Es wird spezifisch, es wird schneller

Es sind nur noch rund 10 Wochen bis zum Ironman Frankfurt für unsere Bloggerin Anita Horn. Die Formkurve zeigt im Schwimmen steil nach oben.

Von > | 26. April 2018 | Aus: SZENE

Das Training schlägt bei Anita Horn an.

Das Training schlägt bei Anita Horn an.

Foto >Jörg Schüler

Ich kann es selbst noch nicht glauben. Im Trainingscamp in Italien habe ich ja schon gemerkt, dass da irgendwas passiert ist. Im Wasser. Beim Schwimmen. Irgendwie bin ich in schneller als sonst. Aber ich habe es immer auf den Pool geschoben. Ist ja oft so, dass man in anderen Schwimmbädern anders schwimmt. Jetzt habe ich auch den handfesten Beweis dafür, dass ich mich wirklich verbessert habe.

Mein zweiter Critical Swim Speed-Test zierte Anfang der Woche meinen Trainingsplan und mir ist das Herz in die Hose gerutscht. Vor sowas bin ich immer schrecklich nervös. Abgesehen davon, dass ich null Bock hatte. Das Wasser in Köln ist immer so kalt und es kostet mich wirklich jedes Mal Überwindung reinzuspringen. Aber nützt ja nichts, also ab aufs Rad und los zum Bad. Wenigstens waren die Bahnen recht leer. Einschwimmen, vier Steigerungen und dann ging es los.

Eine Minute minus

Ich habe den Startknopf an der Uhr gedrückt und bin für 400 Meter abgetaucht. Habt ihr das auch, wenn ihr mit dem Kopf unter Wasser taucht? Man ist plötzlich in einer ganz eigenen Welt, ganz bei sich und völlig abgeschirmt. Ich habe alles geben und trotzdem versucht nicht zu schnell los zu schwimmen. Der CSS-Test ist ein Maximal-Test auf 400 und 200 Meter, mit zehn Minuten Pause dazwischen. Beim letzten Mal, Ende März, waren meine Arme nach 200 Meter Pudding. Diesmal wollte ich es besser machen. Also lange Züge, vorn tief einstechen, hoher Ellbogen, bis nach hinten durchziehen, Finger zusammen und rotieren nicht vergessen – die zwei letzten Tipps kamen im Trainingscamp von meiner Zimmergenossin Caro.

Nach 400 Meter kam ich am Beckenrand an und musste erstmal die Uhr schütteln. Konnte das sein? Habe ich zu wenig Bahnen gezählt? Die Uhr richtig gestartet? Da standen ernsthaft 6:52 Minuten. 6:52! Das ist eine Minute weniger! Satte 60 Sekunden weniger als vor einem Monat. Wie kann das sein? Ich habe keine Ahnung, aber es fühlt sich gut an. Wie echtes Schwimmen. Dass ein Typ auf der Bahn nebenan ganz entspannt trotzdem tausend Mal schneller geschwommen ist als ich, hat mich zwar kurz deprimiert, aber ich folge unauffällig.

Progressiv und produktiv

Nach dem Test und einem kleinen Snack bin ich noch gelaufen, zehn Kilometer progressiv von 5:30 in Blöcken bis auf 5:00 min/km und zwei Kilometer locker. Auch darauf hatte ich erst keine Lust, aber als ich gemerkt habe, dass auch das ganz gut klappt, habe ich mich richtig auf den Rest der Woche gefreut. Insgesamt stehen bis Sonntag 15 Stunden Training an. Es ist zwar oft stressig, Arbeit, Privatleben und Training unter einen Hut zu bekommen. Aber am Ende klappt es doch immer irgendwie. Ich bin in intensiven Trainingsphasen sogar besonders produktiv, weil alles getaktet ist. Das wird sich auch die nächsten Wochen nicht ändern. Es wird langsam spezifisch. Langdistanz-Training deluxe. Mein Coach Micha zieht mich jetzt Richtung Rennbelastung: längere Rad- und Laufeinheiten, längeres Koppeln und bald auch Freiwassertraining mit bis zu fünf Kilometern schwimmen. Da passiert was. Und ich habe richtig Bock. Nur noch zehn Wochen bis Frankfurt …