Das Duell in der windstillen Lava

Am späten Vormittag kam es auf dem Queen Kaahumanu Highway zu einem eigentümlichen Zusammentreffen. Die Ereignisse vom Sonntag in Kailua-Kona in unserem Frühstücks-Blog.

Von > | 9. Oktober 2017 | Aus: SZENE

Athletes in Training: Tagesschau-Sprecher Thorsten Schröder bereitet sich auf seinen ersten Start beim Ironman Hawaii vor.

Athletes in Training: Tagesschau-Sprecher Thorsten Schröder bereitet sich auf seinen ersten Start beim Ironman Hawaii vor.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Aloha, liebe Triathlonfreunde!

Es geschieht auf dem Queen Kaahumanu Highway. Ein Triathlet in der Blütezeit seines Lebens sitzt auf einem schnellen Zeitfahrrad. Ein hochmodernes Rad, auf dem drei Schriftzüge angebracht sind. Der seines Herstellers „Scott“, der Modellname „Plasma“ und der des Besitzers: „Sebastian Kienle“. Unser Athlet ist schnell unterwegs, es rollt, trotz der zurückliegenden harten Kilometer auf der berühmten Straße nach Hawi.

Neben unserem Athleten taucht plötzlich ein zweiter auf: Groß, schlank, gebräunte Haut. Ein Sportler, den man aus dem Fernsehen kennt. Er sitzt auf einem Canyon Speedmax, trägt Klamotten von Ryzon. Als beide nebeneinander fahren, sagt jener andere Athlet noch: „Dann legen wir mal los“. Und ist Minuten später nur noch ein kleiner Punkt am Horizont. Und unser Athlet: chancenlos! 

Kienle vs. Frodeno? 

Nein, diese Szene ist keine Prognose für den Ironman Hawaii am kommenden Samstag. Auch kein uns überlieferter Traum oder Albtraum eines der Beteiligten. Sie ist heute tatsächlich passiert. Aber: Athlet 1 ist nicht Sebastian Kienle. Sondern ich. Und ich durfte heute das Kienle-Bike ausgiebig testen. Was am Straßenrand auch seinem Trainer Lubos Bilek aufgefallen ist – sorry, Lubos, für die Irritation: Sebastian ist auch weiterhin der Modellathlet, den du aufgebaut hast. Und Athlet 2 ist auch nicht Jan Frodeno, sondern Tagesschau-Mann Thorsten Schröder. Im Trainingslager auf Fuerteventura haben wir uns schon gegenseitig motiviert, im Sommer sind wir uns dann sportlich auf Augenhöhe begegnet, beim Ironman Hamburg – heute jedoch liegen Welten zwischen uns. Thorsten steht kurz vor dem Gipfel seiner Triathlonkarriere, wird am Samstag die gleiche Strecke auf seinem Zeitfahrrad in Angriff nehmen. Ich werde mich auch auf sie begeben, aber ich bin in der Off-Season und sitze dann rückwärts auf einer Harley Davidson. Thorsten ist erstmals für den Ironman Hawaii qualifiziert, ich darf zum 19. Mal von hier berichten. 

Wenn Radfahren Arbeit ist

Am Samstag habe ich beim Hoala Swim die Schwimmstrecke besichtigt, heute mit Thorsten, dem hawaiierfahrenen Sportfreund Markus Schnitzius und unserer Bloggerin Katrin Friedrich zwei Drittel des Radkurses erkundet. Luxus in einer Woche, die so mit Terminen gefüllt ist wie die Rennwoche auf Hawaii? Nein, es ist Recherchearbeit, die zum Job eines Journalisten gehört. Die Erfahrung mit den Elementen des Ironman Hawaii gibt immer wieder neue Erkenntnisse, die in die Berichterstattung einfließen. Die Gespräche auf der Strecke, die Eindrücke von Sportlern, die in wenigen Tagen einen der härtesten, aber auch schönsten Tage ihres Lebens erleben wollen. Auch durch meine beiden eigenen Ironman-Finishes 2017 ist der Sport für mich ein anderer geworden, als er sich noch vor einem Jahr dargestellt hat. Ich habe quasi ein Firmware- und Software-Update bekommen, für das ich sehr dankbar bin (das nächste Update dieser Größenordnung wird aber auf sich warten lassen).

Auch die anderen Kollegen waren heute sportlich aktiv: Daniel Eilers testete in den Bergen einen Straßenrenner, Nils Flieshardt und Lennart Klocke kämpften sich beim „PATH Run“ über zehn Kilometer bravourös ins Ziel. Sieger wurde der Einheimische Matt Daniels in 31:07 Minuten, bei den Frauen gewann Christine Schleifer in 36:57 Minuten, was Rang 9 im Gesamtklassement bedeutet. Moment, Christine Schleifer? Ja, Insider wissen: Das ist doch die Ehefrau von Sebastian Kienle! Und der hat seine Gattin natürlich angefeuert. Hatte ja auch kein Rad, weil ... siehe oben.

Und auch über diese Themen hat man sich heute in Kailua-Kona unterhalten:

  • Die Angler sind traurig, weil die vielen Schwimmer die Fische zur besten Beißzeit verscheuchen. Doch die gehen zum Gegenangriff über: Eine Schwimmerin musste gestern nach dem Start zum Hoala Swim mit einer stark blutenden kleinen, aber tiefen Bisswunde aus dem Wasser geborgen werden. Experten gehen von einem Barrakuda-Angriff aus.
  • Der Sonntag vor dem Rennen ist für viele Triathleten der Tag, an dem noch mal ein mehr oder weniger großer Teil der Radstrecke abgefahren wird – sonntags bleiben die Trucker mal zu Hause. Alle Rookies, die nun glauben, die Wettkampfbedingungen zu kennen, seien gewarnt: Es ist selten so windstill und wolkenverhangen wie heute über dem langen Asphaltband zwischen Kailua-Kona und Hawi!
  • In Downtown Kailua, also auf den 300 Metern zwischen Pier und Kona Inn, haben die Aufbauarbeiten für den Ironman begonnen. Seit heute stehen die Stelen mit den Bildern der bisherigen Sieger. Darunter natürlich Thomas Hellriegel (1997), Normann Stadler (2004 und 2006), Faris Al-Sultan (2005), Sebastian Kienle (2014) und Jan Frodeno (2015 und 2016).
  • Unser Chefredakteur Nils Flieshardt hat noch einen Geheimtipp für alle, die sich der Triathlonblase einmal kurzfristig entziehen wollen, aufgetan: "Hinter dem Humpy’s gibt es eine Sportsbar, die Football zeigt. Großer Sport, keine Triathleten und sehr gutes Essen!"
  • Sebastian Kienle (also der echte) hat eine Charity-Aktion gestartet. Vorbildlich! 

Hang loose!
Frank Wechsel

PS: Keine Aufregung! Natürlich bin ich heute nicht auf Kienles Erstrad unterwegs gewesen, sondern auf dem zweiten, das morgen beim Pressetermin von Scott und ab übermorgen auf der Messe stehen wird. Verdammt schnell gefühlt habe ich mich aber trotzdem.