Duffy und Jorgensen ringen um historischen Erfolg

Sie können beide Geschichte schreiben: Beim Grand Final auf Cozumel kann Flora Duffy am Wochenende die erste Kurzdistanz-Weltmeisterin aus Bermuda werden. Dafür darf sie aber Gwen Jorgensen nicht zu weit ziehen lassen. Die Amerikanerin wiederum hat gleich zwei mögliche Rekordmarken vor Augen.

Von > | 15. September 2016 | Aus: SZENE

ITU World Triathlon Gold Coast 2015 - 02 | Gwen Jorgensen

Gwen Jorgensen

Foto >triathlon.org / Delly Carr

Sie könnte die erste Athletin sein, der es gelingt, drei ITU-Kurzdistanz-Weltmeisterschaften in Folge zu gewinnen - und außerdem die erste, die sich im Jahr ihres Olympiasiegs außerdem den Weltmeistertitel sichert. An Motivation wird es Gwen Jorgensen also sicherlich nicht mangeln, wenn am Samstag auf Cozumel die Entscheidung um die World Triathlon Series 2016 fallen wird. Die Frage ist allerdings, ob ihr Fokus in den vergangenen Wochen noch auf dem Triathlon gelegen hat: Denn schon unmittelbar nach ihrem Olympiasieg machten Gerüchte die Runde, die laufstarke 30-Jährige denke über einen Wechsel in den Laufsport nach - nur wenige Tage später untermauert von der Bekanntgabe der Marathonpremiere Jorgensens im Elitefeld des renommierten New York City Marathons am 6. November. Ob dieses Marathon-Unternehmen nun als Abenteuer oder ersten Schritt zum Wechsel innerhalb der Ausdauerdisziplinen zu verstehen ist, ist noch nicht ganz klar - und auch nicht, ob die Amerikanerin mit der marathonspezifischen Vorbereitung bereits begonnen hat oder das Grand Final auf Cozumel im Training zunächst noch im Fokus stand.

Teambildung um Duffy und Jorgensen?

Im Vorbeigehen wird der Weltmeistertitel für Jorgensen in diesem Jahr jedenfalls nicht zu holen sein. Im Gegenteil steht die Amerikanerin im Finale sogar unter Zugzwang: Flora Duffy aus Bermuda führt das Weltmeisterschafts-Ranking mit 166 Punkten Vorsprung an. Das heißt, dass Duffy im Falle eines Siegs Jorgensens bereits der zweite Rang genügen würde, um den ersten Kurzdistanz-Weltmeistertitel für Bermuda zu gewinnen - wogegen im Falle eines dritten Rangs der 28-Jährigen aber Jorgensen die Nase mit einer Winzigkeit von sieben Zählern Unterschied vorn hätte. Eine spannende Konstellation also, die ein packendes Rennen erwarten lässt: Denn Duffy ist eine sehr starke Schwimmerin und Radfahrerin, auch wenn sie bei den Olympsichen Spielen in Rio de Janeiro schwere Beine erwischte und sich auf der Radstrecke ungewohnt zurückhielt. Fühlt sie sich in Mexiko wieder besser, dürfte die 28-Jährige auf Attacke setzen: In Carolina Routier (ESP), Pamela Oliviera (BRA), Lucy Hall und Jessica Learmonth (GBR) sind gleich vier Damen am Start, die beim Schwimmen gemeinsam mit Duffy für Alarm sorgen könnten, und speziell die beiden Britinnen dürften auch auf der Radstrecke darauf aus sein, sich gemeinsam mit Duffy vom Hauptfeld mit den schnellsten Läuferinnen abzusetzen.

Darauf ist Duffy wohl angewiesen. Denn sie läuft zwar nicht schlecht, im direkten Kräftemessen unter anderem mit Katie Zaferes, Sarah True (beide USA), Andrea Hewitt (NZL), Ai Ueda (JPN), Helen Jenkins, Vicky Holland, Non Stanford (alle GBR), Ashleigh Gentle und Emma Moffatt (AUS) dürfte der zweite Rang, der den sicheren Weltmeistertitel für Duffy bedeuten würde, für sie aber schwierig zu erreichen sein. Zumal Jorgensen durch Zaferes, True und einer Handvoll weiterer US-Amerikanerinnen, die ebenfalls allesamt gut laufen können, einige potenzielle Helferinnen an der Seite hätte, wenn es darum geht, Duffy auf der Laufstrecke unter Druck zu setzen oder auf der Radstrecke zu jagen.

Flora Duffy | Flora Duffy kämpft um den WM-Titel

Flora Duffy kämpft um den WM-Titel

Foto >Wagner Araujo / triathlon.org

Stimpson frustriert, DTU sendet schmales Aufgebot

Die derzeit Drittplatzierte in der Serienwertung, Jodie Stimpson, muss dagegen verletzungsbedingt auf einen Start verzichten und blickt nun frustriert auf ein schwarzes Jahres 2016 zurück, in dem sie bereits die Olympiaqualfiikation für das britische Team knapp verpasst hatte. Katie Zaferes und Andrea Hewitt sind nun die ersten Anwärterinnen darauf, den voraussichtlich letzten freien Podestplatz hinter Duffy und Jorgensen für sich zu gewinnen. Die Deutschen haben den nicht mehr in Reichweite - immerhin könnte Hanna Philippin in Cozumel aber noch der Sprung unter die besten 20 des Gesamtklassements gelingen. Als zweite Deutsche wird Anja Knapp in Mexiko an den Start gehen.