"Eine komplett überraschende Überlastung des Gelenks"

Verletzung verhindert Hawaii-Start: Wegen einer Stressfraktur im Iliosakralgelenk kann Jan Frodeno am 13. Oktober nicht bei der Ironman-Weltmeisterschaft um den Titel kämpfen. Im exklusiven Interview spricht der 37-Jährige mit uns über die Ursachen seiner Verletzung, wie diese behandelt werden kann und wie seine Pläne für die kommenden Monate aussehen.

Von > | 12. September 2018 | Aus: SZENE

Für einen der großen Favoriten auf den WM-Titel ist nach einer überragenden Saison vor dem Höhepunkt auf Hawaii Schluss: Jan Frodeno kann aufgrund seiner Verletzung nicht in Kailua-Kona an den Start gehen.

Für einen der großen Favoriten auf den WM-Titel ist nach einer überragenden Saison vor dem Höhepunkt auf Hawaii Schluss: Jan Frodeno kann aufgrund seiner Verletzung nicht in Kailua-Kona an den Start gehen.

Foto >Getty Images for Ironman

Jan Frodeno, Sie haben heute bekanntgegeben, dass eine Verletzung Ihren Start auf Hawaii durchkreuzt. Wie hat sich diese Verletzung geäußert?

Das Paradoxe ist, dass ich von der Verletzung überhaupt nichts mitbekommen habe, in Südafrika bin ich völlig schmerzfrei gelaufen. Auch am Tag nach der Ironman-70.3-WM gab es nicht einmal den Anschein eines Problems. Irgendetwas muss dann auf dem Flug nach Australien passiert sein. Als ich in Australien gelandet bin, hatte ich relativ krasse Rückenschmerzen. So etwas hatte ich aber schon öfter nach Rennen. Anfangs bin ich deswegen einfach erst einmal nur von fester Muskulatur ausgegangen. Der Schmerz hat sich dann aber langsam geändert, weshalb mir klar wurde, dass ich das Ganze einmal untersuchen lassen sollte. Das hat sich beim MRT bestätigt.

Wie sieht nun die Behandlung aus?

Behandeln kann man das Ganze erst einmal durch Ruhigstellen. Die nächsten zwei Wochen muss ich auf Krücken gehen. Danach kann ich langsam mit Schwimmen und Aquajogging anfangen, die Woche danach mit Radfahren. Wenn alles gut läuft, kann ich in sechs Wochen wieder ins Lauftraining einsteigen. Jetzt heißt es erst einmal: Abwarten und Tee trinken, mehr kann ich zurzeit nicht machen.

Was schmerzt mehr, im vergangenen Jahr als 69. ins Ziel zu kommen oder jetzt in Topform gar nicht antreten zu können?

Sicherlich hat letztes Jahr mehr geschmerzt. Klar ist das jetzt mega ärgerlich, aber zu philosophieren, was hätte sein können, bringt keinen weiter. Ich konzentriere mich auf die letzten Rennen und kann mich ja eigentlich nicht über die Saison beklagen. Zumal es kein fahrlässiger Fehler war, der dazu geführt hat, sondern eine komplett überraschende Überlastung des Gelenks, ohne jegliche Vorzeichen.

Da Sie nun zum Zuschauen verdammt sind und nicht mehr in den Titelkampf eingreifen können: Wie schätzen Sie den Rennverlauf auf Hawaii ein?

Es wird hoffentlich spannend: Es wird ein Wettkampf zwischen den Akteuren, die das Rennen konservativ angehen, und denen, die aufs Laufen warten.

Haben Sie kurz nach der Diagnose schon eine Idee, wie es in den kommenden Monaten für Sie weitergeht, auch hinsichtlich möglicher Rennen?

Ich muss mir jetzt Zeit lassen, das Gelenk heilen zu lassen. Und in dieser Zeit meine Form zu konservieren, ist meiner Meinung nach weder sinnvoll noch realistisch. Ich werde die Saison 2019 wieder klassisch gestalten und mir vielleicht ein paar kleine Spaßrennen gegen Ende des Jahres suchen.