Gelingt Jan Frodeno das Triple auf Hawaii?

Vor der Ironman-WM 2017 kündigt Jan Frodeno eine offensive Renntaktik an. Gleichzeitig hat er viel Respekt vor der starken Konkurrenz. Wer wird Ironman-Weltmeister?

Von > | 12. Oktober 2017 | Aus: SZENE

Wie viele Deutsche schaffen 2017 bei der Ironman-WM den Sprung auf das Podium?

Wie viele Deutsche schaffen 2017 bei der Ironman-WM den Sprung auf das Podium?

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Das Warten hat endlich ein Ende: Am Samstagabend um 18:35 Uhr (MESZ) fällt der Startschuss zum 39. Ironman Hawaii. 59 Athleten werden beim Männerrennen um den WM-Titel kämpfen. Nachdem Jan Frodeno, Sebastian Kienle und Patrick Lange im vergangenen Jahr für ein deutsches Podium sorgten, liegt der große Fokus vor dem diesjährigen Rennen erneut auf den Deutschen. Ausgelobt werden für den Sieg auf Hawaii 125.000 US-Dollar, während der Zweitplatzierte 60.000 US-Dollar und der Dritte 40.000 US-Dollar bekommt. Bis einschließlich Platz zehn gibt es bei der Ironman-WM im Männer- und Frauenfeld Preisgeld zu gewinnen.

Wer schlägt Jan Frodeno?

Der unumstrittene Favorit ist Titelverteidiger Jan Frodeno. Nachdem der Olympiasieger von 2008 das Rennen auf Hawaii bereits 2015 und 2016 für sich entscheiden konnte, visiert er nun das Triple an. Dafür zog sich der 36-Jährige in diesem Jahr weitestgehend aus dem Renngeschehen zurück und bevorzugte Wettkämpfe ohne seine großen Konkurrenten. Trotzdem deutete Frodeno mit seinen Leistungen beim Ironman 70.3 Barcelona, Ironman Austria und dem Allgäu Triathlon an, wie dominant er in allen Disziplinen ist. Die letzten Körner für das wichtigste Rennen des Jahres hat sich Frodeno in Absprache mit Trainer Dan Lorang allerdings bewusst aufgespart. Ein neuer und ungewohnter Plan, der nach eigener Aussage aber aufgegangen ist. Doch ob diese Art der Vorbereitung mit einem dritten Hawaiisieg belohnt wird, hängt nicht nur von Frodeno selbst ab. Denn die Konkurrenz ist groß, vielleicht größer denn je.

Bei seiner Pressekonferenz, legte der Weltmeister seine Strategie für das Rennen ganz offen auf den Tisch: "Ich weiß, dass wir mit Lionel Sanders einen Überbiker im Feld haben, der die Renndynamik erheblich beeinflussen könnte. Patrick Lange und Patrik Nilsson sind außerdem sicherlich in der Lage, den Marathon hier unter 2:40 Stunden zu laufen. Mein Plan ist deshalb, schon beim Schwimmen mit einer möglichst kleinen Gruppe aus dem Wasser zu kommen und auf dem Rad zu vermeiden, dass eine große Gruppe gemeinsam in die zweite Wechselzone rollt." Sobald der Startschuss gefallen ist, kann man also mit einer aggressiven Renngestaltung des Titelverteidigers rechnen. 

Die Herausforderer

Wie Frodeno zu schlagen sein könnte, hängt stark vom taktischen Verlauf des Rennens ab. Während direkte Konkurrenten wie Patrick Lange, Tim O'Donnell, Ben Hoffman und Brent McMahon sicherlich mit wenig oder gar keinem Rückstand auf Frodeno aus dem Wasser steigen werden und Einfluss auf das Renngeschehen an der Spitze nehmen könnten, wird es für Athleten wie Sebastian Kienle, Lionel Sanders und Boris Stein darum gehen, den wahrscheinlich relativ großen Rückstand nach dem Schwimmen so schnell wie möglich zu egalisieren. Bisher ist es Kienle bei jedem Hawaiistart gelungen, die Spitzengruppe auf dem Rad einzuholen. Schafft es der Weltmeister von 2014 auch dieses Jahr wieder frühzeitig an die Spitze des Feldes, ist sicherlich mit einigen Attacken zu rechnen. Vor allem, wenn die Aufholjagd auch Lionel Sanders glücken sollte, ist es wahrscheinlich, dass eine Spitzengruppe auseinandergezogen wird. 

Besonders interessant ist, dass viele Mitfavoriten in der Vorbereitung einen Laufschwerpunkt gesetzt haben. Ben Hoffman (2. Platz 2014, 4. Platz 2016) trainierte in seiner Hawaii-Vorbereitung gezielt mit afrikanischen Marathonläufern, um dieses Jahr die Laufstärke zu haben, um das Rennen zu gewinnen. "2016 wurde ich am Ende knapp von Patrick Lange vom Podium verdrängt. Ich denke, dass ich dieses Jahr beim Laufen das Potenzial besitze, um alle anderen zu schlagen", sagte Hoffman, der bei seinem Sieg in Südafrika mit einem 2:42 Stunden Marathon bei warmen Temperaturen überzeugte. Auch Timothy O'Donnell (3. Platz 2015, 6. Platz 2016) legte mit seinem Trainer Mark Allen den Fokus aufs Laufen. "Bisher hat mir am Ende der Laufstrecke immer das letzte Stehvermögen gefehlt, um ganz vorne landen zu können. Dieses Jahr bin ich perfekt darauf verbereitet", kündigte der US-Amerikaner vor dem Rennen an. Lionel Sanders bewies bei seinem ITU-Langdistanz-Sieg vor einigen Wochen, dass er bei einem Laufduell auch nur schwer zu schlagen sein könnte. Die 30 Laufkilometer absolvierte der Kanadier in 1:45 Stunden (3:31 Minuten/Kilometer). Kommt es also zu einer Laufentscheidung oder geringen Abständen auf der Laufstrecke, sind deutlich mehr Athleten als nur Jan Frodeno oder Sebastian Kienle im Spiel.

Die Podiumsanwärter

Athleten, die sich gute Chancen auf Top-5-Platzierungen, an einem guten Tag vielleicht sogar auf das Podium oder den Sieg ausrechnen können, gibt es zuhauf. Zu ihnen gehören in jedem Fall Brent McMahon (CAN), Boris Stein, Nils Frommhold, Frederik Van Lierde (BEL), James Cunnama (RSA), Nick Kastelein (AUS), Bart Aernouts (BEL), Andy Potts (USA), David McNamee (GBR) und Matt Hanson (USA). Hier gibt es noch mal alle Favoriten detailliert im Überblick.