"Eigentlich kann ich gar nicht laufen!"

Es läuft im Training nicht immer nach Plan – diese Tatsache erfährt Lukas Krämer gerade selbst. Ausgerechnet seine beste Disziplin macht dem Feuerwehrmann zu schaffen.

Von > | 16. April 2018 | Aus: SZENE

Lukas Krämer hat mit Problemen im Training zu kämpfen.

Lukas Krämer hat mit Problemen im Training zu kämpfen.

Foto >Moritz Sonntag

Sportlich gesehen bereitet vor allem das Laufen, Krämers stärkste Disziplin, Kopfzerbrechen. Seit Mitte der vergangenen Saison hat er immer wieder mit Problemen an der Achillessehne zu kämpfen und etliche Therapien ausprobiert. Das Training musste von Coach Manunzio in der Folge immer wieder behutsam angepasst und umstrukturiert werden. Ging es im ersten Trainingslager der Saison aufwärts, haben sich die Wehwehchen in den Wochen danach entgegen der Hoffnung Krämers wieder einmal verschlimmert und verschoben. Waren die Symptome vorher auf die Achillessehne begrenzt, machten dem Münchner in den vergangenen Wochen mehrere Stellen zu schaffen. Mal war es das Schienbein, mal die Achillessehne, an anderen Tagen zog der Schmerz hinten in die Wade. Eine erneute Ursachenforschung macht Krämer allerdings Hoffnung.

„Eigentlich kann ich gar nicht laufen!“

Gemeinsam mit Martin Beckmann, selbst sehr erfolgreicher Marathonläufer und Mitgründer des Trainingsanalyseprogramms Spikee, analysierte Krämer seinen Laufstil, deckte Fehler auf und bekam einige Verbesserungspotenziale aufgezeigt. „Ich wusste ja, dass ich kein Laufstil-Virtuose bin, aber dass es so schlimm ist hätte ich nicht gedacht“, berichtet Krämer hinterher und übt sich in Selbstironie. Vor allem, dass der Fußaufsatz deutlich vor dem Körperschwerpunkt und über die Ferse ist, könnte Ursache zu hoher Belastungen sein, die sich in Problemen niederschlagen. Auch fehlende Stabilität im Oberkörper wurde vom Laufexperten festgestellt und als Auslöser für die Probleme in Betracht gezogen. „Es ist schon fast paradox, dass ausgerechnet bei meiner stärksten Disziplin so viele Fehler aufgezeigt werden, während mir beim Schwimmen jeder Experte erzählt, dass die Technik eigentlich ganz ok ist und ich trotzdem nicht voran komme“, erzählt er hinterher und fasst trocken zusammen: „Eigentlich kann ich gar nicht laufen!“

Um den Problemen entgegenzuwirken und nach Möglichkeit sogar einen Leistungssprung durch eine effizientere Technik zu machen, baut Krämer seit der Analyse verstärkt Technik- und Kräftigungsübungen in seine Routine ein und setzt dabei vor allem auf einen Bodenkontakt unter dem Körperschwerpunkt. Neben einer höheren Schrittfrequenz wird dadurch außerdem die Belastung auf Füße, Sehnen und Bänder verringert. Um während der Wochen mit teilweise vollständiger Laufpause nicht zu viel Form einzubüßen, hat Krämer einige Aquajogging-Einheiten mit bis zu 90 Minuten Länge und Trainings auf dem Crosstrainer abgespult. Wenige Tage nach der Ankunft in Deutschland, suchte er außerdem einen Zahnmediziner auf, der sowohl den Kiefer, als auch die Stellung der Zähne unter die Lupe nahm und Krämer eine Schiene entwickelte, die er zukünftig nachts trägt und die Verspannungen entgegen wirken soll. Neben dem Frust, der sich durch die anhaltenden Probleme breit macht, versucht Krämer auch die positiven Seiten zu sehen und setzt seine Hoffnung auf einen in der Zukunft besseren und in der Folge schnelleren Laufstil.

Auf dem Rad in Topform

Ermutigt wird Krämer durch die Trainingsergebnisse, die er auf dem Rad vorweisen konnte: „Einige Einheiten liefen richtig gut!“ In den nächsten Wochen wird er versuchen, die gesammelten Grundlagen zu nutzen, um die qualitativ anspruchsvollen Einheiten umzusetzen und wirken zu lassen. Dass er auch 2018 auf schnelle Radzeiten angewiesen sein wird, ist dem Münchner bewusst; auch weil sich beim Schwimmen – Krämers ausgemachter Schwäche – die teils deutliche Erhöhung der Umfänge bisher noch nicht in wirklich schnelleren Zeiten widerspiegelt.

Am 19. Mai wird Krämer in dieser Saison erstmals zeigen, wie es um seine Verfassung steht. Bei der Challenge Lisboa wird er ins Renngeschehen einsteigen und sein Vorhaben, „die Rennen auch nach der Location“ aussuchen zu wollen, das erste Mal in der neuen Saisonin die Tat umsetzen. In etwa einem Monat wird der Feuerwehrmann versuchen, an seine erfolgreiche Premieren-Saison anzuschließen. In den kommenden Wochen heißt es, teilweise in den Feinschliff zu gehen und andererseits die anhaltenden körperlichen Probleme auszukurieren.