Erstes Gipfeltreffen zwischen Frodeno und Sanders

Am Samstag wird es für Jan Fodeno und Lionel Sanders erstmals in dieser Saison wirklich ernst: In Oceanside treffen zwei der großen Hawaii-Favoriten aufeinander.

Von > | 4. April 2018 | Aus: SZENE

Lionel Sanders (vorne) und Jan Frodeno (im Hintergrund) trafen schon vor Jahresfrist in Oceanside aufeinander - damals stieg Frodeno wegen eines Defekts aus.

Lionel Sanders (vorne) und Jan Frodeno (im Hintergrund) trafen schon vor Jahresfrist in Oceanside aufeinander - damals stieg Frodeno wegen eines Defekts aus.

Foto >Felix Rüdiger / Plan A GmbH

Der eine hat vor wenigen Monaten geheiratet, will den Ironman Hawaii gewinnen und ließ in den letzten drei Wochen zwischenzeitlich beinahe im Tagesrhythmus Youtube-Videos veröffentlichen, die sein Rocky-Balboa-ähnliches Image unterstrichen und zeigten, wie motiviert er seine Ziele verfolgt und welche großen Fortschritte er auf seinem Weg erzielt. Der andere ist schon zweimaliger Hawaii-Sieger, seit Anfang Februar zweimaliger Vater, arbeitet mit einem wissenschaftsaffinen Trainer zusammen und gibt zwar recht selten Einblicke in seinen Trainingsalltag, dürfte nach dem misslungenen Rennen auf Hawaii 2017 aber kaum weniger motiviert sein als sein Kontrahent. Mögen Lionel Sanders und Jan Frodeno teilweise auch unterschiedliche Ansätze wählen, eint sie das große Ziel: Im Herbst 2018 auf Big Island als erster durch das Ziel zu laufen. Einen ersten echten Gradmesser auf dem Weg dahin bekommen die beiden schon an diesem Wochenende, wenn Frodeno und Sanders beim Ironman 70.3 Oceanside gegeneinander antreten. In einem Rennen, das tatsächlich in allen Disziplinen mit spannenden Fragen aufwarten kann.

Starke Mitbewerber im Schatten des Favoriten-Duos

Das fängt schon beim Schwimmen an: Fraglos gehört Jan Frodeno da zu den schnellsten Mittel- und Langdistanzathleten weltweit und dürfte dementsprechend auch auf Angriff setzen, um sich möglichst weit von Lionel Sanders zu lösen. Doch wie weit das tatsächlich werden wird, scheint offener denn je. Im vergangenen Jahr lagen in der Auftaktdisziplin noch rund 2:40 Minuten zwischen Frodeno und Sanders, doch der Kanadier hat in den letzten Monaten im Schwimmtraining noch einmal eine Schippe draufgelegt und scheint beachtliche Fortschritte erzielt zu haben: Bei einem Schwimmwettkampf auf der Langbahn schwamm Sanders die 1.500 Meter erst vor wenigen Wochen in 18:50 Minuten, was für den Kanadier eine satte neue Bestzeit bedeutete. Für den Radfahrer Sanders spricht zudem, dass der Radkurs in Oceanside, wenn nicht viel Wind bläst, technisch nicht besonders anspruchsvoll scheint - denn in der Radbeherrschung hat der Kanadier die größten Defizite gegenüber der Konkurrenz. Läuferisch scheint es offen, ob der ehemalige Kurzdistanzler Frodeno oder aber Sanders die schnelleren Beine haben wird.

Dazu kommt, dass es noch nicht einmal nur Sanders und Frodeno sind, denen der Sieg in Oceanside zuzutrauen wäre: Auch der ehemalige Ironman-70.3-Weltmeister Tim Reed (AUS), Ex-Kurzdistanzler David McNamee (GBR) und Sam Appleton (AUS) wäre ein solcher Wurf nämlich zuzutrauen, sofern sie in guter Form anreisen. In Andrew Talansky hat zudem ein ehemaliger Radprofi und US-Meister im Zeitfahren (von 2015) als Profi gemeldet. Der wird zwar vermutlich noch nicht um den Sieg mitkämpfen, Talanskys Treiben werden die anderen Profi-Triathleten aber mit Interesse verfolgen. Aus Deutschland hat neben Frodeno auch Neuprofi Florian Bögge für das Rennen gemeldet.

Haug gegen Lawrence, True, Jackson und Findlay

Auch im Rennen der Frauen treffen einige der weltbesten Mitteldistanz-Athletinnen aufeinander - und auch hier stammt eine aus Deutschland und wird wie Jan Frodeno von Coach Dan Lorang betreut: Anne Haug nutzt das Rennen, wie Frodeno, auf dem Weg zum Ironman Frankfurt als einen Formtest, bei dem sie echte Gradmesser bekommt. Denn neben ihr haben sich die unweit von Oceanside in Los Angeles lebende Britin und Ironman-70.3-Weltmeisterin von 2016, Holly Lawrence, sowie Sarah True (USA), Heather Jackson (USA) und Jeanni Seymour (RSA) angekündigt. Auch Paula Findlay, die in den Jahren 2010 und 2011 jeweils für einige Monate die World Triathlon Series dominierte, anschließend aber immer wieder von gesundheitlichen Problemen zurückgeworfen wurde, will nach ihrem zweiten Rang beim Ironman 70.3 Austin 2017 weiter Fuß auf der Mitteldistanz fassen. Carrie Lester (AUS) und Lisa Roberts (USA) ergänzen das Feld der augenscheinlichen Podestanwärterinnen bei dem stark besetzten Frühjahrs-Rennen in Kalifornien.