Gelingt Kienle der erste Roth-Sieg?

Top-Favorit Sebastian Kienle steht nach sieben Jahren wieder in Roth an der Startlinie – und könnte dort seinen ersten Sieg einfahren. Daniela Sämmler hat den deuschen Rekord im Visier und Lucy Charles einen weiteren Saisonsieg.

Von > | 27. Juni 2018 | Aus: SZENE

Die 1 soll\'s am kommenden Sonntag werden für Sebastian Kienle: Nach zwei zweiten Plätzen 2010 und 2011 visiert der Hawaii-Sieger von 2014 seinen ersten Roth-Sieg an.

Die 1 soll's am kommenden Sonntag werden für Sebastian Kienle: Nach zwei zweiten Plätzen 2010 und 2011 visiert der Hawaii-Sieger von 2014 seinen ersten Roth-Sieg an.

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Alle guten Dinge sind drei. Am Sonntag wird sich zeigen, ob sich dieses Sprichwort für Sebastian Kienle bewahrheitet. Der Ironman-Weltmeister von 2014 kehrt zurück zu den Wurzeln seiner Langdistanz-Laufbahn und hat seinen ersten Sieg bei der Challenge Roth fest im Blick. Nachdem er 2010 und 2011 mit zwei zweiten Plätze in Roth knapp den Gesamtsieg verfehlte, stehen die Chancen dieses Jahr gut, den prestigeträchtigen Titel endlich zu seiner Trophäensammlung hinzufügen zu können. Dazu änderte Kienle seine Saisonplanung im Vergleich zu den vergangenen Jahren, in denen er bei der Ironman-EM in Frankfurt seine Hawaii-Quali löste. Doch schon im vergangenen November sicherte sich der 33-Jährige mit seinem Sieg beim Ironman Cozumel den Startplatz für die Ironman-WM im Oktober – daher steht einem Start in Roth in diesem Jahr nichts im Weg.

Das Radfahren wird schnell werden in Roth: Neben Sebastian Kienle und Überbiker Cameron Wurf ist auch Radrakete Andreas Dreitz am Start.

Das Radfahren wird schnell werden in Roth: Neben Sebastian Kienle und Überbiker Cameron Wurf ist auch Radrakete Andreas Dreitz am Start.

Foto >James Mitchell

Und auch wenn Kienle als klarer Top-Favorit ins Rennen geht, gibt es genügend Kontrahenten, die dem Deutschen unter Umständen gefährlich werden könnten. Allen voran Andreas Dreitz, der auf den Start bei seinem Heimrennen in Roth brennt und dort am kommenden Sonntag seine zweite Langdistanz absolvieren wird. Bei seinem Sieg beim Ironman Italien 2017 in 8:03 Stunden zeigte er auf Anhieb, dass ihm die Langstrecke liegt. Gerade auf dem Rad werden Kienle und Dreitz sicherlich für ein extrem hohes Tempo sorgen und versuchen, das Rennen schnell zu machen. Der Dritte im Bunde der Überbiker ist der Australier Cameron Wurf. Der Ex-Radprofi stellte 2017 beim Ironman Hawaii einen neuen Radstreckenrekord auf und besitzt das Potenzial, auch Kienle und Dreitz davonzufahren. Spannend wird die Frage, wie viel Rückstand er beim Schwimmen hinnehmen muss. Wurf gilt als Überraschungstüte im Wasser – mehrfach konnte er bei Langdistanz-Rennen bereits in der Spitzengruppe mitschwimmen, an anderen Tagen verlor er aber auch schon gut fünf Minuten oder mehr auf die Führenden.

Wurf absolvierte erst am vergangenen Sonntag den Ironman France, stellte auch dort einen neuen Radstreckenrekord auf und wurde Gesamtdritter. Es bleibt abzuwarten, wie er die Belastung von zwei Langdistanzen in sieben Tagen verkraften wird. Kandidaten für vordere Platzierungen sind außerdem Joe Skipper (GBR), der 2016 und 2017 jeweils den zweiten Platz in Roth belegte, und Jesse Thomas (USA), der den Ironman Lanzarote und Ironman Wales für sich entscheiden konnte. Mit Spannung erwartet wird ebenfalls das Langdistanz-Debüt des ehemaligen Kurzdistanzlers Sven Riederer (SUI), den man trotz mangelnder Erfahrung auf der Rechnung haben sollte.

Wer kann diese Frau schlagen? Die Saison von Lucy Charles verlief bisher reibungslos.

Wer kann diese Frau schlagen? Die Saison von Lucy Charles verlief bisher reibungslos.

Foto >James Mitchell

Wer stoppt Lucy Charles?

Im Frauenrennen kommt die Favoritenrolle klar Lucy Charles zu: Die Britin zeigte im April bei ihrem Sieg des Ironman Südafrika ihre starke Langdistanz-Form. Auch bei „The Championship“ in Samorin war die 24-Jährige nicht zu schlagen und wiederholte ihren Vorjahressieg. Die Chancen stehen also gut, dass Charles bei ihrem ersten Roth-Start direkt den Titel holt. Konkurrenz bekommt sie unter anderem durch Kaisa Sali. Die Finnin belegte in den vergangenen beiden Jahren bei der Ironman-WM Platz fünf und gilt als starke Läuferin.

Hinzu kommt Daniela Sämmler: Die Siegerin des Ironman Hamburg 2017 hat nicht nur eine vordere Platzierung, sondern auch den deutschen Rekord auf der Langdistanz im Blick. Dieser liegt aktuell bei 8:47:26 Stunden und wurde 2008 von Sandra Wallenhorst in Klagenfurt aufgestellt. Um den Rekord zu brechen, müsste Sämmler ihre aktuelle Bestzeit von 8:55:11 Stunden um knapp acht Minuten verbessern. Eine solche Leistung ist ihr durchaus zuzutrauen, ebenso wie der Sprung aufs Podium – an einem guten Tag vielleicht sogar noch mehr. Zum Favoritenkreis gehören außerdem Yvonne van Vlerken, die in Roth bereits dreimal gewinnen konnte, und Laura Siddall, die Siegerin des Ironman Austria 2017.