die Ergebnisse einer Studie mit Mäusen. Das Forscherteam zeigte, dass anabole Steroide nicht nur während der Einnahme die körperliche und sportliche Leistungsfähigkeit steigern können, sondern auch lang nach dem Verabreichen noch Effekte auf den Mechanismus haben. So stellten die Wissenschaftler fest, dass die Muskeln der Mäuse auch lang nach dem Absetzen des Dopingmittels wieder überdurchschnittlich wuchsen, sobald sie wieder trainiert wurden. Für die Untersuchung wurde weiblichen Mäusen über einen Zeitraum von 14 Tagen Testosteronpropionat verabreicht. Im Vergleich zu der anderen Testgruppe stieg dabei die Anzahl der Zellkerne in den Muskelfasern um 66 Prozent. Beim Faserquerschnitt der Muskeln stellte das Forschungsteam sogar eine Steigerung von 77 Prozent fest. Nachdem den Mäusen in den darauffolgenden drei Wochen keine anabolen Steroide mehr verabreicht wurden, lag die Muskelmasse wieder im Bereich der Mäuse der Kontrollgruppe, denen kein Anabolikum verabreicht wurde. Die Anzahl der Zellkerne in den Muskeln blieb jedoch über einen Zeitraum von drei Monaten – rund zehn Prozent der Gesamtlebenserwartung der Mäuse – deutlich erhöhter als bei der Kontrollgruppe. Nach der Unterbrechung wurden die Mäuse erneut für sechs Tage trainiert. Anschließend stellte das Osloer Forscherteam ein Muskelwachstum von rund 30 Prozent fest, während bei den Mäusen der Kontrollgruppe nur ein geringfügiger Zuwachs der Muskelmasse zu verzeichnen war. Diese Ergebnisse wiederum geben Hinweise darauf, dass eine Gedächtnisfunktion in den Muskeln besteht. Zu Rückschlüssen auch auf den menschlichen Organismus sagt Kristian Gundersen: „Ich wäre überrascht, wenn der Grundmechanismus unterschiedlich wäre.“ Unklar sei jedoch, inwiefern und in welchem Verhältnis der Zeitraum auf den Menschen übertragbar sei. Dennoch sagt Gundersen: „Theoretisch könnten die Vorteile nach der Einnahme von Anabolika über Jahrzehnte andauern, vielleicht ein ganzes Leben.“ Dabei müssten jedoch genauso die negativen Folgen des Dopings auf den menschlichen Mechanismus betrachtet werden, so ­Gundersen.

Die Frage nach dem Gedächtnis-Effekt

Auch Professor Mario Thevis, Leiter des Zentrums für präventive Dopingforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln, ist die Studie aus Oslo bekannt. „Die Ergebnisse sind ein Indikator dafür, dass die Muskulatur eines Sportlers, der ana­bole Steroide genommen hat, auch später noch trainierbarer und kräftiger ist als die eines Sportlers, der keine anabolen Wirkstoffe erhalten hat“, sagt Thevis. Inwiefern diese Hinweise auch auf andere Arten des Dopings, wie das Praktizieren mit Erythropoetin (EPO) übertragbar sind, ist bislang nicht erforscht. „Die Vermutung liegt nahe, dass es eher keine vergleichbaren ­Effekte gibt“, sagt Thevis. Das Hormon Erythropoetin regt die Produktion roter Blutkörperchen an, was wiederum zu einer Steigerung der Ausdauerleistung führt. „Rote Blutkörperchen haben nur eine Lebenserwartung von rund 120 Tagen und werden nach dem EPO-Stimulus oder der erhöhten Verfügbarkeit durch Bluttransfusionen wieder abgebaut“, sagt ­Thevis. Ein ähnlicher Gedächt­niseffekt sei somit wohl eher unwahrscheinlich. Im Tages­geschäft entwickelt der Chemiker mit seinem Team an der Deutschen Sport­hochschule in Köln Testverfahren, die auch die neuesten Methoden des ­Dopings ans Tageslicht bringen sollen. Zudem gehören die Analysen von Routine-Dopingkontrollen zu den Aufgaben des Instituts, das Thevis seit zwei Jahren leitet. Einen der größten Erfolge der vergangenen Jahre verzeichnete Thevis’ Forschungsteam bei der Optimierung des Analyseverfahrens zum Nachweis von Langzeit-Metaboliten anaboler Steroide, den Abbauprodukten der Dopingsubstanz. Die Messmethode ermöglichte es, in alten Dopingproben von den Olympischen Spielen 2008 in ­Peking und 2012 in ­­London die Einnahme des anabolen Steroids Stanozolol nachzuweisen. ­Zusammen mit ­ähnlichen Arbeiten zu Oral-Turinabol konnten 111 Dopingverstöße nachträglich diagnostiziert werden, darunter waren auch rund 60 Medaillengewinner. Ein Trend, der die Arbeit des Kölner Anti-Doping-Instituts erschwert, sei, dass in den vergangenen Jahren vermehrt auf Präparate gesetzt werde, die auch körpereigen produziert und somit noch schwerer nachweisbar seien, so Thevis. „Speziell für den Triathlon sprechen wir dann vor allem über EPO wegen der Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit und über Testosteron, das unterstützend bei der Regeneration wirkt“, sagt Thevis. Bei der Frage, wie man mit ehemals gedopten Sportlern umgehen sollte und ob diese eine lebenslange Strafe verdient hätten, ist der Kölner Wissenschaftler zurückhaltend: „Es ist nicht ratsam, alles über einen Kamm zu scheren. Verstöße gegen Anti-Doping- Regeln resultieren nicht immer nur aus gezielter und bewusster Einnahme verbotener Substanzen.“

Gratwanderung für die Veranstalter

Für die beiden Triathlon-Platzhirsche Ironman und Challenge ist der Umgang mit des Dopings überführten Sportlern eine Gratwanderung. „Wir unterliegen dem Regelwerk der ITU und den Bestimmungen der World Anti-Doping Agency (WADA). Wenn ein Sportler seine Sperre abgesessen hat, ist er wieder startberechtigt“, sagt Zibi Szlufcik, Geschäftsführer der ­Challenge Family. Wie man dann jedoch mit den einzelnen Sportlern verfahre, liege in der Hand des Veranstalters. „Ob wir diesen Sportlern einen kostenlosen Startplatz oder vergünstigte Übernachtungsmöglichkeiten anbieten, können wir selbst bestimmen“, sagt Szlufcik. Außerdem sei man sich innerhalb der Challenge Family einig, dass mit Ex-Dopern keine Promotion oder Öffentlichkeitsarbeit betrieben werde. „Wir können einem Profisportler nicht verbieten, bei ­Challenge-Rennen an den Start zu gehen. Würden wir das tun, wäre es eine Art Berufsverbot und uns würde eine Klage drohen.“

Mit ähnlichen Worten formuliert man es auch beim Konkurrenten ­Ironman. „Alle Länder und Sportverbände, die den WADA-Code anerkennen, einschließlich Ironman, müssen die Sanktion eines Athleten berücksichtigen. Ebenso müssen diese Länder und Sportverbände anerkennen, wenn ein Athlet nach einer Sanktion wieder teilnahmeberechtigt ist“, sagt Kate Mittelstadt, die Leiterin des Anti-­Doping-Programms von Ironman. Zum Fall Alexander Winokurow und dem ­Facebook-Post im Vorfeld des Ironman in Kopenhagen wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

spomedis / Nils Flieshardt Durchwachsenes Hawaii-Debüt: Stefan Schumacher kommt 2019 nach 9:08:54 Stunden ins Ziel und landet auf Platz 40 im Profifeld.

Von Überlegungen, einen Profisportler aufgrund seiner Doping-Vergangenheit von einem Wettkampf auszuschließen, rät Sportrechtler Michael Lehner dringend ab. „Ich empfehle niemandem, diesen Schritt zu machen. Eine Klage auf Teilnahme, zum Beispiel bei der Challenge Roth, hätte wohl mehr als gute Erfolgschancen“, sagt Lehner. Der Heidelberger Rechtsanwalt weiß, wovon er spricht. Lehner hat in den vergangenen Jahren viele namhafte Sportler juristisch vertreten, die nachweislich gedopt hatten oder mit dem Thema Doping in Verbindung gebracht wurden. Zuletzt betreute er den öster­reichischen Skilang­läufer ­Johannes Dürr, der als Kronzeuge ­einer der Auslöser für die Ermittlungen und Razzien rund um die „Operation Aderlass“ war. Auch Athleten aus dem Triathlon gehörten in den vergangenen Jahren zu Lehners Mandanten, darunter unter anderem Namen wie Jürgen Zäck, ­Lothar Leder, Stephan ­Vuckovic oder Katja ­Schumacher. Und auch Ex-Radprofi Stefan Schumacher, unter anderem für zwei Jahre gesperrt wegen EPO-Dopings bei der Tour de France, wurde von Lehner juristisch betreut. Der Sportjurist hat die Diskussionen rund um die ­Namen Stefan ­Schumacher und ­Alexander ­Winokurow in diesem Jahr auf Hawaii aus nächster Nähe miterlebt. „Aus persönlicher Sicht kann ich die Forderung von lebenslangen Sperren schon ein Stück weit nachvollziehen, da ich die Triathonszene selbst gut kenne“, sagt Lehner, der selbst bereits rund zehn Ironman-Rennen ­gefinisht hat. Dennoch: „Die Sportler sollten vielleicht etwas gelassener werden und darauf vertrauen, dass die überführten Athleten aus ihren Fehlern gelernt haben.“ Man müsse den Menschen auch die Möglichkeit geben, sich einen Weg zurückzuebnen. „Ansonsten dürfte jemand, der einmal im Laden gestohlen hat, auch nie wieder einkaufen“, sagt Lehner. Für ihn sind des Dopings überführte Athleten oftmals nur die „Fronttäter eines großen Systems“. „Das müssen auch Hardliner wie ­Sebastian Kienle verstehen. Bei der Forderung von lebenslangen Sperren muss man auch dem System auf den Grund gehen, das für die Existenz von Doping überhaupt erst verantwortlich ist“, sagt Lehner. Ob es dennoch für manch einen Sportler nicht vielleicht besser sei, nach der Sperre einen Alternativweg zum Profisport einzuschlagen? „Für viele Sportler ist der Schritt des Ausstiegs auf jeden Fall ratsam. Als ­Stefan Schumacher in den Triathlonsport gewechselt ist, habe ich mit ihm lange über ein Ende seiner Sportlerkarriere diskutiert“, sagt Lehner.

Viele Profis fordern lebenslange Sperren

Im Profilager gibt es neben ­Sebastian Kienle zahlreiche Befürworter für einen Ausschluss gedopter Sportler aus dem Triathlonzirkus. ­Einer von ihnen ist auch der dreifache Hawaii-Champion Jan Frodeno: „Ich bin grundsätzlich dagegen, dass Sportler, die einmal gedopt haben, wieder an den Start gehen dürfen. Ich finde, dass Sport ein Privileg ist, das man sich verspielt, wenn man bewusst mit EPO oder anderen Doping-Methoden hantiert hat“, sagt Frodeno. Diese Sportler hätten keine zweite Chance verdient. „Auch nicht im Altersklassenbereich“, fügt Frodeno hinzu. Eine ähnlich konsequente Sichtweise hat auch Frodenos Trainer Dan Lorang. „Sportler, die nachweislich gedopt haben, haben betrogen, mit dem Feuer gespielt, und sollten dafür bestraft werden“, sagt Lorang. Auch er fordert in diesem Fall eine lebenslange Sperre und würde bei Auffälligkeiten seiner eigenen Sportler selbst sofort rechtliche Schritte einleiten. „Wenn mir im Trainingsprozess oder in den Wettkampfdaten Auffälligkeiten ins Auge springen würden und es einen positiven Dopingbefund gibt, würde ich meinen Sportler verklagen.“

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10 Kommentare
  1. Peter Franke

    Auch ich bin ein Beführworter von Lebenslangen Sperren.
    Zum ersten weil eine unbefristete Sperre ein größere Abschreckung darstellt, und zu zweiten wegen der ober beschriebenen Tatsachen.
    Der Muskel wird ja durch Doping schneller trainiert und kann dann ohne Doping weiterhin auf dem Nivau gehalten werden.
    Zum anderen nehmen diese Betrüger in dem Moment in dem Sie illegal Siege feiern dem sauberen Zweitplatzierten
    den Ruhm und somit auch potenzielle Sponsoren weg. Somit können diese den Sport dann nicht mit den gleichen Mitteln wie der Betrüger betreiben.

  2. Alexander Mü

    Frodeno/ Kienle bringen es auf den Punkt. Wer einmal durch dopen betrügt und erwischt wird, hat sei Recht auf eine Triathlonveranstaltung verspielt.
    Nur eine Klare Regel und Konsequenz können unseren Sport davor bewahren!

  3. Nico

    Hallo,
    ich habe erst mit mir “gehadert” was die zweite Chance nach einer verbüßten Strafe angeht. Das Hawaii-Interview mit Stefan Schumacher im letzten Jahr war super und hat Außenstehende einen kleinen Einblick geben können. Zunächst habe ich mich auch für eine zweite Chance ausgesprochen. Ich denke, dass da teilweise sehr viel mehr hinter steckt als nach außen dringt, aber…

    Mann/Frau hat immer eine Wahl!
    Ich schließe mich mittlerweile meinen Vorrednern an, revidiere meine erste Meinung und sage:
    “Lebenslange Sperren bei Wettkampfveranstaltungen für nachweislich überführte Doper, auch im Hobbybereich”!!!
    Außerdem sollten diese Betrüger in Funktionen jeglicher Art /z.B. sportliche Leiter etc.) nicht aktiv sein dürfen.

    Leider ist das anscheinend allerdings wie überall, nicht ganz so einfach umzusetzen…denn Geld regiert die Welt.
    Wo man hinschaut sind angeblich geläuterte, nachweislich überführte Exprofis in angesehenen Positionen aktiv (traurig aber war).
    Tja, und da es offensichtlich entsprechende Gesetze, Bußgeldkataloge usw. gibt, dürfen diese Leute irgendwann auf eine große Bühne zurückkehren.

    Es liegt also an den sauberen Sportlern ihnen zu sagen und zu zeigen, “Ihr seid hier bei uns nicht willkommen”!!!
    An den Veranstaltern und Medien sei ausdrücklich appelliert:
    “Gebt diesen Verbrechern keine Plattform, egal wann und wie”, denn ihr stoßt den ehrlichen Sportlern damit vor den Kopf und nehmt ihnen viele Möglichkeiten.

  4. Bernhard

    ihr solltet mal nach mehr info zu operation aderlass rescherche betreiben … da wird euch anders ! …….
    ….168 sportler
    ….hawaii team erdi…

    nike erdin…und addidas geben alles ….

  5. Henrik

    Googelt doch bitte mal den Begriff “Resozialisierung”… Eine gerechte Strafe muss sein, aber Fehler sind nun mal menschlich und jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient. Eine lebenslange Sperre halte ich persönlich für übertrieben. Zwei oder von mir aus auch fünf Jahre Sperre, aber irgendwann muss man eine Chance auf Rehabilitation bekommen können.

    1. Henrik

      Grundsätzlich aber ein sehr differenzierter Artikel. Der mit Abstand beste zu dem Thema, den ich hier auf diesem Portal dazu gelesen habe.

    2. Peter Franke

      Nein sehe ich nicht so, weil, wie ich oben schon schrieb, haben diese Personen mit ihrem Handeln einem anderen Sportler die Karriere verbaut.
      Und davon soll niemand profitieren.

      1. Henrik

        “…die Karriere verbaut.” finde ich ebenfalls komplett übertrieben, Peter Franke, denn warum sollte eine Karriere wegen eines oder zweier Rennen “verbaut” sein? Diese schwarz oder weiß Denkweise ist aus meiner Sicht engstirnig und kleinkariert. Dieser Argumentation nach müsste man dann folgerichtig unterscheiden, welche Platzierung ein überführter Doper gemacht hat. War er siegreich oder trotz Dopings nur Letzter? Das müsste dann unterschiedlich bestraft werden, denn als Letzter kann ich niemandem geschadet haben, oder?

  6. floehde

    Allein der hohe Anteil Asthmatiker im Leistungssport ist kurios. Ein echter Asthmatiker ist nicht in der Lage Leistungssport zu betreiben. Nicht ohne und auch nicht mit Medikamenten. Meine Frau hat Asthma. Wenn ich sie mit den diversen Olympiasiegern vergleiche tun sich Welten auf.

  7. Peter Franke

    Es gibt Asthma in verschiedenen Ausprägungen, mein Sohn z.B. braucht sein Spray nur im Winter.
    Aber ja es ist schon auffällig wie viele Ausdauersportler Asthma haben. Vielleicht würde hier die Einführung eines Attestes durch einen vom SportVerband lizenzierten Arzt helfen. Aber ab welcher Leistungsklasse will man das verpflichtend machen?

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