Gefinisht, 10 Stunden geknackt, Wette gewonnen

10 Monate hat sich Daniel Eilers auf den Ironman Hamburg vorbereitet. Am zurückliegenden Wochenende war der große Tag für ihn. Rennbericht und Resümee vom Redaktionsrookie.

Von > | 21. August 2017 | Aus: SZENE

Ein Moment, der lange in Erinnerung bleiben wird für unseren Redakteur Daniel Eilers: Der Zieleinlauf beim Ironman Hamburg.

Ein Moment, der lange in Erinnerung bleiben wird für unseren Redakteur Daniel Eilers: Der Zieleinlauf beim Ironman Hamburg.

Foto >Nils Flieshardt / spomedis

Mein Plan B: Wo ist Frank?

Als sich Frank nach dem südlichen Wendepunkt in Buchholz immer noch nicht am Horizont zeigt, werde ich nervös und erhöhe das Tempo durch die kleinen Ortschaften auf dem Weg zurück in den Stadtkern. Nach 2:21 Stunden passiere ich den Wendepunkt am Ballindamm und genieße die Zuschauermassen. Aber immer noch keine Spur von Frank. Ich beschließe, wieder mein eigenes Rennen zu machen. Doch dann, unmittelbar vor der zweiten Überfahrt der Köhlbrandbrücke, sehe ich ihn plötzlich. Wow, denke ich, der muss ja toll Rad fahren heute, Respekt! Am Anstieg will ich allerdings nicht überholen, sondern warten, bis es bergab geht. Plötzlich wird es eng auf der Brücke: rechts ein Athlet, vor mir, hinter mir. Als ich wieder aufs große Blatt schalten und zur Abfahrt ansetzen wollte, tauchte der Wettkampfrichter neben mir auf und zeigt mir die blaue Karte wegen Windschattenfahren.

Es ist schwer zu erklären, aber meine stärkste Disziplin, das Radfahren, war damit für mich gelaufen. Nachdem ich die Strafe im nächsten Penalty-Zelt abgesessen hatte, war keine Kraft mehr, um mich für eine zweite schnelle Runde zu begeistern. Ich verwaltete noch die Sub-5-Stunden-Zeit und war froh, als ich das Zeitfahrrad in die Wechselzone schieben konnte. Denn am liebsten hätte ich es weit weggeworfen – so groß war der Ärger über meine Unachtsamkeit. Meine Stärke im Rennen ist eben auch meine Schwäche: Ich kann mich in einen Wettkampf reinsteigern und so versteckte Reserven freimachen – es kann aber auch umgekehrt verlaufen.

Nach 4:57:59 Stunden (inklusive 5 Minuten Zeitstrafe) liegen die 182 Kilometer hinter unserem Redakteur.

Nach 4:57:59 Stunden (inklusive 5 Minuten Zeitstrafe) liegen die 182 Kilometer hinter unserem Redakteur.

Foto >Nils Flieshardt / spomedis

Die ersten 21 Kilometer im Rausch

Der Vorteil, wenn man die zweite Radrunde nur noch halbherzig fährt, ist, dass die Beine extrem frisch sind. Der Wechsel (damit ist nicht Frank gemeint, der war schon längst auf der Laufstrecke) war schnell erledigt und das Anlaufen fix und flüssig. Die ersten Kilometer purzelten in 4:20 und schneller weg. Da war es, das Rauschgefühl, das ich im Wettkampf brauche! Ich liebäugelte schon mit einer Laufzeit um drei Stunden. Denn inklusive Pinkelpause lief ich den Halbmarathon kontrolliert in rund 1:31 Stunden und musste mich immer wieder ermahnen, nicht noch schneller zu laufen.

Die erste Gehpause lege ich nur wenige Minuten später ein. Beide Waden, links wie rechts, schmerzen von einem auf den anderen Moment so stark wie bei einer Zerrung. Jeder Laufschritt ruft in Erinnerung, dass Muskelfasern auch reißen können. Und jeder weitere Kilometer führte vor Augen, dass eine Langdistanz nach der Hälfte der Laufstrecke erst beginnt. Drei Wochen Laufpause vor dem Ironman fordern in diesem Augenblick knallhart ihren Tribut. Immer wieder halte ich kurz an, gucke, ob mich keiner meiner Freunde am Streckenrand sieht, und gehe ich die Dehnung, um die Wade wenigstens kurzfristig zu entlasten, bevor ich die nächste Verpflegungsstation ansteuere und zum „All-you-can-take“-Menü greife: Wasser, Cola, Red Bull, Wasser, Schwamm und einen kräftigen Schluck aus der Gel-Pulle.

Nach 21 Kilometern sind beide Waden zu.

Nach 21 Kilometern sind beide Waden zu.

Foto >Nils Flieshardt / spomedis