Flora Duffy krönt sich vor Gwen Jorgensen zur Weltmeisterin

Sie hat einen zweiten Rang zum Titel gebraucht, geworden ist es sogar der Sieg: Beim erwarteten Duell zwischen Olympiasiegerin Gwen Jorgensen und ihrer Herausfordererin Flora Duffy hat die 28-Jährige von den Bermudas noch einmal ein Ausrufezeichen gesetzt und sich mit einem grandiosen Saisonfinale den WM-Titel gesichert.

Von > | 18. September 2016 | Aus: SZENE

Flora Duffy | Flora Duffy ist die neue ITU-Weltmeisterin.

Flora Duffy ist die neue ITU-Weltmeisterin.

Foto >Wagner Araujo / triathlon.org

Die Ausgangslage war klar: Gwen Jorgensen benötigte im Grunde einen Sieg beim Grand Final auf Cozumel, um noch den Weltmeistertitel zu gewinnen - und musste hoffen, dass die WM-Führende Flora Duffy nicht besser als Dritte wurde. Duffy wiederum wusste, dass es für sie rein läuferisch im Kräftemessen mit den Weltbesten wohl nicht für den Titel reichen würde und wollte sich deshalb schon beim Schwimmen von Gwen Jorgensen absetzen. Zumindest dieser Plan missglückte Flora Duffy an diesem Finaltag in Cozumel. Nicht, weil die 28-Jährige von den Bermudas im Wasser so schlechte Arme erwischt hätte - sondern, weil die Olympiasiegerin Jorgensen sich nicht abschütteln ließ und trotz des enormen Tempos an der Spitze des Feldes in Kontakt zu den Top-Damen um Duffy blieb. Als Siebte stieg sie nur wenige Sekunden hinter Duffy aus dem Wasser, während sich das übrige Feld unter dem Tempodiktat Duffys und zweier britischer Sportlerinnen weit in die Länge gezogen hatte und die Deutschen Damen Anja Knapp und Hanna Philippin 50 bzw. 70 Sekunden auf die Spitze verloren.

Hitze lässt DNF-Quote hochschnellen

Duffy ließ sich davon aber nicht unterkriegen. Zusammen mit den Britinnen Jessica Learmonth und Lucy Hall, mit denen sie schon im Wasser eine Interessensgemeinschaft gebildet hatte, glückte es der Titelanwärterin, sich von den übrigen Konkurrentinnen um Jorgensen abzusetzen und sich einen Vorsprung zu erarbeiten. Etwas mehr als eine Minute Vorsprung nahmen Duffy und ihre beiden britischen Fluchthelfer am Ende mit auf die zehn Laufkilometer, ehe ein erstes größeres Feld um Gwen Jorgensen, Helen Jenkins (GBR) und Anja Knapp die Wechselzone erreichte. Noch deutlich später und bereits aussichtslos weit abgeschlagen im Kampf um Top-Platzierungen ging eine zweite Verfolgergruppe um Hanna Philippin auf die Laufstrecke.

Dort erwarteten dann viele die große Aufholjagd der Gwen Jorgensen - doch die blieb diesmal aus. Zwar hatte die Amerikanerin keine Probleme, die beiden Britinnen an der Spitze einzufangen und sich auf den zweiten Rang vorzuschieben, doch in der extremen, drückenden mexikanischen Hitze lief die Olympiasiegerin diesmal sogar einige Sekunden langsamer als Duffy, die sich mit einer phänomenalen Leistung und fast eineinhalb Minuten Vorsprung vor Jorgensen den Sieg im Grand Final und damit auch überlegen ihren ersten Weltmeistertitel in der World Triathlon Series sicherte. Das Podest komplettierte die Australierin Charlotte McShane. Anja Knapp erreichte als beste Deutsche den 20. Rang, Hanna Philippin kam, wie auch viele andere Athletinnen, nicht mit den extremen Wetterbedingungen zurecht und wurde vom DTU-Team aus dem Rennen genommen, weil sie Schlangenlinien gelaufen sei, wie der Verband erklärte. Insgesamt gaben 13 von 56 Starterinnen das Rennen bei den streitbaren äußeren Bedingungen auf, drei weitere wurden überrundet und deshalb disqualifiziert.