Gregor Buchholz: "Ich fühle mich wie ein Anfänger"

Sein jahrelang gehegter Olympiatraum platzte Mitte Juli endgültig. Danach hat Gregor Buchholz aber schnell ein neues Ziel gefunden: Den Ironman 70.3 Wiesbaden. In der Vorbereitung kribbelt es beim Kurzdistanz-Spezialisten wieder wie in seiner Anfangszeit.

Von > | 13. August 2016 | Aus: SZENE

Gregor Buchholz | Gregor Buchholz vor seiner Ironman-70.3-Premiere

Gregor Buchholz vor seiner Ironman-70.3-Premiere

Foto >Fabian Fiedler / spomedis

Gregor Buchholz, eigentlich wollten Sie nächste Woche bei den Olympischen Spielen starten. Nach dem Rechtsstreit um die Startplätze sind die der deutschen Männer aber unbesetzt geblieben und Sie dürfen nicht. Wie schnell konnten Sie die Olympia-Enttäuschung abhaken?
Als sich die Situation Mitte Juli rund um das WM-Serien-Rennen in Hamburg so entwickelt hat, wie sie nun ist, habe ich mich erstaunlich schnell damit abgefunden - dachte ich. Etwas später kam die Enttäuschung und der Frust dann aber noch einmal zurück. Während der ganzen Zeit habe ich aber ständig mit Anja Knapp und Steffen Justus geschrieben, die ja ursprünglich ebenfalls nach Rio fahren sollten und denen es nun genauso ging wie mir. Anja hatte die Idee, dann eben stattdessen hier in Wiesbaden beim Ironman 70.3 zu starten. Ich habe kurz darüber nachgedacht und mich dann gefragt: Warum eigentlich nicht? Also haben wir uns alle drei für den Wettkampf gemeldet.

Bei Ihnen ist das naheliegend: Immerhin haben Sie eine Wiesbadenerin geheiratet und leben mit ihr hier, wenn Sie nicht gerade im Trainingslager sind.
Genau, und trotzdem war das für mich bisher eigentlich nie so ein großer Reiz. Ich stand hier schon an der Strecke, meine Frau war sogar schon mehrfach im Rennen aktiv, mich selbst hat es aber nie so richtig gekitzelt. Trotzdem hat mir das Rennen in den letzten drei Wochen geholfen, ein neues Ziel zu finden, mich nicht hängen zu lassen und weiter zu trainieren. Und es hat mir gleich noch einen weiteren guten Grund gegeben, zuhause zu bleiben und nicht wieder zurück zu meiner internationalen Trainingsgruppe in die Pyrenäen zu reisen, was ich monatelang für das große Ziel Olympia auf mich genommen hatte. Immerhin konnte ich so von zuhause aus im Training immer wieder Teile der Strecke abfahren und mir ein Bild von dem machen, was mich erwartet.

Haben Sie im Training gegenüber dem Kurzdistanz-Training denn viel verändert?
Als Kurzdistanzler sind wir ja eher an das "On-Off" gewöhnt - also kurzzeitig sehr schnell oder aber eher locker unterwegs sein. Diese etwas weniger intensiven, dafür aber viel längeren Belastungen sind für uns ungewohnt. Das haben wir im Training etwas stärker berücksichtigt, aber natürlich blieb ab Mitte Juli nicht mehr viel Zeit, noch großartige Anpassungen zu treffen. Die größte Umstellung war da wohl das Zeitfahrrad, das mir mein Sponsor spontan gestellt hat. Als ich vor dreieinhalb Wochen zum ersten Mal in meinem Leben darauf saß, musste ich sofort feststellen, dass sich das doch komplett anders anfühlt als mein Straßenrad. Einige Muskelgruppen, wie der Gluteus und der Nacken, sind plötzlich viel stärker beansprucht. Ich habe versucht, möglichst viel auf dem Zeitfahrrad zu trainieren, aber ich bin froh, dass der Kurs in Wiesbaden so bergig ist, dass ich ab und zu auch mal aus der Aeroposition gehen und die Muskulatur etwas anders belasten kann.

Gibt es noch weitere Unterschiede zur Kurzdistanz?
Absolut. Es ist verrückt, aber ich fühle mich momentan wie ein Triathlon-Anfänger. Es ist alles wieder so aufregend und es kribbelt so ähnlich wie bei meinen ersten Weltcuprennen - und gleichzeitig habe ich auch ständig Fragezeichen im Kopf. Solche Fragen, wie die, was ich in welchen Wechselbeutel packen muss, kannte ich so noch nicht und tauchen seit Tagen immer wieder neu auf. Immerhin habe ich 2013 am zweiten Wechsel gestanden, als Jan Frodeno umhergelaufen ist und seinen verschwunden Beutel gesucht hat. Zum Glück hat meine Frau da eben schon deutlich mehr Erfahrung und kann mir helfen. Da merke ich erst einmal, worüber sich Agegrouper Gedanken machen müssen.

Nach der Pressekonferenz habe ich Sie eben kurz mit Boris Stein sprechen sehen. Stehen Sie eigentlich in Kontakt zu Mittel- oder Langdistanzathleten?
Im Grunde gar nicht. Ich sehe das auch ganz gut am Beispiel von Nils Frommhold: Wir hatten früher viel Kontakt und haben sehr viel miteinander trainiert, aber seitdem er zu den Mittel- und Langdistanzen gewechselt ist, ist das eingeschlafen. Klar, ich bekomme im Groben mit, was da los ist - aber häufig passiert es, dass ich nach dem Rennen eine Ergebnisliste anschaue und da ziemlich weit vorne jemanden sehe, den ich nicht kenne. Meine Frau kennt sich da wiederum besser aus und erklärt mir dann oft, dass die doch total gut ist und schon das und das gewonnen hat. Ich bin da nicht ganz so eifrig hinterher.

Wird sich das in Zukunft ändern? Wenn es am Sonntag gut läuft, könnte das Ihre Karrierepläne doch vielleicht ins Wanken bringen...
Ich denke nicht, dass ich unbedingt Bäume ausreißen werden - da hat Steffen Justus schon von seinem Typus her vielleicht etwas bessere Karten als ich. Ich will einfach in allen Disziplinen solide Leistungen liefern und speziell auf dem Rad auf mich selbst hören. Was dabei dann rauskommt, hängt wahrscheinlich auch vom taktischen Verlauf ab: Wenn sich auf dem Rad eine große "Gruppe" bildet, ist das wohl eher besser für mich, als wenn total Gas gegeben wird. Nach dem WM-Finale im September werde ich meine Profi-Karriere aber beenden und ein Studium der Umweltwissenschaften in Wiesbaden beginnen. Inwieweit ich dann noch gelegentlich Rennen bestreite, kann ich noch gar nicht abschätzen und hängt sicherlich auch davon ab, worauf ich noch Lust habe. Aber ich habe es immer so gehalten und stehe auch weiterhin dazu, dass ich kein Fan davon bin, im Profitum mehrgleisig zu fahren. Entweder will ich mich ganz auf den Sport konzentrieren, oder auf eine Ausbildung. Und ich habe entschieden, dass es Zeit wird, die Fahrtrichtung zu ändern.