Gwen Jorgensen wird Olympiasiegerin, Nicola Spirig holt Silber

Es war kein Spektakel auf der Radstrecke, dafür ein Krimi beim Laufen: Gwen Jorgensen hat Nicola Spirig auf den letzten zwei Kilometern des Olympischen Triathlons in die Knie gezwungen und die Goldmedaille gewonnen. Die Deutschen landeten auf den Rängen 28 und 36.

Von > | 20. August 2016 | Aus: SZENE

Gwen Jorgensen | Gwen Jorgensen (USA) holt sich in Rio den Olympiasieg 2016

Gwen Jorgensen (USA) holt sich in Rio den Olympiasieg 2016

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Es wurde viel spekuliert, wie das Frauenrennen um die Olympia-Goldmedaille im Triathlon laufen könnte - von vielen war sogar ein Spektakel auf der Radstrecke erwartet worden. Doch am Ende kam alles ganz anders: Nach nur fünf Kilometern auf der Radstrecke verlief das fünfte Triathlon-Rennen der Frauen um Olympia-Medaillen bereits in geordneten Bahnen.

Das Spektakel bleibt aus

Nur eines kam bis dahin wirklich überraschend: Trotz ihrer Handbrüche und einer Stressfraktur in der Schulter, die Nicola Spirigs Coach Brett Sutton erst kurz vor dem Rennen in Rio de Janeiro wirklich publik machte, konnte die Olympiasiegerin aus der Schweiz eine der besten Schwimmleistungen ihrer Karriere abrufen und nahe der Spitze aus dem Wasser steigen. Mit einem beherzten Start auf die Radstrecke gelang es der Schweizerin somit, sich sofort in die Spitzengruppe zu schieben - obwohl sie sich im Training auf eine Verfolgungsjagd auf dem Rad vorbereitet hatte, dafür im Vorfeld extra mehrere Windschattenrennen bestritt und auf dem Rad in diesem Jahr fast ausschließlich alleine trainierte. Den Effekt dieses Trainings zeigte Spirig auf dem Rad ungeachtet der Frauen an ihrem Hinterrad: Fast über die gesamten 40 Kilometer hinweg fuhr die Schweizerin im Wind und sorgte damit dafür, dass sich eine 18 Frauen große Spitzengruppe vom übrigen Feld absetzte. Deutsche waren in dieser Spitzengruppe nicht dabei: Laura Lindemann verpasste den Sprung in die Spitzengruppe knapp, Anne Haug mit über zwei Minuten Rückstand nach dem Schwimmen deutlich. Damit lag Haug natürlich viel zu weit zurück, um während des übrigen Rennens noch einmal ins Geschehen einzugreifen.

Spirig sorgte derweil vorne immer wieder für Nadelstiche. Aber nicht, wie erwartet worden war, an dem kurzen, aber giftigen Hügel: Nach einer Abfahrt legte Spirig an der Promenade auf den acht Radrunden immer wieder kurze Sprints ein und zwang Gwen Jorgensen und Co., ihr nachzusetzen. Absetzen konnte sie sich damit aber nie - und auch Flora Duffy hielt sich überraschend zurück und wagte nur einen halbherzigen Ausreißversuch. So erreichte das 18 Frauen große Feld mit fast allen Favoritinnen um Jorgensen, Spirig und die Britinnen Non Stanford und Vicky Holland geschlossen den zweiten Wechsel - und startete auch geschlossen auf die zehn Laufkilometer.

Stehversuche und Unterhaltungen

Geschlossen blieb das Feld dort allerdings nicht mehr lange: Beim Laufen setzten sich Spirig und Jorgensen prompt von den Konkurrentinnen ab und machten die Goldmedaille unter sich aus. Fünf Kilometer lang hängte sich Spirig hinter die laufstarke Amerikanerin und wartete ab. Dann begannen die taktischen Spiele. Keine der beiden Führenden wollte die Tempoarbeit auf der zweiten Hälfte des Laufparts übernehmen, und so redeten die beiden immer wieder, teils grinsend, miteinander, gestikulierten - und wagten zwischenzeitlich gar beinahe Stehversuche, ehe sie wieder zu kurzen Spurts ansetzten. Doch es half nichts: Beide blieben zusammen.

Erst knapp zwei Kilometer vor dem Ziel konnte Jorgensen die entscheidende Attacke setzen und sich binnen weniger Sekunden um 20 Meter von Nicola Spirig lösen. Die Entscheidung. Mit ihren bekannt langen Schritten legte die US-Amerikanerin nun richtig los und rannte der sicheren Goldmedaille entgegen, um im Ziel in Tränen auszubrechen. Spirig konzentrierte sich auf den letzten Metern auf das Verteidigen des zweiten Ranges und freute sich über ihre Silbermedaille. Hinter ihr aber blieb es eng: Die Britinnen Non Stanford und Vicky Holland absolvierten fast das gesamte Rennen Seite an Seite und machten die Bronzemedaille unter sich aus - mit dem besseren Ende für Holland, die sich im Zielsprint knapp vor Stanford behauptete. Laura Lindemann wurde als beste Deutsche 28., Anne Haug kam auf Rang 36 ins Ziel.