Frodeno, Gomez und Brownlee greifen nach WM-Titel

So spannend wie in diesem Jahr war der Kampf um den Sieg bei der Ironman-70.3-WM wohl lange nicht mehr. Mit Jan Frodeno, Javier Gomez und Alistair Brownlee gehen drei Topstars an den Start. Bei den Frauen bleibt abzuwarten, wer Daniela Ryfs Sieg gefährden könnte.

Von > | 30. August 2018 | Aus: SZENE

Jan Frodeno will wie auch bei der Ironman 70.3 WM in Zell am See wieder ganz oben aufs Treppchen und Javier Gomez hinter sich lassen.

Jan Frodeno will wie auch bei der Ironman 70.3 WM in Zell am See wieder ganz oben aufs Treppchen und Javier Gomez hinter sich lassen.

Foto >Frank Wechsel

Bereits vor einigen Jahren sorgte das Aufeinandertreffen dieser drei Athleten für Aufsehen und spannende Rennverläufe: Die Rede ist von Jan Frodeno, Javier Gomez und Alistair Brownlee. Schon zu ITU-Zeiten lieferten sich die damaligen Kurzdistanz-Spezialisten packende Titelkämpfe. Am Sonntag kommt es erstmals auf einem anderen Terrain zur Neuauflage dieses Dreikampfes. Bei der Ironman-70.3-WM in Südafrika dürfte jeder dieser Ausnahmeathleten mit Titelambitionen an den Start gehen. Besonders Jan Frodeno und Javier Gomez, die beide in diesem Jahr alle ihre bisherigen Mitteldistanz-Rennen gewinnen konnten und beim großen Showdown in Hawaii am 13. Oktober wieder aufeinander treffen, stehen im Fokus. Bisher trafen Frodeno und Gomez über die Mitteldistanz zweimal aufeinander. Beide Male bei der Ironman-70.3-WM, beide gewannen jeweils einmal den Titel beim direkten Duell. Gomez 2014, nachdem er Frodeno auf der Laufstrecke stehen ließ, und Frodeno 2015, nachdem der den Spanier bereits auf dem Rad weit genug distanziert hatte.

Mit seinem zweiten Ironman-70.3-WM-Titel im vergangenen Jahr bewies Gomez vor allem beim Laufen, dass er zur Zeit einsame Spitze zu sein scheint. Doch auch Frodeno konnte bei seinen Ironman-70.3-Siegen in Oceanside und im Kraichgau dieses Jahr bereits Laufsplits von 1:10 und 1:11 Stunden auf den Asphalt zaubern. Kommt es am Sonntag zu einem Laufduell, könnte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis auf die letzten Meter entwickeln. Wahrscheinlicher scheint allerdings, dass Frodeno schon auf den 90 Radkilometern die Initiative ergreift. 

Etliche Podiumskandidaten am Start 

Ein kleines Fragezeichen steht derweil hinter der Form von Doppel-Olympiasieger Alistair Brownlee. Der Brite gab am Anfang des Jahres den Sieg bei der Ironman-70.3-WM als sein Saisonziel aus, gewann früh im Jahr den Ironman 70.3 Dubai, verletzte sich allerdings im Saisonverlauf und musste speziell beim Laufen für mehrere Wochen zurückfahren beziehungsweise komplett auf das Training in der dritten Disziplin verzichten. Sein vierter Platz über die olympische Distanz bei der Triathlon-EM in Glasgow offenbarte, dass Brownlee beim Laufen noch nicht wieder der alte ist. Wenn die Erfahrung der vergangenen Jahre allerdings eins gezeigt hat, dann dass man einen Alistair Brownlee niemals unterschätzen sollte, wenn es wirklich darauf ankommt. 

Hinzu kommt im Männerrennen noch eine Vielzahl von Athleten, denen das Podium zuzutrauen ist. Darunter: Ben Kanute (USA), der im vergangenen Jahr Rang zwei belegte. Außerdem gehören Sam Appleton (Australien), Mauricio Mendez (Mexiko), Braden Currie (Neuseeland), Pieter Heemeryck (Belgien) und James Cunnama (Südafrika) zu den Mitfavoriten.

Für Deutschland gehen außerdem Marcus Herbst und Markus Rolli an den Start. Auf der Meldeliste stehen zwar auch Maurice Clavel, Andreas Dreitz, Michael Raelert, Johann Ackermann und Horst Reichel – sie verzichten allerdings alle auf ihr Startrecht.

Wer kann Daniela Ryf ärgern?

Beim Rennen der Frauen, das wie bereits 2017 am Samstag stattfindet, steht vor allem die Frage im Raum, wer die dreifache Ironman-Weltmeisterin auf der Lang- sowie auf der Mitteldistanz schlagen kann. Bisher blickt die 31-jährige Schweizerin auf einen mehr als positiven Saisonverlauf. Bei ihren Starts in Frankfurt bei der Ironman-EM, bei den Ironman-70.3-Rennen in Gdynia und Rapperswil sowie bei dem 5150-Heimspiel in Zürich stand Ryf immer ganz oben auf dem Treppchen. Als Ziel für ihre Zukunft hat sie in Interviews dieses Jahr immer wieder ausgegeben, sich noch näher den männlichen Profiathleten anzunähern, was beispielsweise in Frankfurt auch gut gelungen ist, als sie als Siebte des Gesamtfeldes die Ziellinie auf dem Römer erreichte. 

Gefährlich werden könnte ihr die Britin Emma Pallant, die im Vorjahr auf dem zweiten Platz landete und in diesem Jahr bereit in beim Ironman 70.3 Dún Laoghaire und beim Ironman 70.3 in Barcelona Siege auf der Mitteldistanz feiern konnte. Auch Sarah True könnte Daniela Ryf ärgern. Die 36-jährige Amerikanerin und ehemalige Kurzdistanzlerin wurde bei ihrem Langdistanz-Debüt in Frankfurt auf Anhieb Zweite. Gute neun Minuten nach True kam Anne Haug, ebenfalls bei ihrem ersten Rennen auf der Langdistanz, in Frankfurt ins Ziel. Auch Haug gehört bei der Ironman-70.3-WM zu den Favoritinnen. Die 35-Jährige stellte bei ihrem 70.3-Sieg in Kalifornien einen neuen Streckenrekord auf. Weiterer Anreiz für Haug ist der Blick auf die "Triple Crown", bei der dem Gewinner der Ironman-70.3-Rennen in Dubai, bei der 70.3-Weltmeisterschaft und in Bahrain ein Preisgeld in Höhe von einer Million Dollar winkt. Die Mitteldistanz in den Vereinigten Arabischen Emiraten hatte Haug bereits im Februar gewonnen, ebenfalls mit neuem Streckenrekord. 

Auf einen Podiumsplatz schielen außerdem noch die Ironman-70.3-Weltmeisterin aus dem Jahren 2013 und 2011, Melissa Hauschildt (Australien), die erst im Juni die Ironman 70.3 European Championships in Dänemark gewann. Lucy Charles (Großbritannien), Überschwimmerin und Zweite im letzten Jahr, Heather Wurtele (Kanada), Jeanni Seymour (Südafrika), die beiden Australierinnen Elli Salthouse und Liz Blatchford sowie Radka Vodickova (Tschechien) kämpfen in Südafrika wohl ebenfalls um die ersten Plätze.