Drei Wikinger und Flora Duffy erteilen Lehrstunden

Drei Norweger und eine Bermudanerin haben die weltbesten Kurzdistanzler beim World-Triathlon-Series-Rennen auf Bermuda deklassiert.

Von > | 29. April 2018 | Aus: SZENE

Drei Norweger führen die Konkurrenz vor.

Drei Norweger führen die Konkurrenz vor.

Foto >Wagner Araujo | ITU

Mit nur etwas mehr als fünf Millionen bzw. 64.000 Einwohnern verfügen Norwegen und Bermuda nicht gerade über einen großen Pool an potenziellen Triathleten - zumal den Norwegern dann häufig auch noch das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht. Beim zweiten Rennen um die World Triathlon Series 2018 erteilten das kleine Bermuda und Norwegen den deutlich größeren und finanzstärkeren Konkurrenten aus Deutschland, Frankreich und Co. trotzdem Lehrstunden, die den Leistungssport-Verantwortlichen in den Verbänden dringend zu denken geben sollten, wenn sie irgendwann einmal wieder den Anschluss an die Weltspitze herstellen wollen: Während Bermudanerin Flora Duffy die Konkurrenz einmal mehr deklassierte und das Rennen von Anfang bis Ende im Alleingang bestritt, sicherten sich die Norweger gar alle drei Podestplatzierungen.

Drei Norweger führen die Weltelite taktisch vor

Nach dem Rennen kamen die drei Norweger aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus, und der prominenteste von ihnen, Kristian Blummenfelt, wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte: "Dieser Mann da hinten, unser Nationaltrainer, hat das alles zu verantworten", freute sich Blummenfelt im Siegerinterview. Bis vor wenigen Jahren hatten die Norweger schließlich nicht einmal ein echtes Nationalteam - das haben sie nun mit viel Herzblut und hoher Affinität zu wissenschaftlicher Analyse und Trainingsplanung in Rekordzeit aufgebaut und die Weltspitze gestürmt. Doch nicht nur körperlich, auch taktisch leisteten sich die drei Wikinger beim World-Triathlon-Series-Rennen auf Bermuda keine Schwäche, sondern sie führten die Konkurrenten vor.

Den Anfang machte dabei Casper Stornes: Nachdem sich nach dem Schwimmen eine große Spitzengruppe gebildet hatte, setzte sich der international weitgehend unbekannte 21-Jährige als Solist ab und hoffte eigentlich, dass ihm jemand folgen würde. Tat aber keiner - und doch löste er sich auch allein deutlich. Während die erfahrene Konkurrenz um Mola zuließ, dass sich Kristian Blummenfelt immer wieder vor das Verfolgerfeld spannte, wo dieser das Tempo für seinen Nationalmannschaftskollegen bremste, drückte Stormes vorne auf die Tube und löste sich mit jedem Kilometer um einige Sekunden mehr. "Ich dachte öfter, ich sollte es mal rollen lassen, um etwas Luft zu holen, aber dann habe ich weiter Gas gegeben", sagte Stornes im Ziel. Über zwei Minuten trennten ihn letztlich von der großen Verfolgergruppe mit den laufstarken Favoriten - und 80 Sekunden von Alexander Schilling (DEN) sowie den Norwegern Gustav Iden und Kristian Blummenfelt, die auf der zweiten Hälfte des Radkurses ebenfalls attackierten und die das Hauptfeld einfach gewähren ließ. Ein nächster gravierender taktischer Fehler.

So starteten drei Norweger und ein Däne mit einem satten Polster in den abschließenden Zehn-KIlometer-Lauf, den sich zumindest die Norweger nicht mehr nehmen ließen. Mit einem soliden Lauf verteidigte Stornes seinen Spitzenplatz und hatte im Ziel noch rund 20 Sekunden Vorsprung vor Blummenfelt, der sich im Endspurt um Silber gegen seinen Landsmann Iden durchsetzte. Mario Mola wurde mit dem schnellsten Lauf des Tages Vierter, hatte dabei im Ziel aber noch einen Rückstand von 45 Sekunden auf den Drittplatzierten Iden.

Duffy in jeder Disziplin Tagesschnellste

Ähnlich wie Stornes führte auch Weltmeisterin Flora Duffy ihr Heimrennen auf Bermuda - mit dem Unterschied, dass sie sich sogar noch viel dominanter präsentierte. Nachdem sie das Feld schon beim Schwimmen angeführt hatte, machte Duffy auf dem anspruchsvollen Radkurs sofort Tempo. Anfangs folgte ihr noch die Amerikanerin Kirsten Kasper am Hinterrad, am ersten Anstieg musste dann auch diese die Bermudanerin ziehen lassen. "Ich hatte eigentlich auf eine kleine Spitzengruppe gehofft, aber so habe ich es dann eben alleine probiert", erzählte Duffy später. Und wie sie es probierte. Zwar organisierte sich die Verfolgergruppe - im Vergleich zu den Männern zuvor - gut. Trotzdem holte Duffy auf jeder der insgesamt zehn vier Kilometer langen Radrunden ein paar Sekunden auf die neun Frauen starke Verfolgergruppe um Vicky Holland (GBR) und Katie Zaferes (USA) heraus. Beim zweiten Wechsel trennten sie 85 Sekunden von den neun schnellsten Verfolgerinnen. Sogar fast vier Minuten lag die nächste Verfolgergruppe zurück, zu der die einzige deutsche Starterin Laura Lindemann gehörte.

Aus dieser Ausgangslage heraus ließ es Duffy nicht etwa ruhig angehen, nein - die 30-Jährige setzte auch noch den schnellsten Lauf des Tages nach und sicherte sich so mit fast zwei Minuten Vorsprung vor Vicky Holland und Katie Zaferes den Sieg. "Das war heute das Highlight meiner Karriere", erklärte Duffy nach dem Rennen, in dem sie als Local von zahlreichen Einheimischen am Streckenrand unterstützt worden war. Laura Lindemann beendete das Rennen sieben Minuten nach Duffy auf dem 15. Rang. Auch im Männerrennen erfüllten die Deutschen die Erwartungen nicht: Justus Nieschlag erreichte in keiner Disziplin Normalform und erreichte das Ziel auf Rang 26. Jonas Schomburg und Linus Stimmel beendeten den Wettkampf auf den Rängen 36 und 41.