Florian Angert: "Dauerhaft mit richtig guten Athleten messen"

Seit 2017 gehört Florian Angert dem Erdinger Alkoholfrei Profiteam an. Wir haben mit dem 25-Jährigen über seine erste Profi-Saison gesprochen und ihn gefragt, was er sich für dieses Jahr vorgenommen hat.

Von > | 7. Februar 2018 | Aus: SZENE

Florian Angert

Florian Angert

Foto >Fabian Fiedler / spomedis

Florian Angert im Interview

Florian Angert, auf Ihrer Website haben Sie vor der Saison 2017 und dem Aufrücken in das Erdinger Alkoholfrei Profiteam von der „ersten richtigen Profi-Saison“ gesprochen. Wie fällt nach diesem Jahr dein Fazit aus?
Rein von den Ergebnissen ist die Saison solide gelaufen. Für mich persönlich muss ich sagen, dass ich durchaus zufrieden sein kann. Ich bin ich Heilbronn, St. Pölten und der Challenge Walchsee jeweils in die Top 5 gekommen und konnte zum dritten Mal in Folge den Rhein-Neckar Cup gewinnen. Das ist von den nackten Zahlen her auf jeden Fall in Ordnung. Von der Art, wie ich die Rennen bestritten habe, bin ich speziell mit der ersten Hälfte der Saison sehr zufrieden. In der zweiten Hälfte lief es nicht mehr gut für mich. Beim Allgäu Triathlon bin ich nach 5 Kilometern auf dem Rad gestürzt, bei der Challenge Walchsee wurde das Schwimmen bei acht Grad und Dauerregen verkürzt und bei der Challenge Davos komplett gestrichen. Das Wetter war mir also nicht mehr so wohlgesonnen. Das war auch insofern schade, als dass ich vorher für fünf Wochen im Höhentrainingslager war und gern den positiven Effekt, den ich im Training gespürt habe, in Wettkampfleistungen umgesetzt hätte. Äußerst positiv hat sich mein Training entwickelt. Ich habe Anfang des Jahres 2017 den Trainer gewechselt. Das hat aber wirklich gut funktioniert und Philipp Seipp hat sehr schnell ein gutes Gespür dafür entwickelt, wie das Verhältnis von Intensität und Belastung bei mir aussehen muss.

Zusammen mit Ihrem Trainer arbeiten Sie viel mit regelmäßigen Leistungsdiagnostiken. Konnten damit Leistungsfortschritte durch das Höhentrainingslagers in St. Moritz feststellt werden?
Ja, das konnten wir messen. Insgesamt hat das Trainingslager gut funktioniert und ich konnte trotz der Höhe alle Einheiten ohne Wehwehchen so durchziehen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Ich bin erst einen Tag vor dem Allgäu Triathlon aus der Höhe gekommen und habe direkt den Unterschied gemerkt. Wo du oben noch Schnappatmung beim Laufen hast, fühlt sich das unten schon ganz anders an. Nach dem Rennen bin ich dann auch direkt wieder in die Höhe gegangen.

Wird auch 2018 wieder auf das Konzept "Höhentrainingslager" gesetzt?
Das kann ich mir gut vorstellen, wobei ich einige Sachen anders machen würde. Wir waren jetzt für fünf Wochen in der Höhe, das war mir im Nachhinein etwas zu lang. Außerdem habe ich das Camp für ein Rennen unterbrochen, auch das würde ich dieses Jahr wohl anders handhaben. Wahrscheinlich wird es auf drei Wochen mit einem Wettkampf am Ende hinauslaufen.

In St. Moritz konnten Sie in einer richtig starken Trainingsgruppe trainieren, unter anderem Nils Frommhold, Franz Löschke und Laura Philipp. Konnten Sie von den Erfahrungen der anderen Athleten und auch von der Gruppendynamik profitieren?
Auf jeden Fall. In St. Moritz habe ich beispielsweise vier Wochen mit Nils Frommhold zusammen gewohnt. Er hat schon große Rennen gewonnen und mit jemandem wie ihm zu trainieren, bringt mir unheimlich viel. Dazu lernt man sich ja auch besser kennen und spricht viel miteinander, wenn man über den langen Zeitraum zusammen wohnt, da kann ich mir schon eine Menge abgucken.

Durch Ihre Stärke im Schwimmen sind Sie immer in der Lage gewesen, ein Rennen mitzubestimmen. Wo setzen Sie an, um 2018 den nächsten Schritt in Ihrer Entwicklung zu gehen?
Das größte Potenzial gibt es mit Sicherheit beim Laufen, sowohl was die Technik angeht, aber auch vom Speed und dem Stehvermögen. Die Renndynamik hängt dann stark von der Konkurrenz ab, aber das Schwimmen gibt mir mit Sicherheit einige taktische Möglichkeiten. Klar, der Plan A sieht meistens so aus, dass ich eine Lücke reißen kann, aber andererseits bringt es manchmal auch nichts auf Biegen und Brechen zu versuchen, 30 Sekunden gutzumachen.

Arbeiten Sie im läuferischen Bereich viel mit klassischen Lauf-ABC-Übungen, um die Technik zu stabilisieren oder werden noch anderen Ansätze verfolgt?
Das machen wir auch. Vieles geht außerdem über koordinative Übungen und auch Einheiten im Kraftraum, bei denen wir versuchen die viel beanspruchte Stützmuskulatur zu stärken, um einen Halbmarathon stabil laufen zu können. Insgesamt gibt es viele kleine Stellschrauben, von denen man sich teilweise fragt, wo im Einzelnen der Effekt sein soll; in der Summe bringen die Übungen aber ungemein viel. Übungen mit der Koordinationsleiter sind ein Paradebeispiel dafür.

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